Ist Dortmund international genug für Pink Floyd und Pokémon?

dzTourismus

Der BVB, die Pink-Floyd-Ausstellung im U, Pokémons im Westfalenpark und Messen in der Westfalenhalle ziehen immer mehr internationale Gäste in die Stadt. Doch ist Dortmund fit genug dafür?

Dortmund

, 21.08.2018 / Lesedauer: 10 min

Besucher aus dem Ausland, die in Dortmund auf Englisch nach dem Weg fragen, bekommen von den angesprochenen Bürgern oft eine Antwort - auch in Englisch. Allerdings werden solche Fragen immer seltener; denn die Orientierung in einer fremden Stadt ist für Touristen im Zeitalter des Smartphones und Google-Maps kein Problem mehr.

Doch ist die Orientierung nicht das einzige - wenn auch ein wichtiges - Kriterium für den touristischen Wohlfühlfaktor einer Stadt, die nicht nur als internationaler Messe-Standort auf Gäste aus dem Ausland hofft.

Offen für ausländische Gäste?

Wie ist es um die Gastfreundschaft Dortmunds gegenüber internationalen Besuchern bestellt? Zeigt sich die Stadt selbst und zeigen sich Mitarbeiter im Gastgewerbe, im Einzelhandel, Taxifahrer, Stadtführer, Museen und Publikumsmagneten wie der Signal-Iduna-Park, der U-Turm, die Westfalenhallen, der Westfalenpark und das Konzerthaus offen für ausländische Gäste? Gibt es für sie gut lesbare Ausschilderungen, verständliche Informationen zu Bussen und Bahnen, Speisekarten nicht nur auf Deutsch sowie mehrsprachige Internet-Seiten und Informationsangebote?

Zwar hat sich seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in der Wahrnehmung viel getan, was die Öffnung gegenüber ausländischen Besuchern betrifft, doch „bezogen auf eine Internationalisierung steht Dortmund am Anfang“, heißt es im Masterplan „Erlebnis. Dortmund“. Das ist ein Handlungskatalog für acht Jahre, den der Rat im Jahr 2017 verabschiedet hat.

Früher noch das Dortmund-Wiki

Früher war Dortmund-Tourismus, die offizielle Tourismusmarketingorganisation der Stadt, das Dortmund-Wikipedia, wenn ausländische Besucher in das Info-Zentrum kamen oder dort anriefen. Seit einem Jahr liegt es an der Kampstraße 80. „Früher waren wir Kompetenzträger, etwa bei der Frage nach dem ÖPNV oder ,Welches Restaurant empfehlen Sie?‘. Heute lässt sich jede zweite Frage eines touristischen Gastes bei Google direkt beantworten und auch das in verschiedenen Sprachen“, sagt Geschäftsführer Matthias Rothermund.

Trotz kontinuierlicher Steigerungen der Übernachtungs- und Besucherzahlen vor allem bei ausländischen Gästen - allein 2017 um rund 15 Prozent - nehme der Kundenkontakt jedes Jahr um zehn Prozent ab, berichtet der Tourismus-Experte. Bei Online-Medien dagegen nähmen die Nachfragen zu. Die Menschheit sei zunehmend in Netzwerken organisiert, stellt dazu der Masterplan fest. Die Knotenpunkte bringen Menschen und Märkte zusammen.

Nachholbedarf bei flächendeckendem kostenlosen Wlan

Deshalb sei die Digitalisierung des touristischen Angebots ein „Muss“. Hier hat Dortmund offensichtlich Nachholbedarf. Dazu gehört kostenloses Wlan. Auch wenn es bereits einige Hotspots wie die Westfalenhallen und den Flughafen gibt - in der City soll über die Stadttochter Dokom21 ein flächendeckend kostenloses Wlan-Netz entstehen. Noch ist nicht klar, wann es soweit ist. „Mit flächendeckendem Wlan in der City hat man andere Lenkungsmöglichkeiten auch mit Blick auf Großveranstaltungen“, erläutert Rothermund.

Auch die App DO-Guide soll zu einem attraktiven Online-Reiseführer und -begleiter weiterentwickelt und Website-Informationen mehrsprachig synchronisiert werden. Dennoch ersetze der grundsätzliche Wandel bei der Informationsbeschaffung nicht den Kontakt vor Ort, betont der Chef von Dortmund-Tourismus.

Es gibt bereits Schulungen

Um die Internationalisierung Dortmunds voranzutreiben, wird die künftige Aufgabe des selbstständigen Vereins vor allem darauf zielen, die Akteure vor Ort wie Gastronomie und Handel mit Netzwerkarbeit und Wissenstransfer zu unterstützen und ihre Kompetenz etwa bei der Nutzung der sozialen Medien auszubauen. Das gelte besonders für Gastronomien in der Nähe von touristisch interessanten Hotspots, so Rothermund: „Wir bieten bereits kleine Schulungen an.“

Schließlich heißt es im Masterplan „Erlebnis.Dortmund“. „Das Ziel einer stärkeren Internationalisierung (. . .) wird sich nur erreichen lassen, wenn Hotels, Gastronomie, Besuchereinrichtungen, Veranstaltungsbereich etc. sich fremdsprachlich und bei der Servicequalität ständig weiterentwickeln.“

Gradmesser für den touristischen Erfolg des Dortmunds mit Großstadt-Anspruch bleibt letztlich der Ausländeranteil bei den Übernachtungen.

So ist Dortmund aktuell international aufgestellt:

Ist Dortmund international genug für Pink Floyd und Pokémon?

Bei Fußballspielen kommen Gäste - je nach Turnier - aus der ganzen Welt. Übers Jahr gesehen kommen die weitaus meisten Besucher aus England, darunter viele BVB-Fans. © Knut Vahlensieck

Woher kommen die Gäste?

Die Zahl der ausländischen Gäste in Dortmund kennt seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Vor allem in den vergangenen acht Jahren hatte Dortmund mit insgesamt 60 Prozent mehr ausländischen Gästen überdurchschnittliche Wachstumszahlen. Das korrespondiere mit dem in ganz Europa verbreiteten Trend zu mehr Städtereisen, berichtet Matthias Rothermund, Chef von Dortmund-Tourismus.

Von den 759.287 Übernachtungsgästen, die im vergangenen Jahr die Stadt besucht haben, kamen 179.109 aus dem Ausland, an erster Stelle die Briten mit 18.854 Gästen, dicht gefolgt von den Niederlanden mit 18.854 Besuchern und der Schweiz mit 9268 Gästen. Österreich liegt mit 8374 Besuchern auf Platz 4, dahinter Frankreich mit 8353, die USA mit 7541, Polen mit 7188 und Spanien mit 6637 Besuchern.

Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Privatreisende unter den ausländischen Besuchern sind. Einziger Indikator ist die Beherbergungsabgabe. Sie gilt nur für privat motivierte Aufenthalte. Danach sind einschließlich der deutschen Gäste zwei Drittel Geschäftsreisen, ein Drittel privat motivierte Reisen.

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Mithilfe von Google Translator kann man sich die Website der Stadt Dortmund in 104 Sprachen anzeigen lassen, hier ist ein Auszug auf Chinesisch. © Screenshot

Wie international ist die Stadt selbst?

Die für internationale Touristen relevanten Informationen über die Stadt gibt es auf der städtischen Internetseite www.dortmund.de in 104 Sprachen, von Afrikaans bis Zulu. Das Google-Übersetzungsprogramm macht es möglich. Die englische Version wurde zum Kulturhauptstadtjahr 2010 von einem Übersetzerbüro geliefert und wird seitdem nur noch aktualisiert. Den Google Translator haben Muttersprachler stichprobenartig getestet und für ausreichend befunden.

Nicht nur mit acht Partnerstädten im Ausland ist Dortmund eine international orientierte Stadt. Dortmund pflegt zahlreiche Beziehungen zu europäischen und außereuropäischen Partnern abseits der Städtepartnerschaften. Parallel arbeitet die Stadtverwaltung intensiv in den Gremien internationaler Netzwerke mit, um Erfahrungen auszutauschen und kommunale Interessen zu vertreten und wurde dafür unter anderem als „Europaaktive Kommune in NRW“ ausgezeichnet. Nicht zuletzt ist Dortmund Sitz der Auslandsgesellschaft NRW.

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Allein an der TU Dortmund und der Fachhochschule Dortmund studieren insgesamt rund 5200 junge Menschen aus dem Ausland. © Oliver Schaper


Universität und Fachhochschule sind mit der Welt verbunden

Auch in Forschung und Lehre ist Dortmund international vernetzt. Allein an der Technischen Universität (TU) studieren mehr als 3700 Studierende aus rund 120 anderen Ländern. Das ist mehr als jeder zehnte TU-Student. An der Fachhochschule (FH) sind es 1490 Bildungsausländer (Stand 15.5.2018).

Auch auf Hochschulebene kooperiert die TU Dortmund auf vielfältige Weise mit Hochschulen in der ganzen Welt.

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Die Polen sind hinter den Türken die zweitgrößte Gruppe der in Dortmund vertretenen Nationen. Hier machen sie bei einem Tanzfestival im Dietrich-Keuning-Haus mit. © Oliver Schaper

Die in Dortmund vertretenen Nationen

In Dortmund lebten zum Stichtag 31.12.2017 Bürger aus 153 Staaten, an erster Stelle in weitem Abstand Türken (14389), gefolgt von Polen (6493), Syrern (5526), Rumänen (2962). Unter den gemeldeten Bürgern sind auch Menschen aus Island, Bolivien, Barbados und von den Seychellen (alle mit weniger als je fünf Staatsangehörigen). Die zahlreichen Nationalitäten in der Stadt stehen für Dortmunds Vielfalt und Verschiedenheit.

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Wer eine Stadtrundfahrt im roten Hop-on-hop-off-Bus mitmacht, kann sich die Erläuterungen per Audio-Guide in zwölf Sprachen anhören. © Peter Bandermann

Stadtrundfahrten und Fremdenführer

Ausländische Touristen können bei einer Stadtrundfahrt mit dem Hop-on-hop-off-Bus unter zwölf Sprachen wählen. Und auch für einen Stadtrundgang gibt es sogenannte Audioguides (Übersetzung per Kopfhörer) in verschiedenen Sprachen. Zur Beschilderung von touristischen Highlights in der Stadt wie die Reinoldikirche nutzt die Stadt erklärungsarme Piktogramme als Universalsprache.

Das Infomaterial von Dortmund-Tourismus ist neben Deutsch mindestens auch auf Englisch erhältlich. „Wir würden uns vier, fünf oder sechs Standardsprachen wünschen, sagt der Geschäftsführer Matthias Rotermund, „darunter Spanisch, Niederländisch, Polnisch und Türkisch.“ Doch das kostet Geld.

Heike Regener, Chefin von „Meine Heimat Ruhr“, Dortmunds größtem Anbieter von Stadttouren und Stadtführungen, deckt vieles mit Englisch ab, kann aber bei Bedarf mehr bieten, da sie gut mit dem Auslandsinstitut vernetzt ist. So kann mit etwas Vorlauf der Wunsch nicht nur nach französischsprachigen Stadtführern erfüllt werden, sondern auch nach denen, die des Spanischen, Polnischen, Chinesischen und Russischen mächtig sind. „Nur Tschechisch haben wir nicht geschafft.“

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Im Restaurant Lokalmanufaktur im Rathaus gibt es sogar eigens Biertastings für britische Gäste. © Dieter Menne

Gastronomie

Der „Masterplan Erlebnis.Dortmund“ sieht Nachholbedarf in der Gastronomie beim Eingehen auf ausländische Gäste. Was Fremdsprachenkenntnisse angehe, sei die Gastronomie kaum eingerichtet auf internationale Gästegruppen, heißt es in dem Konzept. Dabei gehöre Gästeservice etwa in Form mehrsprachiger Speisekarten zur Selbstverständlichkeit.

Die Dortmunder Industrie- und Handelskammer hat der Gastronomie ein Online-Wörterbuch zur Verfügung gestellt: vom belegten Brötchen über Zwiebelrostbraten bis zur Sicherheitsnadel alles in Englisch, Französisch und Spanisch. Außerdem bietet sie als konkrete Hilfestellung interkulturelle Seminare für Gastronomiebetriebe an.

Doch die Gastronomie in Dortmund hat sich sehr unterschiedlich auf ausländische Gäste eingestellt. Manche Lokale und Restaurants gehen gar nicht auf sie ein, andere Restaurationen – vor allem die, die Anlaufpunkt für internationalen Besuch sind, umso mehr.

So hat Wenkers Keller am Alten Markt, ein Lieblingsrestaurant der englischen Fußballfans, die zu BVB-Spielen anreisen, eine englische Speisekarte zum Herunterladen. Ebenso Hövels Hausbrauerei. Wenn man vor Ort nach englischsprachigen Karten fragt, können Wenkers am Markt, Hövels Hausbrauerei, die Lokalmanufaktur im Rathaus und auch das Pfefferkorn am Phoenix-See damit dienen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. In der Lokalmanufaktur gibt es auch ein Biertasting auf Englisch. Vor Ort gebrautes Bier und westfälische Küche sind bei internationalen Gästen gefragt. Aber auch das Mongos an der Lindemannstraße sowie das Maredo, Steakhaus an der Balkenstraße, dienen mit einer englischsprachigen Website und Karte.

Online auf Englisch reservieren

Beim Emils im U-Turm kann man zumindest auf Englisch online reservieren. Uncle Tom’s, Südstaaten-Restaurant im Kreuzviertel, hat ohnehin eine englischsprachige Speisekarte mit deutscher Übersetzung, ebenso das Road-Stop in Hohensyburg. Allerdings sucht man im Kreuzviertel bei „Schönes Leben“ und „Mit Schmackes“ zumindest auf der Website vergebens nach anderen Sprachen.

Ob spanische Tapas, japanisches Sushi oder indisches Tanduri-Hühnchen – das Angebot der Speiselokale in Dortmund ist international sehr breit gestreut, die kulinarische Weltkarte gut abgedeckt. Sie reicht von der italienischen über die chinesische bis zur australischen und vietnamesischen Küche.

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Alle großen Hotels wie das Radisson Blue sind auf internationale Gäste eingestellt, und viele kleine Häuser ebenso. © Dieter Menne

Die Hotellerie

Für die großen Hotels, vor allem die der bekannten Ketten, gehören internationale Gäste zum Alltagsgeschäft. Die Websites dieser Hotels - auch ganz unterschiedlicher Kategorien – sind ebenso mehrsprachig wie die Buchungsmöglichkeiten im Netz.

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Der Handel profitiert am meisten von auswärtigen Besuchern. In den meisten Geschäften Dortmunds gibt es jemanden, der Kunden aus dem Ausland auf Englisch beraten kann. © picture alliance / dpa

Der Handel

Der Dortmunder Einzelhandel ist einer der größten Profiteure des Tourismus in Dortmund. So steht es im Masterplan Erlebnis. Dortmund. Auch wenn im Handel nicht jedes Geschäft international aufgestellt ist, gibt es laut Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münster, in den meisten Läden mindestens eine Person, die Englisch spricht. Dortmund sei zwar keine Destination wie Frankfurt oder München, wo Saudis gezielt teuren Schmuck kaufen, aber auch Dortmund habe Juweliere mit internationalen Kunden.

Schäfer: „In jedem Geschäft sollte jemand sein, der Englisch spricht, jedenfalls wenn das Geschäft mit ‚taxfree‘ wirbt.“ Soll heißen, dass Gäste aus dem Ausland keine Mehrwertsteuer auf die Ware zahlen müssen und der Händler sich die Umsatzsteuer erstatten lassen kann.

Sprachkurse für Einzelhandels-Mitarbeiter

Die IHK, das Auslandsinstitut und die Volkshochschule bieten Sprachkurse für Mitarbeiter im Einzelhandel an. In welchem Umfang dieses Angebot genutzt werde, hänge vom Arbeitgeber und vom Mitarbeiter ab, sagt Schäfer.

Laut Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, bringt die Industrie- und Handelskammer das Thema Internationalisierung mit Veranstaltungen, halbjährlichen Umfragen und mit Informationen regelmäßig auf die Tagesordnung.

Das Zahlen mit Kreditkarten in Geschäften und in der Gastronomie auch bei kleinen Beträgen ist international etabliert. In Deutschland allgemein und damit auch in Dortmund, wo man meist in bar oder mit EC-Karte zahlt, lässt das bei ausländischen Besuchern noch viele Wünsche offen.

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Fahrkartenautomaten von DSW21 zeigen die Ticket-Informationen in sechs Sprachen an. © Dieter Menne

Bus und Bahn

Wer Dortmund mit Bus und Stadtbahn erkunden möchte, findet im Internet und überall im medialen Bereich, in dem sich ausländische Gäste tummeln, Netzpläne, Ticketempfehlungen und Service-Nummern neben Deutsch in sechs Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Holländisch und Polnisch. Auch eine App soll in Kürze verfügbar sein.

Die Fahrkartenautomaten an allen Stadtbahn-Haltestellen zeigen ebenfalls die Ticket-Infos in diesen Sprachen an, wenn man auf das entsprechende Flaggensymbol tippt. Auch den Hinweis, dass Schwarzfahren teuer werden kann, findet man in allen Bussen und Bahnen in sechs ausländischen Sprachen.

Für Übersetzungen sind Abstände zwischen Haltestellen zu kurz

Für Übersetzungen der Ansagen zu den einzelnen Stadtbahn-Haltestellen mit ihren Umsteigebeziehungen allerdings reiche die Zeit von manchmal nur 30 Sekunden zwischen den Haltepunkten nicht, erläutert DSW-Unternehmenssprecher Bernd Winkelmann, „das gibt der Zeitrahmen nicht her“.

Bei besonderen Ereignissen, zu denen viele internationale Gäste zu erwarten sind, wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006, setzt DSW21 Dolmetscher in den Sprachen ein, die gerade bei dem Anlass gefragt sind.

Bei den Busfahrern unter den 850 Fahrdienstmitarbeitern stößt die Internationalität schnell an ihre Grenzen. „Wir sind nach wie vor ein städtisches Unternehmen“, sagt Winkelmann, „und von den Busfahrern können wir nicht erwarten, dass sie mehrsprachig unterwegs sind.“ So hoch lasse sich das Anforderungsprofil nicht schrauben. Im Notfall könne man über die Leitstelle auf Englisch kommunizieren.

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Auf Wunsch bekommt an in Dortmund ein Taxi mit englischsprachigem Fahrer. Häufig wird das allerdings nicht verlangt. © Stephan Schütze

Taxi-Gewerbe

Die erste Fahrt internationaler Besucher in Dortmund führt meist mit dem Taxi zum Hotel. Bei der Taxi-Genossenschaft mit 440 angeschlossenen Taxen kann man auf Wunsch einen englischsprachigen Fahrer bekommen. Auch die App My Taxi gibt es in englischer Version genauso wie die von CabDo. Das sind die schwarzen Limousinen.

Bei der Einstellung von neuem Personal seien Englisch-Kenntnisse keine Bedingung, nur ein Pluspunkt, erläutert CabDo-Geschäftsführer Wladislaw Tepliakov. Es komme vor, dass insbesondere von Hotels während großer Messen nach englischsprachigen Fahrern gefragt werde, doch das mache weniger als ein Prozent aller Fahrten aus.

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Solche Events braucht Dortmund: Die Pink-Floyd-Ausstellung, die am 15. September in den U-Turm einzieht, verspricht ein Publikumsmagnet mit internationaler Ausstrahlung zu werden. © Dieter Menne

Veranstaltungen und Ereignisse mit internationaler Ausstrahlung

„Dortmund ist schön, ich komme und guck mal“ - , nein so funktioniere hier der Tourismus nicht, weiß Matthias Rothermund. Es brauche ein Event. Und Dortmund hat Events mit internationaler Ausstrahlung wie das Pokémon-Festival in diesem Jahr, das alljährliche Musikfestival „Juicy Beats“ und ab Herbst die Pink-Floyd-Ausstellung im Dortmunder U, die viele Gäste aus dem nahen europäischen Ausland anzuziehen verspricht.

Nicht zuletzt der BVB lockt bei internationalen Spielen Besucher jenseits der deutschen Grenze an. Besuchermagneten sind auch der Weihnachtsmarkt mit dem größten Weihnachtsbaum der Welt, die Westfalenhallen mit ihren Welt- und Europameisterschaften sowie den Messen wie „Jagd und Hund“. Oder auch das nationale Fußballmuseum. „Je mehr Formate mit Strahlkraft, desto mehr längere Aufenthalte lassen sich generieren“, sagt Rothermund.

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Die Westfalenhalle strebt mit neuem Messeeingang internationales Niveau im Besucherservice an. © Peter Bandermann

Westfalenhalle

Ob die Kelly-Family oder die „Jagd und Hund“ mit 800 Ausstellern aus 41 Ländern – die Westfalenhallen GmbH hat mit ihren internationalen Leitmessen und Veranstaltungen Strahlkraft über deutsche Grenzen hinaus. Auf der Weltleitmesse InterTabac kamen 2017 41 Prozent der Fachbesucher und 85 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. Menschen aus 64 Nationen waren in Dortmund zu Gast.

„Wir sehen in der Internationalisierung eine große Chance für Dortmund“, betont Westfalenhallen-Chefin Sabine Loos, „bei dem Thema ist in der Stadt sicher noch einiges zu tun. Die Globalisierung bietet Möglichkeiten, die wir alle gemeinsam als strategisches Moment nutzen sollten. Wir als Westfalenhallen beschäftigen uns heute gezielt mit diesem Thema, anders als vielleicht noch vor zehn Jahren.“

Service-Angebote für internationale Besucher

Internetauftritte der Dortmunder Messen werden heute je nach Zielgruppe auch auf Englisch, Niederländisch oder Spanisch angeboten. Die internationalen Internetseiten ergänzen die Service-Angebote für internationale Besucher, zu denen bei Fachmessen unter anderem eine Online-Hilfe bei der Beantragung eines Messevisums sowie Informationsstände an bestimmten internationalen Flughäfen in NRW während der Messelaufzeit gehören.

Die Messe Westfalenhallen Dortmund baut gerade gezielt das Segment der Fachmessen aus. Gerade dieses Segment sorgt für zunehmende internationale Anziehungskraft.

Zweisprachige Beschilderung

Die Beschilderung in den Hallen ist zweisprachig (deutsch/englisch). Service-Unterlagen in der Messe, im Hotel und in der Gastronomie (z.B. Speisekarten) sind ebenfalls zweisprachig vorhanden. Die Hotelzimmer sind mit englischsprachigen Fernsehprogrammen ausgestattet. Mindestens englische Sprachkenntnisse sind für die Mitarbeiter überall dort unverzichtbar, wo es Kundenkontakt gibt.

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Bei internationalen Spielen platziert Borussia Dortmund Hinweise für ausländische Fans an den Eingängen des Signal-Iduna-Parks. Auch die Website ist in mehreren Sprachen verfügbar, darunter in Chinesisch und Japanisch. © Stephan Schütze

Borussia Dortmund

Im Signal-Iduna-Park werden bei internationalen Spielen Extra-Beschriftungen angebracht. Wenn der Trend anhalte, dass auch zu Bundesligaspielen immer mehr englische Fans anreisen, könne man darüber nachdenken, die internationale Beschilderung auszuweiten, sagt BVB-Organisationschef Christian Hockenjos.

Bei Stadionführungen erhalten nichtdeutschsprachige Gäste Audioguides mit Simultan-Übersetzungen (über Kopfhörer). Zur Mitgliederbetreuung und für den Kartenverkauf werden für Mitarbeiter des BVB eigens Englisch-Schulungen organisiert.

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Der Schaustellerverband Rote Erde wirbt auch im Ausland für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. 80 Prozent der Weihnachtsmarkthändler können sich auf Englisch verständigen. © Stephan Schütze

Weihnachtsmarkt

Die Schausteller machen im Ausland gezielt Werbung für den Dortmunder Weihnachtsmarkt. Mit Erfolg. Vollbesetzte Busse und Flieger kommen unter anderem aus Holland, England und Polen. 80 Prozent der Schausteller, schätzt Patrick Arens, Vorsitzender des Dortmunder Schausteller-Vereins Rote Erde, können sich auf Englisch mit den Kunden verständigen. Man sei aber aktuell dabei zu prüfen, wie sich die Quote verbessern lasse.

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