Israel-Kritik: Veranstalter und Referent wehren sich gegen Antisemitismus-Vorwurf

dzAttac und DGB

Eine israelkritische Veranstaltung in Dortmund sorgt für Wirbel. Veranstalter und Redner wehren sich gegen Vorwürfe der Jüdischen Gemeinde. Die wiederum fühlt sich unter Druck gesetzt.

Dortmund

, 10.12.2019, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 11. Dezember (Mittwoch) spricht der Journalist Andreas Zumach in der Pauluskirche an der Schützenstraße 35 über „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren“. Veranstalter sind der DGB und Attac.

Die Jüdische Gemeinde Dortmund hatte die Veranstaltung scharf kritisiert. In einer Stellungnahme hatte die Gemeinde die Attac, DGB und Redner Andreas Zumach in die Nähe von Antisemitismus und Aussagen von Rechten gerückt.

Referent Andreas Zumach wehrt sich

Andreas Zumach, Uno-Korrespondent für die taz, wehrt sich gegen diese „tatsachenwidrige und verleumderische Falschbehauptung der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund (JKGD)“. Er habe die JKGD bereits zur Unterlassung der Behauptung aufgefordert, dass es ihm allein darum gehe, die als antisemitisch kritisierte BDS-Kampagne vom Vorwurf des Antisemitismus reinzuwaschen.

BDS steht für „Boykott, Desinvestition und Sanktionen“ und kämpft gegen Israels Palästinenser-Politik. Führende BDS-Vertreter bestreiten offen das Existenzrecht Israels und wollen diesen Staat abschaffen.

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„Ich mache ja deutlich, dass es die Versuche, legitime Kritik an israelischer Regierungspolitik als antisemitisch zu diffamieren und damit zu unterbinden und somit ,Grenzen des Sagbaren‘ zu ziehen, unabhängig von BDS sowie bereits lange vor BDS gibt und gab“, sagt Andreas Zumach.

Die unterstellte Nähe zu Rechtspopulisten bezeichnet er als eine „infame Unterstellung“. Zumal er Aussagen wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ausdrücklich ablehne - und das auch in seinem Vortrag deutlich mache.

Boykottaufruf der Jüdischen Gemeinde

Zumach bedauert den Boykottaufruf des Vorstandes der JKGD gegen die Veranstaltung. „Ich hoffe, dass sich die Mitglieder der JKGD und darüber hinaus alle jüdischen Bürger Dortmunds durch diesen Boykottaufruf nicht verängstigen lassen.“

Die Jüdische Gemeinde wiederum reagiert in einer erneuten Stellungnahme auf die Hinweise von Zumach zur Unterlassung. „Der Referent der Veranstaltung droht der Jüdischen Gemeinde in einer Mail mit juristischen Schritten bis zur Strafanzeige. Der Referent sollte eigentlich andere Meinungen ertragen können und nicht versuchen, der Jüdischen Gemeinde den Mund zu verbieten“, so der Vorstand.

Kundgebung gegen die Veranstaltung von Attac und DGB

Die Attac Regionalgruppe Dortmund zeigt sich „sehr betroffen“ von der Haltung der Jüdischen Gemeinde. Es werde „Stimmung gemacht“, aber eine sachliche Diskussion unterbunden.

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Im Vorfeld der Veranstaltung hat um 18 Uhr die Gewerkschaft „Die junge GEW“ eine Kundgebung gegen Antisemitismus auf dem Vorplatz der Pauluskirche angekündigt und stellt sich damit gegen ihren Dachverband. Dortmunder Antifa-Gruppen wollen sich beteiligen.

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