Irmingard Degen organisiert in Dortmund erstmals ein Speeddating für Ü55-Singles

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Rund 34 Prozent der Singles in Deutschland sind über 64, ergab eine Studie des Statistischen Bundesamts. Irmingard Degen will dagegen etwas tun. Daher veranstaltet sie Ü55-Speeddatings.

Dortmund

, 21.11.2018, 17:57 Uhr / Lesedauer: 4 min

Irmingard Degen ist die Frau, die Singles ab 55 Jahren zusammenbringen will. Die Dozentin für Psychosomatik gibt freiberuflich in Seminaren Beziehungstipps. Aus dem Ehrenamt heraus entwickelte die gebürtige Dortmunderin vor zwei Jahren die Idee: Speeddating-Abende für ältere Singles, bei denen sich jeweils sechs Frauen und sechs Männer im Wechsel kennenlernen können. Nachdem das Format in Essen Erfolge feierte - sie brachte sieben Paare zusammen -, kommt es nun auch nach Dortmund. RN-Mitarbeiterin Verena Schafflick sprach mit Degen über Tinder, Ängste und Dating-Tipps.

Frau Degen, wie misstrauisch beäugen Sie Tinder?

(lacht) Ich beäuge das eher weniger kritisch, dafür aber meine Kunden. Sie wollen sich nicht auf irgendwelchen Internetseiten oder Apps anmelden, um irgendwen Fremdes anzuschreiben. Sie wollen den persönlichen Kontakt. Sie wollen mit jemandem ins Gespräch kommen.

Naja, aber ist Tinder nicht einfach die moderne Form des Speeddatens? Man hat schließlich beide Male nicht viel Zeit, um jemanden kennenzulernen.

Ja, aber entscheidend ist, dass das alles nicht so anonym ist. Die Leute mögen wie gesagt den persönlichen Kontakten und das Gespräch.

Nun sagen böse Zungen ja, dass die Welt durch Tinder zu schnelllebig geworden ist und die Menschen sich nicht mehr richtig Zeit nehmen, um Leute kennenzulernen.

Ja, ich glaube schon. Ich glaube aber auch, dass viele ältere Menschen aufgrund ihrer Erfahrungen schneller "aussortieren". Beim Speeddating ab 55 haben viele der Teilnehmer schon lange Beziehungen hinter sich. Manche leben in Scheidung oder bei anderen ist der Partner bereits verstorben. Gerade dann haben sie bestimmte Vorstellungen, wie der neue Lebensgefährte sein soll. Manche vergleichen zu viel mit alten Lieben.

42,9 Prozent der Deutschen haben im Alter Angst vorm Alleinsein. Setzt das viele Singles ab 55 unter Druck?

Ich glaube schon, aber nicht nur. Die meisten Menschen geben auch nicht zu, dass sie einsam sind, weil das als Schwäche ausgelegt wird. Es gibt außerdem gerade bei den Männern manche, denen die Teilnahme am Speeddating unangenehm ist. Sie erzählen ihren Freunden oder ihrer Familie nicht davon. Meistens, weil die Freunde im Sportverein oder so sagen: "Das hast du doch gar nicht nötig!" Da geht es viel ums Ego. Frauen sind da extrovertierter. Für mich ist es daher auch einfacher, für das Speeddating Frauen als Männer zu finden. Außerdem gibt es doppelt so viele weibliche Singlehaushalte ab 60 Jahren wie männliche.

Irmingard Degen organisiert in Dortmund erstmals ein Speeddating für Ü55-Singles

Irmingard Degen ist Dozentin für Psychosomatik und gibt freiberuflich in Seminaren Beziehungstipps. © Bine Bellmann


Worin unterscheidet sich denn das Datingverhalten beispielsweise zu jemandem mit 30 Jahren?

Junge Leute haben schneller die Schmetterlinge im Bauch, da ist die Anziehung größer und man trifft sich öfter, weil man nicht direkt diese Heiratserwartung hat. Heiraten wollen die älteren Leute oftmals auch nicht, aber sie haben keine Zeit, jemanden lange zu daten. Dann erzwingen sie schnell was, und so kommt es schneller zu einer Beliebigkeit bei der Auswahl der möglichen Partner.

Stichwort Beliebigkeit. Wie bereiten Sie die Kunden auf das Speeddating vor?

Ich führe vorab mit den Kunden Gespräche und briefe sie, dass sie sich vorher überlegen sollen, was sie für Werte haben. Damit meine ich dann nicht Äußerlichkeiten wie die berühmten weißen Tennissocken oder Eigenschaften wie rauchen. Werte sind eher Themen wie Familie, Glaube oder auch Sexualität. Ich hatte bei einem Treffen noch einen Mann dabei, der die Frauen gefragt hat, ob sie noch sexuell aktiv sind. Weil bei manchen Frauen ab 55 ist das nicht mehr die Selbstverständlichkeit und für ihn war das halt wichtig. Die Teilnehmer müssen aber auch verstehen, dass nicht alle schlechten oder störenden Eigenschaften in Stein gemeißelt ist, alles ist verhandelbar. Wie beispielsweise besagtes Rauchen. Ich hatte einen Teilnehmer, dem eine Frau sagte, dass sie keine Raucher mag. Daraufhin hat er mit dem Rauchen aufgehört. Außerdem sage ich im Vorfeld schon, dass einen geeigneten Partner zu finden wie ein Lottogewinn ist.

Was genau suchen Menschen denn, die sich bei Ihnen anmelden?

Sie suchen einen Menschen, der zu ihnen gehört. Das muss nicht immer eine feste Beziehung sein. Vor allem Frauen suchen auch manchmal einfach einen Freizeitpartner, der mit ihnen in den Urlaub fährt oder einfach nur da ist, wenn man ihn braucht.

Wie genau muss man sich so ein Speeddate vorstellen? Man setzt sich hin, redet drauf los und hofft, dass es passt?

Ja, irgendwie schon. Also es ist wirklich so, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Die Leute kommen an, bekommen ein Namensschildchen und dann geht es eigentlich auch direkt los. Jeder hat acht Minuten Zeit, um den anderen kennenzulernen. Danach ertönt eine Glocke und die Männer wechseln den Platz. Im Vorfeld bekommen alle Kandidaten einen Zettel, auf denen die Namen der Speeddates stehen. Im Anschluss können sie bei Interesse dort Häckchen setzen. Hat die ausgewählte Person auch Interesse, sorge ich dafür, dass die beiden sich kennenlernen - entweder tausche ich die Nummern oder die E-Mail-Adressen aus.

Also ist Speeddating nichts für introvertierte Menschen?

Das würde ich nicht sagen. Ich hatte mal einen Mann dabei, der sich selber als schüchtern beschrieben hat. Aber er sagte auch: „Die Schüchternheit muss man an der Garderobe abhängen.“ Nervosität ist irgendwie in Ordnung. Außerdem sind ja alle in der Situation, alle sind am Anfang verlegen und wissen nicht, wie sie das Gespräch anfangen sollen.

Wir haben gerade darüber gesprochen, wie die Kandidaten sich vorbereiten. Wie bereiten denn Sie sich vor?

Ich telefoniere wie gesagt mit allen Teilnehmern im Vorfeld. Da frage ich dann das Alter ab und das Alter der potentiellen Partner. Die Kandidaten sind in Gruppen unterteilt, jeweils von 55 bis 68 Jahre und von 65 bis 80. Manche Leute erzählen mir in dem Gespräche auch ihre Lebensgeschichte (lacht).

Was sind denn so Themen, die man beim ersten Treffen lieber außen vor lassen sollte?

Religion und Politik, frühere Partner und Krankheiten sollte man nicht ansprechen. Wie gesagt: Man sollte über die Werte sprechen. Und keine ausufernden Themen anfangen, damit der Gegenüber auch mal die Möglichkeit bekommt, etwas zu sagen.

Sie bieten Ihre Treffen zum Speeddating inzwischen nicht mehr nur in Essen an, sondern nun eben auch in Dortmund. Ist die Resonanz so groß oder woran liegt das?

Viele meiner Teilnehmer kommen aus Dortmund oder dem Umkreis. Dortmund liegt gut, das Einzugsgebiet in Richtung Sauerland und Münsterland ist hier größer. Außerdem ist Dortmund meine Heimatstadt, da kenne ich mich aus. Sonst ist es manchmal schwierig, geeignete Lokale zu finden.

Das erste Speeddating ab 55 Jahren findet im Restaurant Due Leoni, Mergelteichstraße 76, am Freitagabend, 14. Dezember, statt. Danach sollen die Treffen jeweils am zweiten Freitag im Monat stattfinden. Eine Uhrzeit erfahren Interessierte bei der Anmeldung. Die Teilnahmegebühr beträgt 55 Euro, inklusive eines Getränks. Anmeldungen telefonisch bis zum 14. Dezember unter (02054) 944 09 93. Weitere Infos und Termine gibt es online.
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