Der nächste handgeschriebene Zettel, dass ein Geschäft in Folge der Corona-Krise aufgeben muss, hängt an der Prinzenstraße in der Dortmunder City. © Felix Guth
Corona-Krise

Institution in der Dortmunder Innenstadt muss nach Jahrzehnten aufgeben

Der Lockdown zwingt eine Institution in der Dortmunder Innenstadt zum Aufgeben. Die Krise trifft ein Geschäft aus einer Branche, die wie kaum eine zweite von den Corona-Folgen betroffen ist.

Es ist einer dieser Zettel, die am liebsten niemand würde lesen müssen. Doch sie sind immer häufiger in der Dortmunder City zu sehen.

„Liebe Kunden, Corona hat uns in die Knie gezwungen. Daher müssen wir leider unser Geschäft für immer schließen. Vielen Dank für ihre Treue“, steht auf einem Blatt Papier in der Glastür eines besonderen Geschäfts, das seit mehreren Jahrzehnten Teil der Dortmunder Innenstadt ist.

Der „Ticket Shop“ an der Prinzenstraße, direkt neben dem Dortmunder Rathaus, wird nicht mehr wiedereröffnen.

Von der Corso-Passage an den Friedensplatz

Der „Ticket Shop“ befand sich lange Jahre in der Corso-Passage Westenhellweg, zog dann in die Nähe des Friedensplatzes. In vor-digitalen Zeiten war das kleine Ladenlokal eine feste Adresse für jeden, der Konzert-, Festival- oder Theaterkarten kaufen wollte.

Selbst als sich der Verkauf von Karten für Veranstaltungen mit den Jahren immer stärker ins Internet verlagerte, blieb der „Ticket Shop“ noch erhalten. Auch, weil man sich hier die Versandgebühr für Tickets sparen konnte und manch einer die teuren Karten gern direkt selbst Hand hält.

Es blieben auch die Dinge, die immer zum Besuch im „Ticket Shop“ dazugehörten. Das herrlich aus der Zeit gefallene Logo. Das schnelle Überfliegen der draußen angeschlagenen Konzerttermine. Die Riesen-Konzert-Poster drinnen.

Corona hat die Veranstaltungswirtschaft lahm gelegt

Die freundliche Frau hinter dem Verkaufstresen, die irgendwann die begehrten Tickets aus dem Drucker geholt hat. Aus dem Ticketshop herauszugehen war immer mit der Vorfreude auf irgendetwas Schönes verbunden.

Doch dann kam Corona. Und damit der sofortige Stopp für alles, auf dem das Veranstaltungsgeschäft aufbaut. Mittlerweile sind selbst die vor einem knappen Jahr hektisch auf 2021 verlegte Termine ein Jahr weitergeschoben. Eine realistische Perspektive für so etwas wie ein Live-Geschäft gibt es gegenwärtig nicht.

Der „Ticket Shop“ gehört zur Werbeagentur MLG aus Dortmund. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen. Die genauen Gründe für die Schließung sind deshalb nicht bekannt.

Doch in einer Zeit, in der selbst Branchen-Giganten wie Eventim große Einbußen hinnehmen müssen, ist es nachvollziehbar, dass es für einen kleinen Händler wie den „Ticket Shop“ erst recht schwierig wird.

Mit der Krise im Einzelhandel hat die Schließung des Kartenhändlers nur am Rande zu tun, zu speziell ist das Wirtschaftsfeld. Aber es verschwindet ein weiterer Name aus der Innenstadt, der lange dazugehörte.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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