Innenstadt-Gastronomen sollen über Jahre Betrug im großen Stil betrieben haben

dzVorwürfe

21 Gläubiger beschuldigen zwei Gastronomen, die ein Lokal in Dortmund betreiben, im großen Stil zu betrügen - in diversen Ruhrgebiets-Städten. Die Beschuldigten nennen das Rufmord.

Dortmund

, 23.12.2019, 11:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Betreiber eines noch recht neuen Gastronomieangebotes in der Dortmunder Innenstadt sollen seit vier Jahren in mehreren Ruhrgebietsstädten als Betrüger bekannt sein.

21 Gläubiger versuchen mittlerweile, auf dem Klageweg an ihr Geld zu kommen. Darunter ist auch ein Unternehmen, das den zwei Männern die Geschäftsräume in Dortmund vermietet hat.

Die Masche, mit der das Duo immer wieder in Erscheinung treten soll, nennt sich Stoßbetrug. Das heißt, dass Räume angemietet, Waren und Maschinen bestellt werden, ohne Rechnungen zu begleichen. Und sobald die Gläubiger ihre Forderungen durchsetzen wollen, werden Inventar und Ware weiterverkauft, die Ladenlokale schlagartig verlassen - um sich an anderer Stelle neu einzumieten.

Gläubiger haben Angst

Die Männer, gebürtig aus dem Ruhrgebiet, sollen gegenüber den Gläubigern angeblich furchteinflößend auftreten. Einer der Ex-Vermieter bestätigt gegenüber unserer Redaktion, dass ihm Schläge angedroht worden seien. Die Männer sollen zudem aus dem Umfeld eines bekannten Motorrad-Clubs stammen.

Ihre Einschüchterungsversuche zeigen Wirkung: Etliche Gläubiger haben Angst. Wer über seine Erfahrungen spricht, will unerkannt bleiben. So auch die geprellten Vermieter des Dortmunder Ladenlokals.

Seit dem Einzug und der Ladeneröffnung im Sommer hätten die Männer keine Miete bezahlt. Derzeit laufe eine Räumungsklage gegen sie, wie der Vermieter bestätigt.

Angeblich seit 2015 unterwegs

Unlängst haben sich viele der Geprellten zu einer Gläubigergemeinschaft zusammengetan. Bereits seit 2015 sollen die Geschäftsleute mit der Betrugsmasche unterwegs sein.

Als Gesellschafter ihrer Firmen sind im halbjährlichen Wechsel jeweils beide Männer angegeben. Die damalige Unternehmensanschrift wird laut den Gläubigern auch heute noch von den Männern benutzt: „Nur außer zugeklebten Briefkästen ist da nichts mehr", sagt ein Gläubiger.

Angeblich Vorfälle in Essen

2017 mieteten sich die Männer in einem Essener Einkaufscenter ein. Das Center-Management bestätigt auf Anfrage, dass es Ärger mit den Mietern gab, will sich aber nicht zu den Umständen äußern. Man wolle nicht mit den beiden in Verbindung gebracht werden, sich nicht auf deren Niveau herablassen.

Ein anderer Gläubiger beschreibt die Vorkommnisse in Essen: „Der eine war morgens schon stark alkoholisiert, hat in dem Center randaliert und an Schaufenster gekotzt. Man hat die danach achtkantig rausgeworfen".

Lokal in Top-Lage

Im Dezember 2018 interessierten sich die mutmaßlichen Betrüger den Angaben von Gläubigern nach für ein Ladenlokal in einer Essener Top-Lage. „Mehrfach haben sie sich die Räume zeigen lassen", so der Makler, der damals vermittelte.

Als die Männer zum Zweck einer Bonitätsprüfung ihre Personalausweise vorzeigen sollten, hätten sie herumgedruckst. Lediglich manipulierte Kopien der Ausweise seien später geschickt worden.

„Bis heute wurden weder die Vermittlungscourtage von 5000 Euro beglichen, noch Miete bezahlt", sagt der Makler. Über Nacht hätten die Schuldner bloß ein Schild ins Fenster gehängt und seien dann abgehauen.

Anwalt eingeschaltet

„Um an das Geld zu kommen, haben wir einen Anwalt eingeschaltet, aber der Gerichtsvollzieher konnte nichts pfänden", so der Makler. Unter der angegebenen Privatadresse hätte der Gerichtsvollzieher nie jemanden angetroffen. Und obwohl man rausgefunden habe, wo sich die Männer nach dem Auszug mit einem neuen Laden niedergelassen hatten, wäre dort vor Ort nie etwas in der Kasse gewesen.

Schufa-Auskunft soll falsch gewesen sein

Im Januar 2019 soll ein Mülheimer Opfer des Duos geworden sein: Ein großes, möbliertes Büro mieteten die Männer von ihm, sagt er.

Dem Vermieter wurden mutmaßliche Schufa-Dokumente vorgelegt, die sich im Nachhinein angeblich als Fälschungen herausgestellt hätten: „Eine Anfrage bei der Schufa ergab, dass diese Papiere dort niemals ausgestellt worden waren. Auch die Daten auf den Ausweis-Kopien der Männer waren falsch".

Vier Monate lang habe das Paar die Räume genutzt, Miete sei nicht gezahlt worden. „Als sie auf Mahnungen nicht mehr reagierten, habe ich einen Bekannten zu ihnen geschickt, um das Geld einzutreiben. Da kam wieder nichts - zwei Wochen später waren sie weg."

Verfahren seit 2017

„2017 wurde ein Verfahren wegen Betrugs und Unterschlagung gegen einen der Männer eingeleitet", sagt Richter Michael Schütz, Sprecher des Amtsgerichts Essen. Zwischenzeitlich wurde Anklage erhoben, der Prozess dauert an. Ein neuer Verhandlungstermin ist laut Schütz bisher noch nicht festgesetzt worden.

Zu den Geschädigten sollen ebenfalls große international tätige Firmen aus dem Gastronomie-Bereich zählen. Getränkehersteller Coca Cola oder die Speiseeis-Firma Schöller gehörten laut dem Sprecher der Gläubigergemeinschaft dazu. Auf Anfrage wollten sich Sprecher der Firmen nicht zur Sache äußern.

Geschädigte in weiteren Städten

Laut dem Sprecher der Gläubigergemeinschaft soll das Duo auch in Düsseldorf und Wachtendonk mit derselben Masche aufgetreten sein. Der Gesamtschaden der Geprellten soll sich aktuell auf mehrere Hunderttausend Euro belaufen.

Als Gesellschafter des Dortmunder Gastro-Betriebes tritt der ältere der beiden Männer auf. Im Gespräch mit unserer Redaktion weist er die Vorwürfe entschieden zurück. „Das ist alles ausgemachter Quatsch. Wir haben alle Rechnungen immer beglichen", sagt er. Ebenfalls bestreitet er, Schulden beim Vermieter des Dortmunder Ladenlokals zu haben.

Beschuldigter bestreitet Vorwürfe

Trotzdem will er den Laden bald schließen. „Wir haben das Lokal gekündigt, weil wir demnächst in Gelsenkirchen und Venlo Läden eröffnen werden." Man werde das Geschäft zum 1. Februar schon wieder aufgeben.

Auch sein Geschäftspartner bestreitet, dass am Amtsgericht Essen gegen ihn prozessiert wird: „Da ist nichts dran, ich habe im Leben noch nie einen Laden oder ein Büro gewerblich angemietet". Weder hätte er manipulierte Kopien seines Personalausweises verbreitet noch gefälschte Schufa-Auskünfte vorgelegt. Die Vorwürfe bezeichnet er als Rufmordkampagne gegen seine Familie.

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