Frauenquote bei Straßennamen - eine Option für Dortmund?

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Die Linke in Düsseldorf fordert die Gleichstellung von Mann und Frau bei der Vergabe von Straßennamen - nur drei Prozent der Straßen dort seien nach Frauen benannt. Wie sieht es in Dortmund aus?

von Daniel Reiners

Dortmund

, 21.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Idee der Linken in Düsseldorf klingt simpel: Es sollen so lange keine Straßen mehr nach Männern benannt werden, bis ein Gleichgewicht hergestellt wurde. Denn nur drei Prozent der Düsseldorfer Straßen tragen die Namen ehrwürdiger Frauen.

Kleiner Haken: Bei durchschnittlich neun Straßenneubenennungen pro Jahr würde das Emanzipationsvorhaben beinahe zu einem Jahrhundertprojekt. Wie sieht die Lage in Dortmund aus?

In Dortmund gibt es 4078 Straßen. Etwa 1000 davon tragen den Namen einer ehrwürdigen Person. Etwa 100 davon seien weiblich, so die Stadt. Mit einer Frauenquote von zehn Prozent steht Dortmund also (etwas) besser da als Düsseldorf.

Dortmund als Bergbau- und Stahlstadt männderdominiert


In Dortmund wurden zwischen 2005 und 2019 31 Frauen mit der Benennung einer Straße nach ihnen geehrt. Mit 64 waren es doppelt so viele Männer.

„Mit einem Blick auf die Regionalgeschichte Dortmunds findet man schnell die Begründung für die Männerdominierung. Als Bergbau- und Stahlstadt ist die Stadt eindeutig in männlich geprägten Kontexten einzuordnen“, sagt die Dortmunder Gleichstellungsbeauftragte Maresa Feldmann. Oder einfacher: „Frauen kamen hier seltener vor.“

Frauen und Männer in ausgeglichenem Verhältnis

Dennoch habe in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. So seien 2018 und 2019 ebensoviele Straßen mit Frauennamen wie mit Männernamen benannt worden.

Die Dortmunder Ratsfraktion von Linke & Piraten beschäftigt sich mit dem Thema im Gegensatz zu ihren Düsseldorfer Kollegen nicht, ergibt eine stichprobenartige Umfrage unter Dortmunds Parteien. Frauenquoten seien eher ein Thema für Bereiche wie Führungspositionen. Bei einer Debatte um die Vergabe von Straßennamen handele es sich um Symbolpolitik.

Quote wäre überzogen

Die CDU sieht es als wichtig an, dass Frauen in der Erinnerungskultur ausreichend bedacht werden. Allerdings sieht man eine Quote bei der Straßenbenennung als überzogen an. „Die Männerdominierung retrospektiv durch ein Frauenquoten-Gesetz ausgleichen zu wollen, halten wir für deutlich über das Ziel hinaus geschossen“, heißt es aus der CDU-Fraktion im Dortmunder Rat.

Die Grünen und die SPD haben keine dezidierte Meinung zum Thema. Man habe bisher in Sachen Frauenquote eher auf anderen Gebieten Politik betrieben.

Bezirksvertreter entscheiden

Initiiert werden Straßenbenennungen vom Dortmunder Tiefbauamt. Anschließend entscheiden die Bezirksvertretungen über die Neubenennungen. Ausgewählt wird bei der Vergabe von Straßennamen nach diversen Kriterien - etwa der besonderen Bedeutung einer Person für die Stadt.

Annelise Kretschmer zum Beispiel: Nach der 1903 geborenen Dortmunder Fotografin wurde im letzten Jahr eine Straße Nahe des Dortmunder U benannt. Ihr gehörte als einer der ersten Frauen Deutschlands ein Fotostudio in der Dortmunder Innenstadt. Später erlangte sie über Dortmunds Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit als Porträtistin von Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur.

Broschüre zu Frauenstraßennamen

In Dortmund hat übrigens auch schon vor nunmehr fast 15 Jahren die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis Mann-Frau in Sachen Straßennamen begonnen:

2006 hat die Stadt Dortmund eine Broschüre mit dem Titel „Durch Raum und Zeit - Dortmunder Frauenstraßennamen“ veröffentlicht. In dieser sollten die Geschichten ins Bewusstsein gerufen werden, die hinter einigen Frauenstraßennamen in Dortmund stecken.

Vor allem aber wurden Anregungen geschaffen, mehr Frauen bei den Benennungen zu berücksichtigen. Eine Liste mit 45 ehrwürdigen Dortmunderinnen und 100 Frauen aus aller Welt wurde als Inspiration für Ämter und Gremien zur Verfügung gestellt.

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Eine neue Straße am Dortmunder U soll auf einem Teilstück in Annelise-Kretschmer-Straße umbenannt werden. Die Dortmunderin war eine über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Fotografin. Von Susanne Riese

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