Bundesvergleich: In Dortmund leben besonders viele Asthma-Patienten

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Zur Volkskrankheit Asthma weist ein neuer Gesundheitsatlas der AOK jetzt Ursachen und regionale Unterschiede aus. Auch Corona ist Thema - haben Asthmatiker ein besonders hohes Risiko?

Dortmund

, 16.11.2020, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Asthma ist eine bedeutende Volkskrankheit. In Deutschland leiden rund 3,5 Millionen Menschen (4,2 Prozent der Bevölkerung) an der chronisch-entzündlichen Erkrankung der Atemwege. In Dortmund sind es etwa 30.000 Menschen (4,98 Prozent).

Mithilfe neuer Berechnungsverfahren hat das Wissenschaftliche Institut der Krankenkasse AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier erstmals die Häufigkeit von Asthma bronchiale für Westfalen-Lippe dargestellt. Dieses Gebiet der AOK Nordwest, die ihren Sitz in Dortmund hat, reicht von Siegen bis Ostwestfalen.

Der AOK-Gesundheitsatlas geht unter anderem der Frage nach, welche Auswirkungen das Coronavirus auf Asthma-Patienten hat. „Auch wenn derzeit noch keine ausreichend gesicherten Erkenntnisse darüber vorliegen, ist davon auszugehen, dass für Asthma-Patienten kein erhöhtes Risiko besteht, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest.

Studienergebnisse zu schweren Covid-19-Verläufen

Jedoch gebe es Hinweise, dass spezifische Vorerkrankungen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöhen können. „Erste Studienergebnisse weisen darauf hin, dass bei einem gut kontrollierten Asthma nicht von einem erhöhten Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ausgegangen werden kann“, sagt der AOK-Chef aber.

Sehr deutlich zeigt der Gesundheitsatlas regionale Unterschiede beim Anteil der Asthmatiker in der Bevölkerung. Während im Kreis Minden-Lübbecke 3,6 Prozent der Einwohner ein vom Arzt diagnostiziertes Asthma bronchiale im Erhebungsjahr 2018 hatten, lag der Anteil in Gelsenkirchen bei 5,6 Prozent - und in Dortmund bei den genannten 4,98 Prozent.

Tom Ackermann leitet als Vorstandsvorsitzender die AOK Nordwest in Dortmund

Tom Ackermann, Chef der AOK Nordwest, sieht für Asthma-Patienten kein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. © AOK/Jürgen Schulzki

Liegt das daran, dass die Feinstaubbelastung und die Luftverschmutzung insgesamt im Ballungsraum Ruhrgebiet höher sind? „Insgesamt ist die Asthma-Häufigkeit in den Großstädten im Vergleich zu ländlichen Regionen leicht erhöht. Möglicherweise kann dies mit größerer Luftverschmutzung erklärt werden, denn diese gilt als Risikofaktor für die Entstehung der Krankheit“, sagte dazu der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, der „Rheinischen Post“.

Auch für AOK-Nordwest-Chef Ackermann gibt es keine eindeutige Antwort. Zu komplex seien die Ursachen für Asthma. Dazu gehörten genetische Faktoren, das Vorliegen einer allergischen Erkrankung wie Heuschnupfen oder Neurodermitis ebenso, wie Tabakkonsum, Übergewicht und eben auch chemische Reizstoffe. „Im Ruhrgebiet gibt es mehr Risikofaktoren, die zusammenkommen“, so Tom Ackermann.

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Nordrhein-Westfalen hat den Angaben aller AOK-Krankenkassen zufolge im Bundesvergleich den höchsten Asthma-Patientenanteil in der Bevölkerung. Die Quote liege bei 4,7 Prozent, teilte die AOK Rheinland/Hamburg mit - und damit über dem Bundesschnitt von 4,2 Prozent. Den niedrigsten Wert verzeichnete demnach Mecklenburg-Vorpommern mit 3,4 Prozent. Für die Analyse hat die AOK ihre Daten auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten

Essen verzeichnete danach mit einem Anteil von fast 4,9 Prozent eine Zahl etwas über dem NRW-Schnitt von 4,7 Prozent, Köln und Düsseldorf lagen mit 4,4 und 4,3 Prozent darunter. Alle rangieren etwas unter der Dortmunder Quote von knapp 5 Prozent. Für Remscheid allerdings kam die AOK auf eine Quote von 6,1 Prozent.

Nachdem die Fallzahlen bundesweit von 1998 bis 2011 deutlich anstiegen und dann stagnierten, gibt es heute spezielle Präventionsprogramme und Behandlungsmöglichkeiten. „Das wesentliche Therapieziel ist es, eine weitgehende Anfallsfreiheit zu erreichen“, sagt Tom Ackermann.

Weitere Informationen gibt es bei der AOK Nordwest unter Tel. 0800 265 5041 oder per E-Mail an kontakt@nw.aok.de

Dieser Bericht wurde mit Material der Deutschen Presse Agentur (dpa) erstellt.

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