Impfhersteller Biontech treibt die Zulassung ihres Impfstoffes für Kinder unter zwölf voran. © picture alliance/dpa
Empfehlung durch EU-Behörde

Impfungen für Kinder unter 12: Dortmunder Kinderärzte erwarten Andrang

Großflächige Impfungen für Kinder zwischen 5 und 12 sind einen Schritt näher gerückt. Noch gibt es kein grünes Licht. Dortmunder Kinderärzte stellen sich aber schon auf viele Anfragen ein.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat am Donnerstag (25.11.) den Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer für 5- bis 12-Jährige empfohlen. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass sich die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland mit dem Thema befasst.

Noch vor Weihnachten, so die Erwartung, könnte das Gremium eine Empfehlung aussprechen und damit noch mehr Kinder nach und nach einen Schutz vor schweren Corona-Verläufen erhalten.

Bisher gibt es Impfungen nur für bestimmte Kinder

Bereits jetzt führen Ärztinnen und Ärzte Impfungen für Unter-12-Jährige durch. Allerdings bewegt sich das bisher in einer rechtlichen Grauzone und beschränkt sich vornehmlich auf Kinder mit chronischen Erkrankungen.

„Bevor die Stiko es nicht empfiehlt, bleibt es eine Grauzone“, sagt Karin Gladisch, Kinderärztin mit Praxis im Dortmunder Stadtteil Eving. Sie rechnet aber damit, dass die Nachfrage jetzt ansteige, wenn die Empfehlung der EMA durch die Medien gegangen sei.

„Das wird in der nächsten Woche zunehmen“, sagt Karin Gladisch. Und verbindet das mit der Befürchtung, dass die telefonische Erreichbarkeit der Praxis dann schwieriger werden könnte. Das ist eine Erfahrung, die zuletzt viele Dortmunder Ärzte gemacht haben, die in das Thema Impfen involviert sind.

Wenig Zeit und die Frage nach dem Impfstoff

Impfnachmittage oder Angebote am Samstagvormittag für berufstätige Eltern seien denkbare Modelle. „Aber es schwierig abzuschätzen, Zeit und Impfstoff sind begrenzt.“ Sie spricht sich dafür aus, jüngere Kinder mit chronischen Erkrankungen schnell zu impfen.

Dr. Marco Gaus, Kinder- und Jugendmediziner aus Hörde, berichtet ebenfalls von vielen Anfragen danach, ob Impfungen für 5- bis 12-Jährige sinnvoll und empfehlenswert seien. „Meine persönliche Aussage lautet dann: Ganz klar ja“, sagt Gaus. Der Schutz vor schweren Verläufen überwiegt aus seiner Sicht das Risiko von Komplikationen durch eine Impfung.

Der Dortmunder Immunologe Prof. Carsten Watzl hatte Anfang November die Ergebnisse der klinischen Studien vorgestellt, die der EMA-Empfehlung zu Grunde liegen.

Danach hat der Impfstoff „eine sehr gute Verträglichkeit“, einen „etwas höheren Antikörperspiegel“ als bei den 12- bis 18-Jährigen und „90 % Effektivität“ gegen die Delta-Variante. Anders als bei Jugendlichen wurde den Kindern der jüngeren Altersgruppe nur ein Drittel der Dosis verabreicht.

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