Im Solo verwandelt sich Sandra Schmitz von einer gedemütigten in eine selbstbewusste Frau

dzFletch-Bizzel-Premiere

„Die Frau, die gegen Türen rannte“ von Roddy Doyles hatte am Freitag Premiere im Fletch Bizzel. Sandra Schmitz spielt diese Frau, die in ihrem Leben eigentlich nie eine Chance hatte.

von Britta Helmbold

Dortmund

, 04.10.2019, 23:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Paula Spencer ist 39 Jahre alt, doch ihr Leben hat sie schon vergeigt. Eine lieblose Kindheit, ein übergriffiger Vater, in der Schule die Dumme. Zwischen abgestumpften Pädagogen und aufdringlichen Mitschülern trainiert sie ihr Schlampen-Image. Dann verliebt sie sich in Carlo, gründet eine Familie. Doch die „heile Welt“ bekommt schnell Risse. Im Krankenhaus erklärt sie ihre Verletzungen damit, dass sie gegen Türen gelaufen sei. Und „Die Frau, die gegen Türen rannte“ heißt auch Booker-Preisträger Roddy Doyles Monolog, der am Freitag im Fletch Bizzel umjubelte Premiere feierte.

Sandra Schmitz spielt diese Frau aus dem Prekariat, die nie eine Chance hatte. Nun ist ihr Mann tot und Paula schafft vielleicht einen Neuanfang. Sie beginnt zu sprechen. Es sind die Bekenntnisse einer alkoholabhängigen Frau, die trotz allem versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Sandra Schmitz durchlebt als Paula ein Gefühlschaos

Die Lebensbeichte der Alkoholikerin hat Hans-Peter Krüger inszeniert. Er lässt seine Schauspielerin mit vielen Requisiten agieren. Auf der Bühne gibt’s nicht nur einen gedeckten Tisch mit Hocker und zwei Stühlen, an der Seite stehen ein Mini-Stuhl und viele Kissen für ein Kinderzimmer, auf der anderen ein Barhocker - und in der hinteren Ecke ein Mann am Mischpult, der die wechselnden Stimmungen mit Musik und Geräuschen unterlegt, verstärkt.

Denn in den 70 Minuten Spieldauer durchlebt Sandra Schmitz’ Paula ein Gefühlschaos. Sie erzählt - manchmal zitternd - von ihren unermüdlichen Versuchen, vom Alkohol wegzukommen. Ist ein bisschen stolz, dass es ihr gelingt, erst zu trinken, wenn der kleine Jack im Bett liegt.

Der Monolog handelt von einer enttäuschten Liebe

Sie versucht, sich an glückliche Zeiten zu erinnern. Doch es gab nie geblümte Vorhänge, die im Sommerwind über ihr Kinderbett wehten. Auch die Hochzeitsnacht mit Carlo - im weißen Kleid zieht sie sich auf dem Küchentisch in Embryo-Haltung zusammen - verläuft unglücklich.

Sie erzählt von ihrer enttäuschten Liebe. Es gab gute Zeiten, aber die schlechten wurden mehr. Er schlug sie immer wieder krankenhausreif. Sie erträgt alles. Sie wird erst wieder initiativ, als es gilt, zu vermeiden, dass ihre älteste Tochter die gleichen Erfahrungen macht wie sie. Ein Blick von Carlo auf die 17-jährige Tochter reicht ihr, um ihn endlich rauszuschmeißen.

Neben den Erzählpassagen spielt Sandra Schmitz immer wieder Mini-Dialoge nach - mit ihrer Tochter, mit Carlo, dem Polizisten, der ihr vom Tod ihres Mannes berichtet. Am Ende ist aus der gedemütigten Alkoholikerin eine selbstbewusste Frau geworden. Eine Entwicklung die Sandra Schmitz nachvollziehbar auf die Bühne bringt.

Termine: 5. / 18. / 19.10., 29.11, 20 Uhr; Karten: Tel. 14 25 25. www.fletch-bizzel.de
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