Im nächsten Schuljahr gelten neue Regeln für Inklusion an Schulen

dzMinisteriums-Erlass

Die Idee war gut, die Umsetzung nicht immer. Zum nächsten Schuljahr wird bei der Inklusion in den Schulen manches wieder anders. Es gibt aber auch noch Fragezeichen.

Dortmund

, 09.11.2018, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sicher ist: Ab Sommer werden förderbedürftige Kinder wohl weniger weiterführende Schulen der Sekundarstufe I in Dortmund besuchen können. Erste Zahlen hat die Stadt zwar inzwischen wieder dementiert. Aber Sorgen müssen sich Betroffene wohl nicht machen, denn: Nahezu alle Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen sind voraussichtlich weiter dabei, sagt Schulamtsdirektor Peter Rieger. Anders sieht es bei den Gymnasien aus – aus zwei Gründen.

Besondere Rolle für die Gymnasien

Die neuen Bedingungen sollen an den Gymnasien später umgesetzt werden: erst in einem Jahr. Und hier sollen in der Regel nur die Kinder mit einem Handicap unterrichtet werden, die dennoch das Abitur schaffen können. „Zielgleiche Förderung“ (im Gegensatz zu zieldifferent) nennen die Fachleute das.

Damit wird es hier eine sogenannte zieldifferente Beschulung mit völlig anderen Lernstoffen in der Regel nicht mehr geben. Und Situationen, in denen die einen mathematische Formeln büffeln und die anderen im Nebenraum das große Einmaleins lernen, gehören damit wohl der Vergangenheit an.

Es kann aber auch an der ein oder anderen Stelle noch anders kommen. Peter Rieger: „Die Gespräche laufen noch. Es könnte sein, dass sich doch ein Gymnasium bereit erklärt, zieldifferent zu unterrichten.“ Das Gesetz verbiete das nicht. Allerdings sei das in der Kürze der Zeit schwierig. Es könne also sein, dass es zum nächsten Schuljahr nicht möglich sei, ein Jahr später aber schon.

„Die Diskussion ist noch nicht endgültig abgeschlossen“, sagt auch Dr. Detlef Elsenau, Sprecher der Dortmunder Gymnasien. Er betont, die Gymnasien hätten selbstverständlich immer schon Schüler mit Einschränkungen aufgenommen, „lange bevor das Inklusion hieß“. Er macht aber auch deutlich: Die zieldifferente Förderung habe die Gymnasien immer vor große Herausforderungen gestellt. „Da ging die Schere doch sehr weit auseinander“, sagt Elsenau. „Und wir sehen auch, was Förderschulen leisten. Das können wir gar nicht.“

Hintergrund ist ein Erlass des NRW-Schulministeriums

Mit dem jetzigen Vorstoß zur Neuregelung der Inklusion reagiert die Stadt auf einen Erlass des NRW-Schulministeriums: Demnach sollen ab Sommer nur noch sogenannte „Schulen des gemeinsamen Lernens“ inklusiven Unterricht anbieten. Diese „Schulen des gemeinsamen Lernens“ müssen über ein pädagogisches Konzept zur inklusiven Bildung und entsprechende räumliche Voraussetzungen, wie etwa Gruppenräume verfügen. Künftig muss eine Schule mindestens drei Schüler mit Förderbedarf aufnehmen. Bisher konnten es auch weniger sein. Die Neuregelung wird automatisch zu einer Reduzierung der Standorte führen, weshalb sich Peter Rieger keine Sorgen macht, dass es Probleme gibt, alle Kinder unterzubringen.

Bis Mitte Dezember muss die Schulaufsichtsbehörde in Arnsberg entscheiden, ob die vorgesehenen Schulen die Kriterien erfüllen. Noch aber liege die Liste der Schulen in Arnsberg noch nicht vor, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Am 16. November tagt die Schulkoordinierungskonferenz; der Schulausschuss könnte dann in seiner Sitzung am 28. November entscheiden.

Die Änderungen gelten nicht für förderbedürftige Kinder, die bereits an einer weiterführenden Schule sind. Sie können ihre Schulkarriere in ihrem gewohnten Umfeld beenden. Zur Zeit besuchen etwa 300 Kinder mit Förderbedarf eine Regelschule.
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