Im Marples in Huckarde gibt es englisches Essen, das tatsächlich schmeckt

dzRestaurant-Check

Englisches Essen hat nicht den besten Ruf. In Huckarde tritt ein Mann den Gegenbeweis an – in uriger Atmosphäre und mit „Steak & Guiness Pie“

Huckarde

, 08.08.2018, 04:22 Uhr / Lesedauer: 5 min

In Deutschland ein britisches Restaurant – keinen Pub – zu eröffnen, braucht Mut. Das Vereinigte Königreich ist für viele Dinge bekannt. Gutes Essen zählt zumindest im Bild der Deutschen eher nicht dazu. Aber Mut wird eben manchmal belohnt.

Paul Brian Furey wird wohl in vielerlei Hinsicht Mut gebraucht haben, als er 1997 nach Dortmund kam. Der Inhaber des „Marples in der alten Mühle“ ist in Südengland aufgewachsen, wurde dort am Southdowns College zum Koch ausgebildet. Fast vier Jahre fuhr Furey mit der Queen Elisabeth 2 um die Welt und bekochte Kreuzfahrtgäste. Er allein lässt also schon auf ein Essen der geschmacklichen Premier League hoffen.

Man könnte bei dieser Vorrede glauben, es ginge hier um ein gehobenes Restaurant mit großen Champagner Flaschen, Maître d‘ am Empfang und vielen polierten Glasflächen. Tatsächlich ist aber alles ganz anders: Das Marples ist ein Geheimtipp, der selbst mir, nachdem ich den Großteil meines Lebens in Huckarde gelebt habe, erst durch diesen Check bewusst geworden ist.

Die Atmosphäre im Marples:

Die namensgebende alte Mühle des „Marples in der alten Mühle“ steht dort in Huckarde mindestens seit dem Ende des 14. Jahrhunderts. Zwischendurch wurde sie abgerissen und neu aufgebaut. Historisches Flair atmet das Gebäude aber noch heute. Dicke Holzbalken durchziehen den Gastraum. An der Rückseite stehen die Geräte der alten Dampfmühle, stilsicher ausgeleuchtet.

Entsprechend rustikal ist auch das restliche Mobiliar. Die massivhölzernen Tische und schlichten Stühle wirken aber durchweg gut gepflegt und blank poliert. Im zweiten Gastraum, dem „Pfauenzimmer“ geht es etwas moderner zu, mit gemütlichen Sofas und Sesseln. Hier wird auch die Tea Time gereicht. Überall findet sich britisches Dekor.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Rundgang durch das "Marples in der alten Mühle"

08.08.2018
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Schon der Eingangsbereich des Marples zeigt, wo es stilistisch hingeht. Die Bar lässt außerdem die Kneipen-Vergangenheit der alten Mühle erkennen.© Oliver Schaper
Im Gastraum setzt sich das rustikal-gemütliche Flair fort. An der Rückwand ist die Mühlen-Mechanik zu sehen.© Oliver Schaper
Die historischen Gerätschaften werden gekonnt in Szene gesetzt und tragen zur gemütlichen Stimmung bei.© Oliver Schaper
Und auch sonst ist betreibt das Marples stilsicheren Maximalismus. Da darf dann auch mein ein Modellschiff der britischen Flotte an der Wand hängen.© Oliver Schaper
Und auch die namens-gebende Miss findet sich wieder.© Oliver Schaper
Die Balken, Holzflächen und Böden der denkmalgeschützten alten Mühle wirken allesamt top gepflegt. Ebenso wie die blank polierten Tische.© Oliver Schaper
Selbstverständlich gibt es im Marples auch eine große Tee-Auswahl – nicht nur zur Tea Time.© Oliver Schaper
Etwas heller und moderner geht es im "Pfauenzimmer" zu, wo die Tea Time stattfindet.© Oliver Schaper
Wie auch sonst im Marples findet sich hier die gewisse Dosis "Britishness".© Oliver Schaper
Der Eingang zum Marples passt zu dem, was dahinter steckt: Understatement, historisches Flair und ein Schuss Großbritannien.© Oliver Schaper
Der Biergarten hinter der alten Mühle wurde erst in diesem Jahr eröffnet. So leer wie auf diesem Foto war er bei unserem Besuch an einem warmen Sommerabend ganz und gar nicht.© Oliver Schaper

Ich komme nicht umhin, mich im Marples schnell heimelig zu fühlen. Ab und an dringen kurze Gespräche aus der Küche in den Gastraum. Gäste kommen aus dem Biergarten und stellen Fragen zu bestimmten Biersorten. Alles wirkt angenehm unaufgeregt und ehrlich.

Das Essen:

Die Karte des Marples vereint traditionelle englische Küche mit eher modernen Einflüssen. Zu dritt kommen wir auf drei Hauptgerichte, eine Vorspeise und einen Nachtisch. Und – soviel vorab – sind alle drei schwer begeistert.

Im Marples in Huckarde gibt es englisches Essen, das tatsächlich schmeckt

Steak & Guiness Pie © Bastian Pietsch

Bei mir gibt es Steak & Guiness Pie. Wer das Gericht nicht kennt: Man kann es am ehesten mit einer Art Gulasch in dunkler Soße mit Biernote vergleichen, das unter einer Decke aus Blätterteig und zusammen mit Erbsen, Karotten und geschwenkten Kartoffeln serviert wird. Geschmacklich gibt es hier nichts zu meckern: Das Fleisch ist zart, die Soße und die Kartoffeln ausgewogen gewürzt, sanft schmeckt man das Guiness durch. Das Gemüse ist frisch und knackig und ganz sicher nicht aus der Dose. Der Blätterteig ist fest, aber nicht zu fest und behält diese Konsistenz auch, als er schon ein wenig auf der Soße liegt.

Was aber am Ende wirklich heraussticht, ist ein viel diffuserer Eindruck: Das Gericht auf meinem Teller wirkt nicht wie ein Werk aus einer professionellen Küche, sondern wie herausragend gute Hausmannskost. Hier ist nichts übermäßig stilisiert, nichts wirkt massenproduziert. Ich habe das Gefühl: Hier hat jemand für mich gekocht – persönlich.

Im Marples in Huckarde gibt es englisches Essen, das tatsächlich schmeckt

Pork „Scarborough Fair“ © Bastian Pietsch

Begleitung Nummer eins hat sich für das Pork „Scarborough Fair“ entschieden, Schweinefilet in Kräuterbutter mit sommerlichem Gemüse – und lässt mich probieren. Die Kräuter sind präsent, allerdings nicht zu sehr, das Fleisch selbst ist saftig und auch in seiner Menge angemessen. Zusammen mit dem Gemüse auf dem Teller sieht es außerdem toll aus. Ein frisches Sommergericht eben.

Im Marples in Huckarde gibt es englisches Essen, das tatsächlich schmeckt

Bourbon Chicken © Bastian Pietsch

Den Höhepunkt unserer Auswahl hat allerdings Begleitung Nummer zwei auf dem Teller. Das Bourbon Chicken mutet erstmal unscheinbar an, entfaltet dann aber auf der Zunge seine geschmackliche Wucht. Die Hähnchenbrust ist auch gelungen, hier aber nur eine Randnotiz. Denn, my dear, die Soße... Scharf aber nicht zu scharf und ein wenig fruchtig kommt sie daher. Und als sei das noch nicht genug für die Geschmacksknospen zu verarbeiten, kommt auch noch die namensgebende Bourbon-Note durch.

Und auch das Drumherum lässt nichts zu wünschen übrig: Die Scampi mit Zitrone der Vorspeise kommen frisch gebraten noch in der Schale. Dabei versaut man sich zwar ein wenig die Finger, lohnt aber. Der Nachtisch, Apple Crumble mit Vanilleeis, ist dann eigentlich schon zu viel. Aber wer kann dazu schon nein sagen?

Guiness und Kilkenny gibt es im Marples vom Fass. Ich habe meine ersten Biere ja im längst geschlossenen „Limericks“ getrunken, also macht mich allein das schon glücklich. Die ausgewählte Single-Malt-Karte täte da sicherlich ihr übriges. Ich hebe sie mir aber für einen kommenden Besuch auf. Schließlich bin ich ja beruflich dort. Und auch wer keinen Alkohol trinkt, muss nicht auf ein langweiliges Wasser ausweichen. Im Marples gibt es verschiedene hausgemachte Limonaden zur Auswahl – gern auch mit Beratung. Besonderer Kniff: Statt Eiswürfeln schwimmt gefrorenes Obst passend zur gewählten Limonade im Glas.

Der Service im Marples:

Paul Furey und sein Team sind unaufgesetzt freundlich und geben auf Wunsch individuelle Empfehlungen ab oder beantworten Fragen. Man kennt sich hier aus mit dem, was auf den Tisch kommt.

Auf der Website des Marples findet sich die Warnung, die Speisen werden frisch zubereitet und bedürften daher Zeit. Das ist ungewöhnlich und lässt einen mit Schlimmem rechnen. Nötig ist die Warnung zumindest für uns nicht, die Hauptgerichte stehen nach einer halben bis dreiviertel Stunde auf dem Tisch, genau hält die Zeit beim Essen ja nun wirklich niemand nach. Vorher gab es schon eine Vorspeise und Getränke. Und ein wenig Zeit sollte man ja zum auswärts Essen ohnehin einplanen.

Und noch eine Besonderheit verdient Erwähnung: Im Marples gibt es regelmäßig Veranstaltungen: Tea Time am Wochenende, Krimi-Dinner oder den Sherlock-Holmes-Stammtisch zum Beispiel.

Die Preise:

Die Karte des Marples ist angenehm übersichtlich: Zwei Suppen, drei Salate, fünf Vorspeisen, sieben Hauptgerichte und vier Nachspeisen. Preislich liegen die Hauptgerichte und Salate zwischen 13,50 Euro und 19,50 Euro. Zu dritt zahlen wir (mit einer Vorspeise, einem Nachtisch und mehreren Getränken) rund 90 Euro – und zwar richtig gerne.

Kinderfreundlichkeit:

Im Marples gibt es die meisten Gerichte auch als Kinderportion zum halben Preis. Eher zufällig gibt es auch direkt neben dem Biergarten einen öffentlichen Spielplatz, der mit dem Marples nicht zusammenhängt, im Sommer aber sicher trotzdem nett ist.

Barrierefreiheit:

Zu den beiden Gasträumen und auch zu den Toiletten führen Treppen. Und auch sonst ist die alte Mühle nicht barrierefrei. Inhaber Paul Brian Furey ist sich dessen auch bewusst und zeigt noch eine eher behelfsmäßige Toilette im Biergarten, die über eine Wiese aber zu mindest ebenerdig erreichbar ist. Barrierefrei umbauen könne er die alte Mühle aber nicht, denn das Gebäude stehe unter Denkmalschutz.

Anfahrt und Parkplätze:

Parken kann man in Huckarde vor allem entlang der Straßen. Einen großen Parkplatz gibt es in direkter Nähe nur vor einem Supermarkt – und zwar nur für Kunden. Vor, hinter und gegenüber dem Marples gibt es aber einige Stellplätze. Wer mit der Stadtbahn kommen möchte, nimmt die U47 bis Huckarde Abzweig und muss dann – je nach Tempo – fünf bis zehn Minuten laufen.

Netzstimmen zum Marples:

Auf Facebook hat das Marples 94 Bewertungen bei einem Durchschnitt von 4,7/5 Sternen (Stand: 6. August). Das ist ziemlich gut. Die Nutzer loben das gute Essen und den freundlichen Service, ein paar von ihnen auch in englischer Sprache. Vereinzelt scheint es organisatorische Probleme bei Reservierungen gegeben zu haben. Das Teams des Marples zeigt sich auf Facebook aber bemüht, diesen Unmut zumindest im Nachhinein auszuräumen. Die 84 Bewertungen bei Google kommen auf ähnlich gute 4,3/5 Sternen. Bei Tripadvisor und Yelp hat das Marples nur wenige Bewertungen, die aber auch sehr positiv ausfallen.

Restaurant-Infos:

„Marples in der alten Mühle“, Roßbachstraße 34, 44369 Dortmund, mehr Infos auf der Website, Reservierungen unter Tel. (0231) 700 200 71 oder per E-Mail an info@marples-dortmund.de.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag: 16 - 22 Uhr, Samstag: 15 - 22 Uhr (von 15 - 17 Uhr Tea Time, ab 18 Uhr à la carte), Sonntag: 10 - 20 Uhr (von 10 - 14 Uhr Frühstücksbuffet, von 14 - 18 Uhr Tea Time).

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants - als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.

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