Ikea kontra Flohmarkt: Wer ist günstiger beim Geschirr? Ein Sparfuchs macht den Test

dzWestpark-Trödel

Wenn es nicht teuer sein soll, kaufen viele die Küchen-Grundausstattung bei Ikea. Aber geht es vielleicht noch billiger als billig? Ein Selbsttest beim letzten Westpark-Trödel des Jahres.

Dortmund

, 23.09.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nehmen wir mal an, ich sei der Student von vor 30 Jahren. Die Studentenbude ist gefunden, jetzt will der junge Mann die Küche mit Geschirr bestücken. Muttis geblümte „Aussteuer“ hat er abgelehnt, preisgünstig sein soll es aber schon. Was tun, wo einkaufen?

So etwa lautete die Themen-Idee unserer Redaktion, präzisiert durch den Auftrag, Second-hand-Ware doch einfach mal gegen Preisknaller von Ikea auszuspielen. Okay, machen wir. Hier also Ikeas Küchensortiment, da der Flohmarkt. Ob nun aus der „Geiz ist geil“-Haltung oder aus sportiver Laune: Sind Teller und Tassen dort noch billiger als beim großen Schweden?

Für diese Art selbstgewählter „Challenge“ bot der letzte Trödelmarkt des Jahres im Westpark die perfekte Gelegenheit, zumal der Sommer just am Sonntag seine Abschiedsvorstellung gab.

Mit der großen Tasche auf Trödel-Jagd

Gesagt, getan. Sonntag, 12.30 Uhr, Westpark: Die Sonne lacht, die Frisur sitzt, die Einkaufsliste steht. Im Portemonnaie sind 100 Euro, die große Tasche haben wir auch dabei. Und reihen uns ein in die Karawane von Flaneuren, Schnäppchenjägern, Eltern mit Kindern.

Auf den ersten Metern entlang der Trödelstände beschleicht uns das ungute Gefühl, es würden nur Klamotten, Spielzeug, Bücher, Platten und Schnickschnack verkauft. Wer hinter Tieren der Firma „Schleich“ her ist, wird im Westpark schnell fündig. Von Besteck und Geschirr sehen wir nichts.

Aber, ruhig Blut - die Inderin dort hat immerhin fünf, sechs Töpfe auf dem Tapeziertisch. Das lässt hoffen, die Dame ist vorgemerkt. Erst drehen wir jedoch die große Runde, der wahre Sparfuchs verschafft sich einen Überblick und schlägt später zu!

Der Einkaufszettel für den Westprk-Trödel

Kollegen haben den Einkaufszettel geschrieben: Teller, Tassen, Gläser, jeweils vier, dazu Besteck für vier Personen. Kleiner Topf, großer Topf, Pfannenwender, Korkenzieher. Sozusagen die Grundausstattung der Studentenküche.

Zum Vergleich haben wir eine Liste mit den Knaller-Angeboten von Ikea. Geht es noch billiger als „Pfannenwender ‚Gnarp‘ mit Löffel und Zange“ für einen schlappen Euro?

Wer suchet, der findet: Nicht den Pfannenwender, aber Kaffeetassen und Untersetzer in Weiß und ansprechender Formgebung. „Was schwebt Ihnen dafür vor, alle vier Tassen?“ „Vier Euro“, antwortet Pia Schulte, prompt sind wir im Geschäft.

Ähnliche Tassen samt Unterteller sind bei Ikea ab 2,49 Euro gelistet. Wir zahlen einen Euro pro Stück und fühlen uns so gut, dass wir nicht handeln. Warum auch, kein Teil ist angeschlagen. Ach, schau an: auf der Untertasse prangt das Logo eines schwedischen Möbelhauses, das Pia in diesem Falle unterbietet...

Lust auf neue Sachen

„Irgendwann hat man halt Lust auf neue Sachen“, sagt Vorbesitzerin Pia. Hat sie sich qualitäts- oder markenmäßig verbessert? „Ich glaube mich zu erinnern, dass das neue Zeug auch wieder von Ikea war“, erzählt die 23-jährige Dortmunderin und lacht.

Wir ziehen weiter im Preiskrieg gegen den Giganten aus dem Norden. Nächster Fang: Sechs große Teller, einer angeschlagen, macht fünf. In Reinweiß, farblich passend zu den Tassen. „Zwei Euro“, schallt es uns entgegen. Echte Hornochsen wie ich fragen noch „pro Stück?“. Aber gemeint sind alle. Feilschen und zögern? Nicht bei diesem Preis, ab in die Tasche damit. Ikeas „Flitighet“-Teller kosten schließlich 1,99 Euro.

Nur noch Augen für Küchenutensilien

Wir ignorieren, was uns an anderen Tagen interessiert hätte (Bücher und Platten), und haben im Westpark nur noch Augen für Küchenutensilien. Besteck wird schwierig, das zeichnet sich ab. Hier und da gibt es Messer und Gabeln, nie aber ein komplettes Set für eine Viererrunde.

Sophie Dorka (26) kann dafür mit Gläsern dienen, nicht eben große, aber in schmuckem Matt. Fünf Stück für 2,50 Euro. Besten Dank. Das billigste Ikea-Modell „Reko“, nicht viel größer, schlüge mit einem Euro zu Buche. Der Erbsenzähler in uns registriert es mit Freude.

Hundert Stände weiter. Besteck ist nach wie vor gefragt, Pfannenwender, Korkenzieher nicht in Sicht. Gegen 14 Uhr haben wir fast den ganzen Trödel-Parcours abgeklappert, den Markt also komplett gesichtet.

„Edelstahl, rostfrei, Germany“

Auf zu der Inderin mit den Töpfen. Sie hat den großen und den kleinen da, „Edelstahl, rostfrei, Germany“. Nun ja, die Deckel passen, die Böden beider Töpfe schreien nach Stahlfix, keine hoffnungslosen Fälle.

Wir bieten sechs Euro, die Dame hätte gern neune. Sie entpuppt sich als Tamilin aus Sri Lanka, Mitte 50, zuhause in Lünen. Ihren Namen möchte sie nicht verraten, aber Smalltalk ist immer gut: Beide Pötte für acht Euro. Und wieder Ikea geschlagen, wo das Modell „Annuns“ für sechs, „Skänka“ für 14,99 Euro angeboten wird.

Und was sehen wir noch bei der Dame: Ein Besteck-Set in Gelb („nix viel benutzt“), die Messer nicht messerscharf, aber in Ordnung. Her damit, drei Euro! Eigentlich zuviel, kostet Neuware („Mopsig“) bei der Konkurrenz doch bloß fünf Euro.

Es sind sogar noch extra-Gläser drin

Was soll‘s. Bisher haben wir erst 19,50 Euro auf den Kopf gehauen. Da sind sogar noch große Gläser drin, die 100 Meter weiter auf uns warten. Stückpreis 50 Cent, was die Kosten unseres Trödel-Shoppings auf 21,50 Euro schraubt.

Günstiger als Ikea und kein Schrott dabei! Der arme Student wäre hochzufrieden mit seinem Fischzug. Und Weinkorken hätte er nach guter Sitte auch weiterhin in die Flasche gedrückt.

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