Homeoffice als Dauerlösung? Dortmunder Juristen haben starke Bedenken

dzCorona-Lockerungen

Die hohe Homeoffice-Quote der vergangenen Monate hat den Wunsch vieler Arbeitnehmer nach flexibleren Arbeitsmodellen bestärkt. Bei den Rechten und Pflichten herrscht aber oftmals Unklarheit.

Dortmund

, 20.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht zurück in die Büros. Auch in Dortmund haben mittlerweile viele Unternehmen damit begonnen, ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück in die Firmen zu holen. Doch kann ein Vorgesetzter seine Angestellten dazu verpflichten, aus dem heimischen Büro zurückzukehren, oder gibt es sogar einen gesetzlichen Anspruch aufs Homeoffice? Dortmunder Fachanwälte klären auf.

Schon vor der Corona-Krise beschäftigte sich die Bundesregierung auf Grundlage des Koalitionsvertrages zunehmend mit dem Thema Homeoffice. Nun ist das Thema aktueller denn je. Das Ziel: ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice.

„Wir halten es für äußerst realistisch, dass es diesen zukünftig geben wird“, betonen die beiden Rechtsanwälte Beate Puplick und Fabian M. Kästner aus Dortmund.

Gewisse Mindestgröße erforderlich

Die Voraussetzungen dafür seien allerdings klare Rahmenbedingungen, die es bislang noch nicht flächendeckend gebe. „Es müssen eindeutige Regelungen geschaffen werden, wie die Kontrolle der Arbeitszeit, des Arbeitsschutzes und des Datenschutzes im Homeoffice durch den Arbeitgeber umgesetzt werden soll“, so Puplick und Kästner.

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Und da liegen die Schwierigkeiten: Für kleinere und mittelständische Unternehmen bedeute ein solches Vorgehen einen Mehraufwand, der kaum realisierbar sei. Deshalb sei ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice nur für Unternehmen sinnvoll, die eine gewisse Mindestgröße haben.

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Doch was derzeit noch nach viel Zukunftsmusik klingt, wirft bei vielen Arbeitnehmern gerade in der aktuellen Situation einige Fragen auf. Für viele ist das Homeoffice beispielsweise angesichts des Themas Kinderbetreuung eine gute Möglichkeit, flexibler arbeiten zu können.

Aber darf ein Vorgesetzter seine Angestellten jetzt einfach dazu verpflichten, aus dem Homeoffice ins Unternehmen zurückzukehren?

Unterschiedliche Einschätzungen zur Zukunft

Dies hängt laut Puplick und Kästner von den jeweiligen Arbeitsvereinbarungen ab. Nur wenn eine ausdrückliche Abmachung besteht, die besagt, dass der Arbeitnehmer ausschließlich im Homeoffice tätig ist, kann ein Angestellter nicht ohne Weiteres aus dem Homeoffice zurückbeordert werden.

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„In den meisten aktuellen Fällen, in denen Angestellte aufgrund der Corona-Pandemie ins Homeoffice geschickt wurden, hat sich der Arbeitgeber aber vermutlich nicht zu einer dauerhaften Lösung verpflichtet. Dann kann der Arbeitgeber von seinen Angestellten verlangen, dass diese aus dem Homeoffice zurückkehren“, betonen die beiden Rechtsanwälte.

Doch was bedeutet das für die Zukunft des Homeoffice? Hier gehen die Meinungen auseinander: Während viele große Dortmunder Unternehmen auch in Zukunft auf vermehrtes Homeoffice setzen wollen, halten Puplick und Kästner einen dauerhaften Anstieg der Homeoffice-Quote unter den derzeitigen Voraussetzungen für unwahrscheinlich.

Gesetzentwurf soll im Herbst kommen

Das hänge vor allem mit den Kontrollmechanismen zusammen: „Aufgrund der Kontrollpflichten der Arbeitgeber, wie der Gewährleistung von ausreichendem Daten- und Arbeitsschutz, können wir uns nicht vorstellen, dass ein anhaltender Anstieg kommt, sofern der Gesetzgeber nicht spürbare Erleichterungen für die Arbeitgeber schafft.“

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Je mehr sich die Lage rund um das Coronavirus wieder normalisiere, desto mehr werden die rechtlichen Risiken und Probleme wieder in den Vordergrund rücken und viele Arbeitgeber abschrecken, so Puplick und Kästner weiter.

Inwieweit vermehrtes Homeoffice also zu einem dauerhaften Arbeitsmodell werden könnte, ist derzeit noch nicht absehbar. Im Herbst dieses Jahres will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil einen ersten Gesetzentwurf zum Thema Homeoffice vorlegen. Erst dann sind neue Erkenntnisse zu erwarten.

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