Der Oscar ist der begehrteste Filmpreis der Welt. Ein Dortmunder Filmemacher hat jetzt die Chance, einen der Goldjungen ins Ruhrgebiet zu holen.

Dortmund

, 27.11.2019, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kate Winslet hat einen. Meryl Streep hat ein ganzes Regal voll. Und Leonardo di Caprio musste lange drauf warten. Keine Frage: Der Oscar bedeutet den Aufstieg in den Olymp der Filmindustrie. Reiht sich nun in diese Liste auch der Dortmunder Menno Döring ein?

Vor einigen Wochen hat er erfahren, dass er mit dem Film „Retablo“ in der Vor-Auswahl für die Nominierungen zu den Academy Awards ist. Döring steht aber nicht vor, sondern hinter der Kamera - bei dem peruanischen Film war er als Produzent tätig.

Ein Oscar für Dortmund? Produktionsfirma aus Wichlinghofen hat Chance auf den Filmpreis

Die beiden Produzenten Menno Döring (l.) und Lasse Scharpen. Sie haben das Dortmunder Büro "Catch of the day" gegründet. © Menno Döring

Gerne in der Welt unterwegs

Menno Döring ist 37 und kommt gebürtig aus Wichlinghofen, hat sogar seine erste Produktionsfirma „Summerhill Lights“ nach dem dortigen Sommerberg benannt.

Nach einem Studium an der Dortmunder Filmakademie WAM hat es ihn zunächst nach Berlin und zur Filmuniversität Babelsberg verschlagen, später auch für ein Semester an die Filmuniversität in Los Angeles. „Schon damals haben wir gelernt, dass wir auch international tätig werden können“, so Döring.

Und diese Internationalität haben er und sein Partner Lasse Scharpen mit ihrem Büro „Catch of the day“ beibehalten. „Wir sind sehr gerne in der Welt unterwegs“, erklärt der Dortmunder Produzent. Nur herumreisen macht aber nicht erfolgreich: „Damit Filme auch internationale Relevanz haben, müssen wir nach internationalen Themen suchen.“

Film über Vater-Sohn-Geschichte

So wie bei dem peruanischen Film „Retablo“ von Regisseur Alvaro Delgado-Aparicio. Döring und sein Partner haben den Stoff 2015 beim Sundance Film Festival in den USA kennengelernt. Dort wurde ein Kurzfilm zum gleichen Thema gezeigt. Bei der Produktion der Langversion sorgte das Dortmunder Produzentenduo dann für das Finanzielle im Hintergrund.

In dem Film, der 2018 auf der Berlinale Premiere feierte, geht es um einen 14-jährigen Jungen, der in einem peruanischen Dorf aufwächst.

Sein Vater baut Miniaturfiguren, sogenannte „Retablos“, die Familien darstellen - „weil es in den Regionen oft keine Kameras oder Fotografen gibt“, erklärt Döring. Nur ganz wenige Retablo-Meister gebe es in Peru. Der Sohn ist begeistert von der Tätigkeit seines Vaters und will so werden wie er.

Um von Ort zu Ort zu kommen, müssen sein Vater und er teilweise trampen. Eines Tages beobachtet der 14-Jährige seinen Vater in der Fahrerkabine eines LKW bei etwas, das ihn schockiert - und gar nicht zum konservativen Patriarchat in Peru passt.

Dortmunder Hilfe

Bei der Finanzierung von „Retablo“ konnte Menno Döring auch auf lokale Hilfe setzen. „Ich habe die Gelder organisiert durch Spenden oder Beiträge“, so Döring. Auch Dortmunder Privatleute haben sich beteiligt.

Keine Seltenheit, wie der Produzent erklärt. „Aber normalerweise zahlen die Leute lieber für Filme mit Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger.“ Umso wichtiger sei es daher, mit der Geschichte zu überzeugen.

Weitere Phase läuft

Auch in Peru sei der Film gut angekommen, sagt Menno Döring. Obwohl er dort ein Tabuthema behandelt. Das Ministerium für Kultur habe den Film für die Vor-Nominierung zum Oscar ausgewählt.

Ob es letztendlich für den nächsten Schritt auf dem Weg zu dem begehrten Preis reicht, weiß er natürlich noch nicht. Die endgültigen Nominierungen für den Oscar erscheinen Ende des Jahres.

Und falls es reicht? Falls die Nominierung klappt? Was passiert dann? „Dann wird man offiziell eingeladen und residiert in der Villa Aurora in Los Angeles. Dort sind die relevanten Gäste aus Deutschland untergebracht“, erklärt der 37-Jährige.

Bis dahin wartet Menno Döring in Berghofen auf das Ergebnis. Dort lebt er inzwischen wieder mit seiner Familie.

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