Hoesch lässt ihn nicht los – Arbeitskampf-Legende Werner Nass wird 80

dzStahlgeschichte

Er lud Gorbatschow nach Dortmund ein, wurde im Kampf um Stahlarbeitsplätze der Gegenspieler von Krupp-Chef Cromme: Ex-Hoesch-Betriebsrat Werner Nass wird 80 Jahre alt.

Dortmund

, 21.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hoesch lässt ihn nicht los. Noch immer ist Werner Nass wie viele andere Ex-Hoeschianer im Hoeschmuseum ehrenamtlich als Führer durch die Ausstellung zur Geschichte des Dortmunder Stahlunternehmens tätig. Und das wird sich so bald wohl nicht ändern - auch, wenn der Ex-Betriebsrats-Chef am Freitag (21.2.) seinen 80. Geburtstag feiert.

„Bei mir werden die Rundgänge durchs Museum immer politisch“, erzählt Nass schmunzelnd. Kein Wunder. Schließlich hat er als Betriebsrats-Chef von Hoesch selbst ein Stück Unternehmenspolitik mitgeschrieben. Sogar mit Weltpolitik ist er in Berührung gekommen.

Jubel um „Gorbi“

Sein größter Coup war die Einladung an den damaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. Deutschland war wenige Monate vor dem Mauerfall im „Gorbi“-Fieber, als der Mann aus Moskau am 15. Juni 1989 auf der Westfalenhütte eine Rede vor 8000 Stahlarbeitern hielt. Willy Brandt war dabei, Helmut Schmidt und Johannes Rau.

„Heute wehte in unserer Stadt der Atem der Geschichte“, stellte der damalige Oberbürgermeister Günter Samtlebe fest. Nass, der als Betriebsrats-Chef sprach, schlug Gorbatschow für den Friedensnobelpreis vor. Der bedankte sich mit einer herzlichen Umarmung und einem Bruderkuss für den Hoeschianer. Ein Jahr später bekam Gorbatschow tatsächlich den Friedensnobelpreis.

Der Besuch hat Spuren hinterlassen. Bis heute pflegt Werner Nass viele persönliche Kontakte nach Russland und besucht das Land regelmäßig. Und der Gorbatschow-Besuch gehört sicherlich zu den schönsten Erinnerungen an 42 Jahre Berufsleben bei Hoesch.

Am ersten Tag in die Gewerkschaft

Aber es gibt auch weniger schöne. Mit 14 Jahren hatte Werner Nass 1954 zunächst eine Lehrer als Schweißer bei einem Betrieb in Schüren angefangen. Gleich am ersten Tag trat er „seiner“ Gewerkschaft, der IG Metall, bei.

1959 wechselte Nass dann zu Hoesch auf die Westfalenhütte, arbeitete 16 Jahre auf Wechselschicht, bis er 1975 zum ersten Mal in den Betriebsrat gewählt wurde.

Seinen Weg an die Spitze ebnete ihm der legendäre Betriebsrats-Chef Kurt Schrade - und eröffnete ihm damit die Möglichkeit, selbst zum legendären Betriebsrats-Chef zu werden.

1987 übernahm Nass das Amt als Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Hoesch. Wenige Jahre später wurde er nach der „feindlichen Übernahme“ von Hoesch durch Krupp so zum Gegenspieler von Krupp-Chef Cromme.

Kampf um Arbeitsplätze

Der Kampf um die Arbeitsplätze begann. Und dass es heute zumindest noch 1500 von einst mehr als 30.000 Arbeitsplätzen in einem industriellen Kern auf der Westfalenhütte gibt, ist vielleicht auch dem Einsatz von damals mit zu verdanken. Davon kann und wird Werner Nass auch weiterhin bei Führungen durchs Hoeschmuseum berichten.

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