Hochsommer in Dortmund am Kanal: „Wir brauchen soziale Kontakte“

dzFreibad-Alternative

Die Hitze lockt viele Menschen nach draußen. Die Freibäder sind voll. Eine Alternative ist der Kanal. Auch dort ist es voll. Ist der Corona-Mindestabstand möglich? Und interessiert der überhaupt irgendwen?

von Tabea Prünte, Beat Linde

Dortmund

, 06.08.2020, 18:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Glänzend spiegeln sich die Sonnenstrahlen auf der glatten Oberfläche des Wassers. Doch glatt bleibt die Oberfläche nicht lange. Hier und da springen immer wieder Menschen zur Abkühlung in das dunkle Nass. 31 Grad heiß ist die Luft, sagt das Thermometer am Donnerstagmittag.

Links und rechts des Kanals liegen die Menschen am Ufer und frischen ihren Sommerteint auf. Sorgenlos scheint die Atmosphäre - als sei Corona kein Thema. Es ist voll am Dortmund-Ems-Kanal. Doch immer noch eine bessere Alternative als die örtlichen Freibäder, finden einige Kanal-Besucher.

Kanal dient als Freibad-Alternative

„So richtig voll wird es meist erst nachmittags“, meint Isa. Die Dortmunderin hat in letzter Zeit häufiger mal einen Tag am Kanal verbracht und sieht dies als bessere Möglichkeit, als ins Freibad zu gehen. „Die sind häufig schon ausgebucht, und am Anfang des Corona-Sommers waren die ja noch gar nicht offen.“

Isa und Thorben zusammen genießen zusammen mit ihrer Hündin den Tag am Kanal bevor es zu voll wird.

Isa und Thorben zusammen genießen zusammen mit ihrer Hündin den Tag am Kanal bevor es zu voll wird. © Beat Linde

Außerdem halten sich die meisten Gruppen an die Hygieneregeln, meint Isa. „Das einzige ist, dass die Gruppen teilweise vielleicht größer als zehn Personen sind.“

Weiterhin höchstens bis zu zehn Personen pro Gruppe erlaubt

So gilt nämlich weiterhin die Regel, dass sich im öffentlichen Raum nur Gruppen von höchstens zehn Personen treffen dürfen. Darüber hinaus ist der Mindestabstand einzuhalten, so besagt es die aktuelle Coronaschutzverordnung der NRW-Landesregierung.

Die Stadt ist sich der erhöhten Besucherzahlen an einigen Stellen innerhalb Dortmunds an den heißen Tagen bewusst. Um die Einhaltung der Corona-Regeln zu kontrollieren, ist das Ordnungsamt „im Stadtgebiet Dortmund präsent, lageabhängig und im Rahmen geplanter Schwerpunkteinsätze“, heißt es von der Pressestelle.

Schwimmen nicht überall im Kanal erlaubt

Beim Schwimmen im Kanal ist höste Vorsicht geboten - und eigentlich darf man das gar nicht. Denn in NRW ist das Schwimmen in sogenannten „künstlichen Wasserstraßen“ offiziell nicht erlaubt - in bestimmten Bereichen wird es aber zumindest geduldet. Wichtig ist, genügend Abstand zu Brücken und Bereichen von Wehren, Schleusen und Hafenanlagen zu halten. Anderenfalls können Bußgelder oder sogar Anzeigen drohen.

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Auch Kanal-Besucher legen Wert darauf, Regeln einzuhalten

Am anderen Ufer des Kanals wird es mittlerweile schon voller. Zwar sind auch hier noch einige Schritte Platz zwischen den Gruppen, doch es scheint so, als kommen die Menschen gerade erst an. Langsam aber sicher werden die Ansammlungen größer. Die erste Gruppe stellt bereits ihren Grill auf und stößt mit einem Bier auf den freien Tag an.

Der Sommertag lockt viele Badebesucher zum Dortmund-Ems-Kanal. Noch scheint genügend Platz, später könnte es enger werden.

Der Sommertag lockt viele Badebesucher zum Dortmund-Ems-Kanal. Noch scheint genügend Platz, später könnte es enger werden. © Beat Linde

Ein Stückchen den Weg hinunter hat es sich Vanessa in Badebekleidung bequem gemacht. Mit ein paar Freunden ist sie schon seit dem Vormittag am Kanal, um die Sonne zu genießen und hin und wieder für eine kurze Erfrischung ins Wasser zu springen. „Man muss ja einfach mal wieder rauskommen“, findet Vanessa. Klar, Corona sei auf jeden Fall noch im Hinterkopf, „aber wenn sich jeder darauf einlässt, die Regeln einzuhalten, ist es ja so weit kein Problem“, findet sie.

Kanutour führt Gruppen zusammen

Im Laufe des Vormittags hat die Gruppe um Vanessa Zuwachs bekommen. Mit ihren zwei Kanus haben Christopher und Marvin bei den Badenden Halt gemacht. „Wir sind so rumgeschippert über das Wasser und wollten dann hier an Land gehen“, erzählt Christopher. „Vanessa hat uns dann geholfen und so haben wir uns der Gruppe dann angeschlossen.“

Um eine Corona-Ansteckungsgefahr machen sie sich keine Sorgen. „Man muss ein bisschen positiv bleiben“, meint Vanessa. „Hier kommt man ja hin, um Menschen kennenzulernen“, meint auch Christopher. „Wir sind ja nur Menschen, wir brauchen soziale Kontakte.“

Mit ihren Kanus sind Christopher (links) und Marvin (rechts) auf dem Dortmund-Ems-Kanal unterwegs.

Mit ihren Kanus sind Christopher (links) und Marvin (rechts) auf dem Dortmund-Ems-Kanal unterwegs. © Beat Linde

Hier am Kanal fühlt sich die Gruppe freier als im Freibad. „Die meisten Freibäder sind mir viel zu stressig“, findet Marvin. „Ich will einfach schwimmen gehen ohne so viel Aufwand reinzustecken.“

Für den Freibad-Besuch gilt derzeit nämlich eine Anmeldepflicht und es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Tickets. „Klar ist das wichtig, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Aber wir haben hier ja die Alternative“, erklärt Marvin.

Abstand halten durch räumliche Gegebenheiten leicht gemacht

Besser als im Schwimmbad gefällt es auch den drei Studierenden Leonard, Eric und Kathrin. Sie stoßen mit einem Bier auf die am Vortag geschriebene Klausur und das bevorstehende Wochenende an. „Wir wohnen direkt in der Nordstadt, deshalb ist es für uns nicht weit bis hierher“, erzählt Leonard. Sie sind regelmäßig hier.

Zwischen den Bäumen lässt sich der Mindestabstand gut einhalten, da jede Gruppe ihren eigenen Platz hat, finden die drei Studierenden.

Zwischen den Bäumen lässt sich der Mindestabstand gut einhalten, da jede Gruppe ihren eigenen Platz hat, finden die drei Studierenden. © Beat Linde

Dazu haben sie sich bereits die passende Ausstattung angeschafft. Zwischen zwei Bäumen am Wegesrand hängt eine orangene Hängmatte, in der Eric es sich bequem gemacht hat. „Hier ist es meistens besser als im Schwimmbad, weil man tatsächlich eher mehr Platz hat. Die Gruppen bleiben eher für sich“, meint er.

Die Örtlichkeit gebe quasi den Mindestabstand vor, findet Kathrin, denn zwischen den Bäumen sei jeweils genau für eine Gruppe Platz, und in Richtung Kanal trennt der Schotterweg die Gruppe von anderen Personen.

Abseits der Hotspots ist weniger los

Noch weniger Probleme bereitet das Abstandhalten Henning Spata. Er hatte den Vormittag frei und sich unweit des Hafenbereichs einen Platz für sich allein gesucht.

Henning Spata nutzt den freien Vormittag am Kanal, bevor für ihn am Nachmittag die Arbeit beginnt.

Henning Spata nutzt den freien Vormittag am Kanal, bevor für ihn am Nachmittag die Arbeit beginnt. © Beat Linde

Weit und breit sind nur vereinzelt Menschen zu sehen - die Hotspots scheinen ein Stück weiter den Kanal hinunter in Richtung der Brücken zu sein. Mit einem aufblasbaren Schwimmreifen und einem Bier zwischen den Knien lässt es sich in der Hitze scheinbar gut aushalten.

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