Ein angebliches Unternehmen mit einem angeblichen Sitz in Dortmund hat mit angeblichen Ferienhäusern am Gardasee ganz real Kunden aus ganz Deutschland betrogen.

Dortmund

, 23.07.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die 150 Quadratmeter große „Casa Villa Sunset“, zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, eigener Pool und Blick über den Gardasee, sie war heißbegehrt in den letzten Wochen und Monaten. 176 Euro für eine Übernachtung, da konnte man schon schwach werden.

Und wurden auch einige: Alleine für Juli und August gab es elf Überschneidungen oder Doppelbuchungen für die „Villa Sunset“. Und die war nur eins von mehreren Angeboten, die da auf einer auf den ersten Blick professionell anmutenden Seite im Internet offeriert wurden. Die Seiten fanden sich unter den Adressen www.feriensommer-domizile.de, www.feriensommer-domizile.com und www.feriensommer-domizile.eu, auf ihnen wurden sehr schöne Häuser am Gardasee und am Comer See angeboten.

Seiten wurden dicht gemacht.

Bis die Seiten vor einigen wenigen Tagen von den Behörden abgeschaltet worden sind. Denn auch wenn es die angebotenen Häuser an ihren jeweiligen Adressen zumindest teilweise wirklich gibt, waren sie nicht als Ferienhäuser zu mieten. So berichtet es die Dortmunder Polizei, allein aus NRW gebe es neun Anzeigen gegen die Seitenbetreiber wegen des Verdachts des Leistungsbetrugs.

Auch aus anderen Bundesländern gibt es Anzeigen, die Zahl der Betroffenen dürfte ungleich höher und ein Schwerpunkt von Betroffenen in Bayern sein. In entsprechenden Internetforen tauschen sich Betroffene aus.

Im Erstkontakt „sehr freundlich“

Die Schilderungen gleichen sich in ihren Anfängen: Auf der Suche nach einem Ferienhaus am Gardasee stießen die Menschen auf die Internetseite. Als sie sich dann mit dem Unternehmen in Kontakt setzten, kamen schnelle und freundliche Antworten. 40 Prozent der Ferienhaus-Miete mussten überwiesen werden.

Während nach dieser ersten Überweisung einige potenzielle Urlauber den vermeintlichen Vermieter nicht mehr erreichen konnten, bekamen andere gegen Zahlung des vollen Preises Zugangsdaten. Vereinzelt reisten Touristen mit ihren Kindern an den Gardasee, um dann festzustellen, dass das gebuchte Haus zwar existent, aber eben kein Ferienhaus ist.

Falsche Adresse im Impressum

Wenn man durch eine entsprechende Suchmaschine das Impressum des Reiseanbieters wieder herstellt, stellt man fest, dass das Unternehmen, offenbar eine GbR, in einem Wohnhaus in der Mozartstraße gemeldet ist. Eine Fehlinformation, in diesem Gebäude sitzt keine GbR. Auch die beiden Namen der beiden Seitenbetreiber, Lukas M. und Katrin Z., sind in dem Haus nicht gemeldet - möglicherweise handelt es sich bei diesen Namen auch um Fantasienamen.

Einschreiben, die dorthin geschickt worden waren, kamen mit dem Vermerk „Empfänger unter der angegebenen Adresse nicht zu ermitteln“ wieder zurück.

Suche nach weiteren Betroffenen

„Wir wissen im Moment noch nicht, wie viele Geschädigte es gibt“, so Nina Vogt von der Dortmunder Polizeipressestelle. In diesem Fall sei es nötig gewesen, so früh wie möglich an die Öffentlichkeit zu gehen, um auf der einen Seite weitere Betroffene zu finden. Und um auf der anderen Seite potenzielle Kunden, die sich gerade noch überlegen, an das Unternehmen etwas zu überweisen, zu warnen.

Daher könne man im Moment noch nicht sagen, wie viele Betroffene es tatsächlich gibt und wer tatsächlich hinter feriensommer-domizile steckt.

Betrugsfälle steigen stark an

Für die Verbraucherzentralen ist der jetzt aufgetretene Betrugsfall nicht sonderlich überraschend. Seit einigen Jahren steige, so die Verbraucherzentrale, die Zahl der „falschen Ferienhäuser“ deutlich an. Häufig sei auf den ersten Blick für den Laien gar nicht erkennbar, dass die Internetseite unseriös unterwegs sei.

So sei es wichtig, dass die Unternehmen eine klare Adresse angeben, eine Telefonnummer haben, die man als potenzieller Kunde auch einfach mal anrufen sollte, um zu schauen, wer sich dahinter verbirgt.

Die Finger sollte man lassen von ungewöhnlich günstigen Angeboten. Und grundsätzlich von Ferienhausvermittlern, die den vollen Preis bei Buchung überwiesen haben wollen.

Besser mit der Kreditkarte zahlen

Überhaupt, der Geldtransfer: Besser als eine Überweisung sei ein Lastschriftverfahren oder eine Kreditkartenzahlung, bei den beiden letzten Optionen kann das Geld häufig zurückgeordert werden.

In dem „Dortmunder Fall“ hatten die Betrüger vieles richtig gemacht: Es gab eine Adresse, eine Telefonnummer, die Häuser waren sehr günstig, aber nicht spottbillig. Und dennoch waren Nutzern Fehler aufgefallen: Es gab keine Datenschutzerklärung auf den Seiten, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) waren nicht existent, sie sollte man, so hieß es, erst zugeschickt bekommen, wenn man sich auf der Seite anmelden würde.

Die Dortmunder Polizei hofft jetzt, dass sich weitere Betroffene bei ihr melden.

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