Hilfe, meine Tochter hört K-Pop! – Das steckt hinter dem Musiktrend aus Asien

dzPubertät und Popmusik

Auf einmal singt dein Kind in fremden Zungen und du kannst nichts dagegen tun. Pop aus Korea erobert die Kinderzimmer. Wir haben eine Familie besucht, in der K-Pop hoch im Kurs steht.

Dortmund

, 10.08.2019, 07:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer ein Kind im Pubertätsalter hat, dem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dieses passieren: Das Kind kommt zu den Eltern und schwärmt ihnen von Musik vor, die weit entfernt von dem sein kann, was sie selbst mögen und was sie für die Richtige für ihr Kind halten. Eltern haben dann zwei Möglichkeiten: Die Sache mitmachen. Oder eine große Baustelle aufmachen. Simon Wallek aus Hörde hat sich für das Mitmachen entschieden.

Im Fall des Vaters ist „die Sache“ die Musikrichtung K-Pop. Seine älteste Tochter Helena (15) singt seit zwei Jahren Liedtexte auf koreanisch, schwärmt von Bands wie Stray Kids oder BTS und Sängern und Tänzern mit Namen wie Bang Chan oder Woojin.

Hochprofessionelles Musikgeschäft mit guten Geschichten

In Südkorea gibt es eine hochprofessionelle Musikindustrie, die Bands nach dem Vorbild der US-Boygroups aus den 1990ern vermarktet. Produziert nach internationalen Standards mit wuchtigen Bässen und fetten Beats, vertrieben über Kanäle wie Instagram oder Youtube. Die Fanszene ist eng vernetzt, bekommt jede Regung ihrer Idole mit. Erster bekannter Vertreter des Genres war übrigens Psy, der 2014 den „Gangnam Style“ in der ganzen Welt bekannt machte.

Helena Wallek kann sich, so sagt sie es, ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Ein Leben ohne K-Pop. „Mir gefallen die schwierigen Tänze mit viel Energie. Und, dass die Bands Lieder über Probleme wie Pubertät oder Mobbing singen“, sagt sie. Neben ihr sitzen ihre Freundinnen Yani und Merle. Sie haben bunt gefärbte Haare, tragen zerrissene Jeans und erinnern in ihrer Optik an Grunge-Kids aus den frühen 1990er-Jahren. Nur, dass sie nicht abgerissene Langhaarige anhimmeln, sondern Asiaten, die höchstens 21 sind und fünf Jahre jünger aussehen.

Die Mädchen kennen alle Bandnamen und Logos und rattern sie in ICE-Geschwindigkeit herunter. Sie schwärmen vom „Zusammenhalt“, der in den Bands gelebt wird, dass manche Songs sogar selbst geschrieben sind. Das Storytelling - das Kreieren von Geschichten, die die jungen Fans glauben - funktioniert im K-Pop ziemlich gut.

Viele Eltern sind zunächst irritiert - und lassen sich dann doch überzeugen

Vater Simon Wallek hört selbst lieber House und Elektro, hat noch ein Plattenregal mit Bowie und Springsteen im Wohnzimmer stehen. Er unterstützt seine Tochter. „Immerhin hört sie keine Schlager-Musik“, sagt er. Mit der anfänglichen Irritation über den Asia-Trend ist er nicht allein. In Elternforen im Internet finden sich viele Einträge von Müttern und Vätern, die zumindest überrascht sind, dass ihr Kind eben nicht die gängigen deutschen, amerikanischen oder britischen Stars abfeiert. „Das hören ja alle anderen“, sagt Yani.

Der Musiktrend bleibt nicht im Jugendzimmer. Es gibt mittlerweile K-Pop-Tanzkurse, in Dortmund etwa bei Lindy Pott an der Güntherstraße. Es gibt Fantreffen und eigene Tanzcrews. Wie groß der Hype ist, hat Simon Wallek erfahren, als er Karten für ein Konzert der Stray Kids in Berlin kaufen wollte. Helena hatte das Geld dafür über Monate gespart. Als sich ihr Vater in den Ticketshop geklickt hatte, waren innerhalb von 30 Sekunden alle Tickets vergriffen. Die Traurigkeit darüber gehört zum Teenie-Fan-Dasein auch dazu.

Der Spott der anderen gehört dazu - und ist denn Fans ziemlich egal

Genauso wie der Spott der anderen, wenn man etwas außerhalb der Norm hört. „Mein Vater macht sich immer noch lustig“, sagt Merle. In der Schule gebe es viele Witze über die geschminkten K-Pop-Stars. Die K-Pop-Mädchen pfeifen darauf.

Und der Vater? Hat weiterhin ein Auge auf die neuesten Veröffentlichungen und denkt an seine eigene Jugend zurück. „Als wir die Ramones gehört haben, haben das unsere Eltern auch nicht verstanden.“

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