Hier liegen Dortmunds Hitze-Hotspots – und die Kälte-Oasen

dzSahara-Hitze

Die Sahara-Hitze hat Dortmund fest im Griff. Wir haben uns am Dienstagnachmittag auf die Suche nach den heißesten Orten der City gemacht – und stießen dabei auch auf einige Inseln der Kälte.

Dortmund

, 25.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer bei Wurst Willi arbeitet, muss in diesen Tagen hart im Nehmen sein: In der Currywurstbude auf dem Westenhellweg ist es bereits um kurz nach 12 Uhr knackige 37,7 Grad heiß, gemessen mit unserem redaktionseigenen Thermo-Hygrometer, erworben am Morgen für 11,99 Euro bei einem großen Elektronikhändler in der City.

Für die Hitze sorgt auch der Grill. Co-Chefin Monika Wolf macht die Hitze nicht viel aus: „Da tun einem die Knochen nicht so weh!“, scherzt sie. Die Hauptsache sei, viel zu trinken: „Bei mir sind das auch schon mal vier Liter.“ Das mit dem Trinken würde sie auch so einigen ihrer Kunden raten. „Im letzten Sommer hatten wir vier oder fünf Notarzt-Einsätze vor dem Laden, weil Leute in der Hitze zusammengeklappt waren.“

Ihre Mitarbeiter müsse sie bei diesen Temperaturen besonders pflegen, sagt Wolf noch, bevor sie dem nächsten Kunden eine Krakauer im Brötchen in die Hand drückt: „Da gibt es schonmal ein leckeres Eis oder einen Milchshake extra.“

Dortmunds Arbeitswelt ist an diesem bisher wärmsten Tag des Jahres zweigeteilt: In das Lager der Leidenden, die draußen oder in unklimatisierten Büros ausharren müssen, und den Glücklichen, die die Klimaanlage voll aufdrehen können.

Hier liegen Dortmunds Hitze-Hotspots – und die Kälte-Oasen

In der Reinoldikirche waren es lediglich 24,7 Grad – angenehm kühl. Hartmut Otte (75, l.) und Wolfgang Thimme (72) haben aber auch schon bedeutend höhere Temperaturen im Gotteshaus erlebt. © Thomas Thiel

Und dann gibt es auch noch Hartmut Otte und Wolfgang Thimme. Die beiden profitieren von einem dicken Stück Stadtgeschichte: Als ehrenamtliche Mitarbeiter des Reinoldiforums drehen sie regelmäßig ihre Runden innerhalb der bis zu 800 Jahre alten Mauern der Reinoldikirche. Dort ist es gegen 14 Uhr angenehme 24,7 Grad warm (eigene Messung).

Dennoch fehlt von Hitze-Flüchtlingen jede Spur: „Als Zufluchtsort gegen das Wetter ist die Kirche vor allem im Winter beliebt“, sagt Otte. „Dann kommen öfters Obdachlose vorbei, um sich aufzuwärmen.“

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Von der angenehmen Kühle sollte man sich übrigens nicht täuschen lassen, fügt Thimme noch hinzu: „Wenn es länger heiß ist, setzt sich die Hitze hier drin richtig fest. Letztes Jahr war es so warm, dass die Taufkerze krumm wurde.“

Hier liegen Dortmunds Hitze-Hotspots – und die Kälte-Oasen

Am Hansaplatz knackten die Temperaturen in der Sonne bereits am frühen Nachmittag die 40-Grad-Grenze. © Thomas Thiel

Geradezu schmelzen würde die Kerze jetzt schon auf dem Friedensplatz. Dort klettert unser Thermo-Hygrometer am frühen Dienstagnachmittag bereits auf 40,6 Grad, gemessen in der Sonne. Kein Wunder, bietet doch lediglich die einsame Friedenssäule in der Mitte des Platzes einen dünnen Streifen Schatten. Ansonsten: sonnendurchflutete Ödnis.

Die wenigen Passanten, die über den Platz müssen, versuchen, so schnell wie möglich aus der Hitze herauszukommen.

Hier liegen Dortmunds Hitze-Hotspots – und die Kälte-Oasen

Markus (51) arbeitet gerne in der U-Bahn-Station Kampstraße bei 24,3 Grad, wenn draußen die Hitze drückt. © Thomas Thiel

Da liegt ein Gang in den Untergrund nahe: Auf der tiefsten Ebene von Dortmunds meistgenutzter U-Bahn-Station, der Kampstraße, steht DSW-Service-Mitarbeiter Markus und freut sich über die von uns gemessenen 24,3 Grad um ihn herum – und den Luftzug, der die einfahrenden Bahnen ankündigt.

Ja, momentan sei der Präsenzdienst in der Station ein „sehr angenehmer Arbeitsplatz“, sagt der 51-Jährige, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte. Dass er ihn nicht nennen will, liegt an seinem anderen Job. Als Fahrkarten-Kontrolleur mache er sich nicht nur Freunde und werde regelmäßig bedroht, sagt er.

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Das tun Dortmunder gegen die Sahara-Hitze

Weit über 30 Grad kletterten die Temperaturen am Dienstag in der Dortmunder City. Wir haben die Dortmunder gefragt, was sie tun, um mit der Hitze fertig zu werden.
25.06.2019
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Elisabeth Götte (71): „Ich ignoriere die Hitze einfach! Es ist Sommer, da ist das so. Davon soll man sich nicht verrückt machen lassen.“
© Tara Bunk
Franz Van Bremen (67): „Man sollte sich in den Schatten setzen. Und Arme und Beine kühlen.“
© Tara Bunk
Julia Schiffer (42): „Zum Glück gibt es eine Klimaanlage im Büro. Zuhause hilft ein Ventilator oder ein feuchtes Tuch im Nacken. Und am Besten den Tag über gar nichts machen.“
© Tara Bunk
Keven Ludwig (27): „Baden gehen! Oder eine Sprühflasche benutzen, das hilft auch immer.“
© Tara Bunk
Mechthild Stiewe (53): „Es ist Sommer, den sollte man genießen! Viel Trinken, aber nichts zu Kaltes.“
© Tara Bunk
Simpel Kapoor (32): „Viel trinken, zuhause bleiben und nicht in die Sonne gehen!“
© Tara Bunk
Wilko Masan (45): „Viel arbeiten und dabei viel Trinken, am besten eisgekühlte Getränke. Und danach in den Pool!“
© Tara Bunk

Generell sei sein zweiter Job bei dem Wetter nicht angenehm: „Besonders in der U41 ist es stickig heiß, die fährt sehr lange oberirdisch und hat keine Klimaanlage, da musste tief einatmen, bevor du einsteigst.“

Beeinflussen, welche Aufgabe er wann hat, kann der 51-Jährige nicht, das regelt der Dienstplan. Die beste, weil kühlste Station für richtig heiße Tage sei übrigens die Wilhelm-van-Vloten-Straße in Hörde, verrät er zum Abschied.

Hier liegen Dortmunds Hitze-Hotspots – und die Kälte-Oasen

Charlotte Feldbrügge (19, l.) und Nadine Hanemann (32) vom Dortmunder U haben sich nur fürs Foto in die pralle Sonne gestellt. die 46,1 Grad waren einfach zu viel. © Thomas Thiel

Es geht weiter, zurück in die Hitze. Es ist inzwischen etwas nach 15 Uhr, als wir verschwitzt am U-Turm ankommen. Die Sonnenterrasse des alten Brauereiturms bietet einen der spektakulärsten Ausblicke der Dortmunder City – doch heute bleiben die Touristen, die den Aufzug in den obersten Stock genommen haben, nur ganz kurz für einen Schnappschuss. Aus gutem Grund: Nach wenigen Minuten in der Sonne zeigt unser Thermometer bereits 46,1 Grad. Der Hitzerekord unserer kleinen, überhaupt nicht repräsentativen Stichprobe.

Auch Nadine Hanemann und Charlotte Feldbrügge vom Dortmunder U treibt die Hitze schnell wieder ins Innere des Museums: Dort sorgt die Klimaanlage für erfrischende 20 Grad. Dort kann man ein wohltemperiertes „Gefühl von Sommer“ entwickeln. Die gleichnamige Ausstellung holländischer Neoimpressionisten und Expressionisten läuft noch bis zum 25. August.

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