Häusliche Gewalt in Dortmund: Jeden Tag gibt es drei neue Fälle

dzTötungsdelikte

Innerhalb von zwei Wochen sind zwei Dortmunder bei gewaltsamen Streitigkeiten mit ihren Partnern ums Leben gekommen. Es gibt Menschen, die wegen häuslicher Gewalt sogar aus Dortmund flüchten.

Dortmund

, 03.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mann soll Mitte September seine Frau in der Nordstadt erschlagen haben, eine Wickederin hat ihrem Partner am Dienstag (1. 10.) - möglicherweise in Notwehr - ein Messer in den Bauch gestochen. In beiden Fällen soll Alkohol im Spiel gewesen sein, die Ermittlungen laufen.

Mindestens zweimal hatte die Polizei in diesem Jahr schon vor dem Tod des Mannes Einsätze bei dem Wickeder Paar. Es wurde auch schon ein zehntägiges sogenanntes Rückkehrverbot ausgesprochen, wie die Polizei auf Anfrage mitteilt. Nähere Details sind von der Behörde mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht zu bekommen. In ganz Dortmund wurden im vergangenen Jahr 1354 Fälle von häuslicher Gewalt registriert - also mehr als 110 pro Monat.

„Der gefährlichste Ort ist das eigene Zuhause“

Für eine Frau sei der gefährlichste Ort ihr eigenes Zuhause, sagt Maresa Feldmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung: „Das Risiko, durch einen Beziehungspartner Gewalt zu erfahren, ist weitaus höher als von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden.“

Bildung, Alter oder andere soziale Faktoren seien dabei völlig bedeutungslos. „In Deutschland ist oder war schon jede vierte Frau Opfer von häuslicher Gewalt“, so Feldmann. Darunter fällt auch psychische Gewalt.

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Die Frauenberatungsstelle an der Märkischen Straße hat im vergangenen Jahr 318 Frauen wegen häuslicher Gewalt beraten, etwas mehr als die Hälfte kam nach Polizeieinsätzen. Die Schicksale seien dabei sehr unterschiedlich, berichtet Claudia Ebbers.

„Es kommt vor, dass Frauen trotz einer Wegweisung weiterhin vom Partner bedroht werden“, sagt sie. Es gebe aber auch Fälle, in denen es vorkommt, dass sich die Partner wieder versöhnen - in der Hoffnung, dass sich etwas verändert hat.

Betroffene sehen oft keine Chance für eine Lösung

Es sei wichtig, darüber zu reden und die Botschaft zu vermitteln, dass Betroffene eine Chance haben sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Die Frauenberatungsstelle informiert betroffene Frauen kostenlos. Manchmal sei es sinnvoll in ein Frauenhaus zu gehen.

Pro Jahr beschäftigt sich der Weiße Ring in Dortmund mit etwa 250 Fällen rund um den Opferschutz. „Fast die Hälfte kommt wegen häuslicher Gewalt“, sagt Ingo Moldenhauer. Die „absolut überwiegende Zahl“ bildeten Frauen, die von Männern verletzt werden. Die meisten bekämen von der Polizei nach Strafanzeigen den Kontakt vermittelt.

Betretungs- und Kontaktverbote können wie im Wickeder Fall ausgesprochen werden, je nach Straftat folgen weitere rechtliche Konsequenzen. „Es gibt auch einige Menschen, die wegen der Bedrohung aus Dortmund regelrecht flüchten müssen“, sagt Moldenhauer. Der Weiße Ring kann in solchen Fällen auch finanziell den Umzug unterstützen.

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen - im Vorfeld lädt die Dortmunder Stadtverwaltung zu vielen Veranstaltungen rund ums Thema ein. Ab Samstag (5. 10.) gibt es bis Ende November insgesamt 14 Vorträge und Workshops.

Die Themen variieren von Infos über selbstverletztendes Verhalten und einem Selbstbehauptungskurs über digitale Gewalt im Internet bis hin zu Hilfestellungen für Menschen, die jemanden kennen, der von häuslicher Gewalt betroffen ist.

Die Frauenberatungsstelle an der Märkischen Straße 212-218 ist erreichbar unter Tel. (0231) 52 10 08. Der Weiße Ring berät unter Tel. (0231) 9 12 98 61.
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