„Habe angefangen zu zittern“ – Dortmunderin schildert Begegnung mit Bewaffnetem in der U43

dzWeißenburger Straße

Ein 33-Jähriger hat am Mittwoch einen Mann angeschossen. Zuvor gab es einen Zwischenfall in der Stadtbahn U43, der Fragen aufwirft. Eine Dortmunderin erhebt Vorwürfe gegen die Polizei.

Dortmund

, 13.06.2019 / Lesedauer: 4 min

„Ich habe gerade aus der U-Bahn einen Mann geworfen, der eine Frau belästigt hat. Und der hat eine Waffe gezogen. Großkaliber.“ So beginnt ein Tweet von „AlfimWesten“, der eine Geschichte erzählt, bei der einem auch als Unbeteiligtem im Nachhinein schwummerig werden kann. Denn kurz danach wurde genau an der Haltestelle, an der sich der Vorfall in der U43 ereignete, ein Mann durch einen Schuss schwer verletzt. Der Mann in der Bahn ist tatsächlich der mutmaßliche Täter, bestätigt die Staatsanwältin Sandra Lücke später am Mittwochabend.

Doch was geschah nun wirklich in der Bahn? Was ist mit den Vorwürfen der Userin gegen die Polizei, sie habe Anrufe und Hinweise nicht ernst genommen? Warum veröffentlichen Polizei und Staatsanwaltschaft eine Suchmeldung nach dieser Frau, die sich offenbar schon selbst drei Mal bei ihr gemeldet hat?

Hinter dem Twitternamen „AlfimWesten“ verbirgt sich eine junge Dortmunderin, die gegen 9.40 Uhr mit anderen Fahrgästen in eine Bahn der Linie U43 an der Kampstraße einstieg. „Mit uns auch ein Mann, der eine junge Frau nach dem Weg fragte und hektisch die Bahn verließ Richtung gegenüberliegendem Bahnsteig, um dann doch in letzter Sekunde noch in unsere Bahn zu steigen“, berichtete die Dortmunderin gegenüber unserer Redaktion. Ihren vollen Namen will sie aus Vorsicht nicht veröffentlichen.

Mann wurde immer unverschämter

In der Bahn sei der Mann der jungen Frau gegenüber „sehr unverschämt“ geworden und habe sie beschuldigt, ihr absichtlich die falsche Bahn genannt zu haben. Auch eine Entschuldigung habe die Dinge nicht beruhigt, der Mann sei immer unverschämter geworden.

An der Haltestelle Ostentor mischte sich dann „AlfimWesten“ ein und forderte den Mann auf, die Bahn zu verlassen. „Das tat er auch, wurde dann aber auch mir gegenüber sehr frech. An den Wortlaut erinnere ich mich nicht, alles ging sehr schnell.“ Doch dann brüllte der spätere Täter ihren Schilderungen nach: „Ich kann dir mal zeigen, was ich in der Tasche habe“, und aus dieser Tasche fiel ein Gegenstand, der für die junge Frau aussah wie ein Magazin.

„Hatte damit gerechnet, dass er ein Messer zieht“

Sie erzählt weiter: „Bis dahin war ich in der Tür stehen geblieben, weil ich damit gerechnet hatte, dass er ein Messer zieht oder Ähnliches und ich auf keinen Fall wollte, dass er die Bahn wieder betritt. Da hab ich dann echt angefangen zu zittern und war sehr froh, dass sich die Türen der Bahn schnell schlossen.“

Was danach geschah, passiert auf mehreren Ebenen - und wirft immer noch viele Fragen auf:

  • Der mutmaßliche Täter schießt nur wenige Minuten später an der Weißenburger Straße, also ganz in der Nähe der Haltestelle Ostentor, auf einen andern Mann. Dieser wird am Bein getroffen und schwer verletzt. Die Hintergründe sind noch unklar.

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  • Die Frauen aus der U-Bahn besprechen sich – auch mit einer weiteren Zeugin – und rufen die Polizei. Dort fühlen sie sich nicht ernst genommen. Polizeisprecher Oliver Peiler sagt später am Nachmittag, die Frauen hätten nicht mit der Einsatzleitstelle gesprochen, sondern mit einer Wache.

  • „AlfimWesten“ berichtet auf Twitter von den Ereignissen in der U-Bahn. Da wusste sie noch gar nichts von den Schüssen an der Weißenburger Straße. „Ich war auf der Arbeit sehr eingespannt und habe erst gegen 12 Uhr von einer Freundin erfahren, was in der Weißenburger Straße passiert ist“, erklärt sie der Redaktion. Daraufhin habe sie sich noch einmal bei der Polizei gemeldet. Schließlich sei sie von der Polizei auch über Twitter angeschrieben und um ihre Telefonnummer gebeten worden. Aber: „Ich habe mit keinem/keiner Polizeibeamten/-beamtin mehr gesprochen. Und das finde ich wirklich krass“, so die Dortmunderin. Zu diesem Zeitpunkt gibt es immer noch keine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Täters.

  • Während sich am Mittwoch die Reaktionen im Netz auf den Tweet der jungen Dortmunderin überschlagen – die Dramatik der Ereignisse wird vor allem in den Kommentaren sehr deutlich – fahndet die Polizei mit Hochdruck nach dem Schützen. In der Innenstadt sind die Beamten auffällig präsent, gegen 19 Uhr fassen sie den Mann in Eving.

Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund haben dann am Donnerstagmittag eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie eine Twitter-Userin auffordern, sich zu melden, und nach zwei Jugendlichen suchten, die möglicherweise eine Waffe gefunden hatten. Die Suche nach der Userin wurde allerdings eine Stunde später eingestellt. „Entgegen dieser ersten Meldung erfolgte bereits am gestrigen Mittwoch die Kontaktaufnahme der Polizei zur möglichen Zeugin und Twitter-Nutzerin“, heißt es in einer Korrekturmeldung. „Wir haben veranlasst, das jemand mit ihr Kontakt aufnimmt“, erklärte Staatsanwältin Sandra Lücke.

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