Grüne wollen nicht nur OB-Amt erobern – sondern auch stärkste Kraft werden

dzKandidatin Schneckenburger

Jetzt ist es amtlich: Schuldezernentin Daniela Schneckenburger (59) soll bei der Kommunalwahl für die Grünen das OB-Amt erringen. Bei der Nominierung erhielt sie stehende Ovationen.

Dortmund

, 07.02.2020, 14:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Botschaft von Julian Jansen ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Wir wollen die stärkste politische Kraft in dieser Stadt werden“, rief der Sprecher der Dortmunder Grünen seinen Parteifreunden bei der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend (6.2.) in der alten Werkhalle auf dem Union-Gewerbehof zu.

In die Kerbe schlug auch Landesvorsitzender Felix Banaszak: Das 25 Prozent-Ergebnis, das die Grünen bei der Europawahl 2019 in Dortmund holten, sei „ein Auftrag, die Stadt verantwortlich zu gestalten“. Es gehe nicht mehr länger darum, „das Korrektiv für SPD und CDU, sondern Spielmacher zu sein“, sagte Banaszak. Die Erwartungen der Landes-Grünen sind hoch: Wenn es irgendwo in NRW gelingt, das OB-Amt zu erobern, dann am ehesten in Dortmund.

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Richten soll es Daniela Schneckenburger, Grünen-Dezernentin für Schule, Jugend und Familie. Es ist ihr dritter Anlauf, ins OB-Amt zu ziehen. Sie habe lange überlegt und viele Gespräche geführt, ließ Schneckenburger die Mitgliederversammlung wissen. Nun sei klar: „Ja, ich will das und ich kann das auch.“ 20 Minuten dauert ihre Rede, in der sie „ihr Angebot an die Stadtgesellschaft“ formuliert.

Eine kleine Spitze geben den OB

Sie fordert „mehr Mut“ und Schnelligkeit bei der Energie- und Verkehrswende. Mehr Soziale Gerechtigkeit, mehr Bildungsgerechtigkeit – das sind neben einem entschiedenen Kampf gegen Rechts die Schlagwörter, die ihre Rede durchziehen.

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Immer wieder betont sie, „dass wir dabei alle Menschen mitnehmen müssen“. Attacken gegen SPD und CDU vermeidet sie. Nur einmal gönnt sie sich eine kleine Spitze, als sie ein Zitat von OB Ullrich Sierau aufgreift, der Dortmund in Sachen fahrradfreundliche Stadt „zum neuen Kopenhagen“ erklärt hat: „Wir sind ja noch nicht einmal das Münster des Ruhrgebiets“, sagt Schneckenburger und erntet zustimmendes Gelächter aus den vollbesetzten Reihen.

Grüne wollen nicht nur OB-Amt erobern – sondern auch stärkste Kraft werden

Volles Haus: In früheren Zeiten hätten Katja Bender und Julian Jansen, Sprecher-Duo der Dortmunder Grünen, deutlich weniger Besucher bei den Parteiversammlungen begrüßt. © Beushausen

Vorbei die Zeiten, als die Mitgliederversammlungen aus 20 bis 25 Menschen bestanden. Die alte Werkhalle ist rappelvoll; 120 sind gekommen, um der Kandidatin den Rücken zu stärken. Auch das ein Ausdruck für das durch Umfragen beflügelte Selbstbewusstsein und den neuen Machtanspruch der Grünen. Schneckenburger redet Dortmund auch nicht in Grund und Boden, im Gegenteil.

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Dortmund habe „viel erlebt und sich immer wieder gehäutet“, sagt sie. Jetzt sei es an der Zeit für erneute Veränderung, um die Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Sie sieht darin eine Aufgabe für die gesamte Stadtgesellschaft. "Und nicht nur für eine Person, die vorne steht und sagt, wo's langgeht."

Grüne wollen nicht nur OB-Amt erobern – sondern auch stärkste Kraft werden

Die 25 Prozent bei der Dortmunder Europawahl 2019 sind die Messlatte: Daniela Schneckenburger und Grünen-Landesvorsitzender Felix Banaszak wollen hoch hinaus. © Beushausen

Die Mitglieder danken es ihr mit stehendem Applaus. Und mit dem Wahlergebnis: Schneckenburger bekommt 111 von 120 Stimmen. Fünf sagen „Nein“, vier enthalten sich.

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