Grafiken der Wahrheit: Das ist der typische Straftäter in Dortmund

dzStatistik

Rund um die Kriminalitätsstatistik gibt es viele Gerüchte – subjektive Gefühle bestimmen Diskussionen. Die Polizei belegt mit Zahlen, wer statistisch der typische Straftäter in Dortmund ist.

Dortmund

, 07.10.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles wird immer schlimmer“ - diesen Satz hört man ständig, wenn über Polizeimeldungen gesprochen wird. Zwei Straftaten reichen häufig, um einen gefühlten Trend auszumachen, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Die Polizei veröffentlicht verschiedene Kennzahlen zum durchschnittlichen Dortmunder Tatverdächtigen. Im Zuständigkeitsbereich der Behörde (inklusive Lünen) gab es im Jahr 2018 insgesamt 71.818 Straftaten – das ist der tiefste Stand seit mehr als 15 Jahren. Allerdings: Es gibt zwar deutlich weniger Taten und Verdächtige, aber mehr Mehrfachtäter und mehr Opfer als zwei Jahre zuvor.

Der typische Tatverdächtige ist aus statistischer Sicht männlich, deutsch, zwischen 21 und 60 Jahren alt und ein Dieb – zumindest ein mutmaßlicher Dieb, schließlich spricht die Polizei nur von Verdächtigen. Die Schuldfrage klären Gerichte später.

Die Tatverdächtigen sind mit 77 Prozent weit überwiegend männlich. Fast genauso groß ist der Anteil der Personen zwischen 21 und 60 Jahren (72 Prozent). Unter-21-Jährige machen 23 Prozent aller Verdächtigen aus. Jeder 20. Tatverdächtige ist älter als 60 Jahre - während insgesamt aber jeder fünfte Bürger in diese Altersgruppe fällt.

61 Prozent aller Verdächtigen haben einen deutschen Pass, in der Gesamtbevölkerung machen Deutsche 82 Prozent aus. Bei mehr als einem Drittel aller Straftaten in Dortmund geht es um Diebstahl (39 Prozent). Innerhalb dieses Bereiches macht Ladendiebstahl mit Abstand den größten Anteil aus.

Mehr Kontrollen – mehr Fälle

Grundsätzlich gibt es verschiedene Blickwinkel, aus denen man so eine Statistik betrachten kann. Fallzahlen können zum Beispiel steigen, wenn mehr Kriminelle unterwegs sind – oder auch wenn die Polizei mehr kontrolliert und eh schon existente Fälle erst auffallen.

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Drogendelikte werden etwa selten von Bürgern angezeigt – weil sich die jeweils Betroffenen nicht an die Polizei wenden. Die Polizei spricht in so einem Fall von erhöhtem Kontrolldruck, der für steigende Fallzahlen sorgt.

Die Dortmunder Werte lagen 2018 nah an den NRW-weiten Zahlen. In den nordrhein-westfälischen Großstädten gab es generell relativ viele Fälle pro Einwohner: 10,7 Straftaten pro 100 Einwohner wurden in Dortmund im Jahr 2018 gezählt. Nur in Köln waren es mehr (11,0). Im Ennepe-Ruhr-Kreis, zu dem unter anderem Witten und Herdecke gehören, waren es dagegen nur 4,9 Taten pro 100 Einwohner.

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