Eine Kellnerin platziert eine Serviette auf einem Tisch. © dpa (Symbolbild)
Bundesweiter Restaurant-Vergleich

Gourmet-Rangliste: Dortmund ist kulinarische Provinz

Es gibt sie, die Spitzen-Restaurants in Dortmund - doch der Club der exquisiten Küchen in der Stadt ist sehr klein. Ein bundesweiter Vergleich zeigt: Dortmund ist kulinarische Provinz.

Hannes Buchner bewegt sich seit drei Jahrzehnten in der Welt der gehobenen Küche. Der Bayer hat mittlerweile Tausende Restaurants in Deutschland, Europa und der Welt in einer riesigen Datenbank namens „Restaurant-Ranglisten“ gesammelt, aus der er einmal jährlich Ranglisten erstellt. Buchner kann also durchaus als Experte für die bundesweite Gastro-Szene gelten.

Zur Sache

Restaurant-Ranglisten

  • Restaurant-Ranglisten rechnet die verschiedenen Bewertungssysteme der bekanntesten Gastro-Führer Guide Michelin, Gault-Millau, Gusto, Feinschmecker, Schlemmer Atlas, Großer Guide und Varta in eine einheitliche Punkteskala um.
  • Dortmunds aktuell einziger Sternekoch Michael Dyllong nennt es das „seriöseste Ranking seiner Art“.

Fragt man Buchner nach dem Stellenwert Dortmunds in dieser Szene, lernt man, dass Buchner auch ein höflicher Mann ist. Dann sagt er: „Dortmund ist keine kulinarische Hochburg.“

Nur 6 Dortmunder unter den 1000 besten Restaurants Deutschlands

Buchners aktuelle Rangliste spricht eine deutlichere Sprache: Unter den besten 100 Restaurants Deutschlands findet sich nur eines aus Dortmund (das Palmgarden auf der Hohensyburg); erweitert man den Kreis auf die besten 300, kommt lediglich das Iuma in Kirchhörde hinzu; zu den 1000 besten Restaurants Deutschlands gehören nur 6 Dortmunder Betriebe.

Nach diesen Zahlen ist Dortmund nicht nur keine kulinarische Hochburg – es ist kulinarische Provinz.

Das wird auch im direkten Vergleich der Großstädte deutlich: Lediglich 23 Restaurants in Dortmund schaffen es in das rund 4000 Einträge zählende Ranking von „Restaurant-Ranglisten“. Zum Vergleich: Im fast gleichgroßen Essen sind es doppelt so viele (49), während das nur etwas größere Düsseldorf auf die dreifache Menge an gehobenen Restaurants kommt (75).

Bei der Spitzenrestaurant-Dichte unter Deutschlands 20 größten Städten reicht es für Dortmund lediglich für Platz 16. Weniger Restaurants, die in den großen Gastro-Führern empfohlen werden, als in Dortmund (3,9 pro 100.000 Einwohner) gibt es nur in Bochum (3,6), Duisburg (1,6) und Wuppertal (1,4).

Selbst viel kleinere Städte wie Heidelberg, Aachen oder Bonn haben vergleichbar viele gehobene Restaurants wie Dortmund, Münster mit 33 sogar bedeutend mehr.

Gastro-Experte: Dortmund ist „schwieriges Pflaster“

Weshalb ist das Angebot von gehobenen Restaurants in Dortmund so klein? Wenn man länger mit Hannes Buchner spricht, versucht sich der höfliche Gastro-Experte dann doch an einer Erklärung: „Für Haute Cuisine muss man die richtigen Gäste haben, und da ist das Ruhrgebiet ein schwieriges Pflaster.“ In anderen Städten wie Düsseldorf oder München lebten eben mehr wohlhabende Menschen.

Hinzu komme die spezielle Esskutur, die es in Dortmund als alte Arbeiterstadt gebe: „In einer Stadt, in der vor allem Currywurst als Genuss betrachtet wird, hat man es mit gehobener Küche schwer.“

Doch der Gastro-Experte sieht auch Zeichen des Wandels in der Dortmunder Gourmet-Szene: „Die Qualität hat sich grundsätzlich verbessert.“ Die neue Generation an Köchen sei besser geschult, meint Buchner, und in den vergangenen Jahren seien mehrere vielversprechende junge Köche nach Dortmund gekommen.

Weiterer Dortmunder Koch mit Sterne-Potenzial

Namentlich erwähnt er Dirk Grammon, der seit 2019 das „Grammon‘s“ in Brackel betreibt und dem Büchner das Potenzial für einen Michelin-Stern zuschreibt, und Phillip Schneider mit seinem Wambeler Restaurant „Der Schneider“.

Und so fällt Buchners Fazit zur Gourmetrestaurant-Szene in der Stadt versöhnlich aus: „In Dortmund muss man länger suchen, bis man ein richtig gutes Restaurant findet, aber es gibt sie.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel
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