Die Kirchenmusik in Reinoldi hat wieder eine Perspektive

dzNeuer Kantor eingeführt

Christian Drengk, der neue Reinoldikantor, ist jetzt offiziell in sein Amt eingeführt worden. Zum Gottesdienst kamen Hunderte Besucher und hörten einen bemerkenswert dynamischen Bachchor.

Dortmund

, 28.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein bisschen hatte man befürchtet, es könnten ganze Reihen leer bleiben, an diesem Sonntag in der Stadtkirche St. Reinoldi. Schließlich war genau dieser Festgottesdienst zur Einführung des neuen Kantors Christian Drengk schon einmal geplant gewesen - und hätte auch beinahe stattgefunden. Die Kirche war voll am 3. Februar, alle waren da, Chöre, Freunde, Pfarrer, nur der, um den es ging, der fehlte - er lag, am Vortag unangenehm und böse krank geworden, im Bett und hätte das Haus wohl auch mit größtem Willen nicht verlassen können.

An diesem Sonntag aber stand er, wach und kerzengerade, vor seinem Konzertchor und dirigierte mit großen Bögen Auszüge aus Antonín Dvořáks „Stabat Mater“ - vor einer vollen Kirche. Der Chor hatte sich das Stück, wie man munkelt, schon seit Jahren sehr gewünscht. Drengk wird es bei seinem Antrittskonzert am 6. April komplett mit ihnen musizieren, und das dürfte, gemessen an den gehörten Ausschnitten, ziemlich schön werden.

„Beeindruckendes pädagogisches Geschick“

Den Chor nach dem für alle nicht ganz leichten Interimsjahr über weite Strecken wieder so intonationssicher und fast ungewohnt dynamisch singen zu hören, nachdem Drengk nur wenige Monate mit ihm geprobt hatte, war bemerkenswert. Er scheint, wie Kreiskantor Wolfgang Meier-Barth später in seinem Grußwort formulierte, neben großer Musikalität durchaus über ein „beeindruckendes pädagogisches Geschick“ zu verfügen. Susanne Lorf, die Vorsitzende des Bachchores, formulierte es mit etwas ironischem Unterton so: „Bisher lässt es sich ganz gut an, lässt sich sagen.“ Lachen im Publikum.

Dabei gab und gibt es für den gerade 30-jährigen Christian Drengk durchaus ein paar Hürden - nicht nur, dass der gebürtige Weimarer anfangs mit der etwas rauhen Ruhrgebietsstadt scheinbar etwas fremdelte. Am Samstagnachmittag vor seiner Einführung spricht er bei Pommes, Spezi und Chai Latte dafür umso entspannter über seine ersten Monate in Dortmund. Ein Problem, nicht ganz überraschend, ist die Orgel, die schon seit einigen Jahren schwächelt. Sie hat vier Manuale und große Werke, „aber am Ende kann ich davon vielleicht die Hälfte nutzen.“ Seine Pläne, besondere Orgelkonzerte und Vespern zu veranstalten, bleiben bisher also erst einmal auf der Strecke - zumindest bis eines der beiden neuen Instrumente fertig ist.

„Hier ist die Stimmung ganz anders“

Jedoch, und das betont Drengk, möge er die Atmosphäre in Reinoldi besonders, „die habe ich von Anfang an unglaublich genossen. Hier ist die Stimmung ganz anders als in meiner Kirche in Freiburg. Reinoldi ist so dunkel, schon, wenn man reinkommt.“ Mit der Akustik müsse er nach und nach noch vertraut werden - der Chor, zum Glück, ist es bereits.

Überhaupt stimme „die Chemie mit dem Chor“, sagt Drengk. „Sagen wir so, wir haben Spaß bei den Proben.“ Perspektivisch hat er noch einiges vor, unter anderem die Etablierung eines kleinen Barockorchesters. Das ist nicht ganz einfach, gibt es in dieser Nische in Dortmund doch so gut wie keine Tradition. Im September soll es aber schon erstmals auftreten, zusammen mit dem Chor in Johann Sebastian Bachs 69. Kantate „Lobe den Herren“.

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