Die Dortmunder rennen in die Freibäder, Ventilatoren sind kaum noch zu kriegen. Leider erleiden aber auch mehr junge Menschen Herzinfarkte. Diese Folgen hat die Hitze in der Stadt.

Dortmund

, 08.08.2018, 10:54 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Jahr 2003 mit der Hitzewelle im August gilt als Jahrhundertsommer. So extrem ist es in diesem Jahr (noch) nicht, doch die Temperaturen ähneln sich. Dem Onlineportal Wetteronline.de zufolge gab es im Sommer 2003 in Dortmund im Juli und August bis zur gleichen Zeit (7. August) 11 Hitzetage, also Tage mit Höchstwerten über 30 Grad. Im Juli und August 2018 zeigte das Thermometer in Dortmund bereits an 13 Tagen Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Was gerade vor allem Schüler in ihren Ferien freuen dürfte, belastet die Umwelt und viele Menschen, die die Hitze nicht vertragen. Wir fassen einige Auswirkungen der Hitze in Dortmund zusammen.

Hitze-Einsätze der Feuerwehr Dortmund

Die Zahl der Rettungseinsätze der Feuerwehr Dortmund liegt ganzjährig im Schnitt bei rund 400 pro Tag. Das sei trotz der Hitze auch derzeit nicht anders, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Pisarski: „Glücklicherweise gibt es keine Erhöhung der Rettungsdiensteinsätze im Vergleich zu normalen Tagen.“

Was Brände infolge der Hitze angehe, müsse die Feuerwehr derzeit schon ab und zu ausrücken, sagt Pisarski. Wenn etwa Zigarettenkippen aus dem Zug- oder Autofenster geworfen werden und das trockene Straßengrün zu glimmen anfängt: „Das sind die Klassiker“, so Pisarski. Aber: „Im Wald haben wir Ruhe.“ Auch in Brand geratenes Stroh habe die Feuerwehr bislang in diesem Sommer nicht löschen müssen.

Gesundheit, Freibäder, Bierabsatz: Welche Auswirkungen die heißen Tage in Dortmund haben

Trockenes Gras wie hier im Westfalenpark ist durch weggeworfene Zigarettenstummel leicht entzündlich. © Oliver Schaper

Hitze-Opfer in den Dortmunder Krankenhäusern

Man führe keine Statistik zu „Hitze-Opfern“, teilt Marc Raschke, Sprecher des Klinikums Dortmund, mit. Er könne nur gefühlte Werte mitteilen: „Und demnach höre ich aus den Notaufnahmen, dass es jetzt nicht übermäßig viel war. In der Regel waren es Fälle von Dehydrierung, aber das ist in jedem Sommer zu beobachten. Auch sind natürlich gewisse Berufsgruppen, allen voran Menschen auf Baustellen beziehungsweise Dächern, besonders von der Hitzeeinwirkung betroffen.“

Auch im St.-Johannes-Hospital gebe es - wie jeden Sommer - zahlreiche Patienten, „die dehydriert sind, die also zu wenig getrunken haben“, sagt Prof. Helge Möllmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Gerade ältere Menschen vergäßen, genügend zu trinken. Die gute Nachricht sei aber, so Möllmann: „Es ist nicht dramatischer als in den Vorjahren.“

Eine andere Sache habe er „in dieser Häufung in meiner gesamten Karriere“ noch nicht erlebt, sagt Möllmann. Bei vier Patienten zwischen 25 und 40 Jahren habe man im JoHo zuletzt Herzinfarkte diagnostiziert. „Es sind junge Menschen, die massiv Sport gemacht und nichts getrunken haben“, sagt Möllmann. Durch zu wenig Flüssigkeit wird das Blut zu dick - es kann zum Herzinfarkt kommen. Ein junger Mann habe drei Stunden in der Sonne Tennis gespielt, ohne zu trinken, sagt Möllmann. Sein - keineswegs neuer - Rat: „Wer Sport macht, sollte das morgens oder abends tun - und nicht in der prallen Hitze.“ Und wenn, dann sollte man so viel trinken wie möglich.

Schädlingsbekämpfer ist im Dauereinsatz

Gehäuft, auch das erzählt Prof. Möllmann, kämen Patienten mit Wespenstichen ins Krankenhaus: „Die Wespen scheinen aggressiver zu sein als in den Vorjahren.“ Dass derzeit viele Wespen umherschwirren, dürften viele Dortmunder bestätigen, die viel im Garten und auf dem Balkon sitzen.

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Schädlingsbekämpfer haben momentan viel Arbeit mit Wespennestern. © picture alliance/dpa

Tim Krause kann die Situation der Dortmunder Schädlingsbekämpfer beruflich einschätzen. Etwa alle fünf Jahre gebe es so viele Wespen wie in diesem Jahr, sagt Krause - „ich kann mich aber kaum erinnern, dass wir mal so viele Einsätze hatten wie jetzt“. Die Hitze ist für Insekten optimal, um sich zu vermehren. Und Krause war zuletzt täglich von 8 bis 22 Uhr im Einsatz, um Wespen aus Markisen, Rollokästen und Fenstern umzusiedeln oder zu bekämpfen. Jetzt hat er erst einmal Urlaub.

Dortmunder Freibäder hoffen auf neuen Rekord

Apropos Urlaub: In Dortmund kann man den gut im Freibad verbringen. Auch für Schüler sind es Ferien mit Traumbedingungen. In die vier Freibäder der Sportwelt Dortmund - Hardenberg, Froschloch, Volkspark und Wellinghofen - kamen bis Ende Juli 258.000 Besucher, bis Mitte September sind sie noch geöffnet.

Der bisherige Rekord der Sportwelt (aus 2010) liegt bei 270.000 Besuchern. Im Jahrhundertsommer 2003, damals war die Sportwelt noch nicht für die Bäder zuständig, kamen in alle sechs Dortmunder Freibäder 300.000 Besucher. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die 300.000 Besucher in diesem Jahr erreichen werden“, sagt Sportwelt-Geschäftsführerin Claudia Heckmann. Und zwar nur mit den vier genannten Bädern.

Die 50 Mitarbeiter in den Bädern zögen toll mit, um des großen Andrangs Herr zu werden. „Ich glaube, Mitte September sind dann alle Mitarbeiter froh, wenn sie in den Winterschlaf fallen dürfen“, erzählt Heckmann lachend. Weil das gesamte Personal in den Freibädern benötigt wird, eröffnet das Hallenbad Mengede nicht - wie geplant - Mitte August wieder. Sondern, wie alle Hallenbäder, erst Ende August zum Schulstart.

Es habe bislang in den Freibädern übrigens keine größeren Unfälle gegeben, sagt Heckmann; „ein paar Schwächeanfälle und Kreislaufprobleme, na klar“. Streitereien gebe es schon mal, bei der Hitze seien manche Leute „auch mal was aggressiver“. Man habe Streitigkeiten aber meist schnell schlichten können und schnell die Polizei gerufen, so Heckmann.

Neben der Polizei ist auch das Ordnungsamt aktuell häufig in den Dortmunder Freibädern unterwegs. Die Zahl der Falschparker im Umfeld der Freibäder nehme „vehement“ zu, teilte zuletzt die Stadt mit. Gehwege, Einfahrten und Rettungswege würden zugeparkt. Die Stadt appelliert an die Bürger, die Regeln zu beachten - ansonsten gibt‘s Verwarnungen, und Autos werden abgeschleppt.

Frischer Asphalt kühlt nur langsam ab

Die Hitze beeinträchtigt teilweise auch den Straßenverkehr in Dortmund. Weil der frisch eingebaute Asphalt bei den hohen Temperaturen nicht rechtzeitig abkühlte, konnte die Semerteichstraße in Hörde am Montag (6.8.) nicht für den Verkehr freigegeben werden. Sondern erst am Freitag (10.8.).

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Dortmunds heißeste Arbeitsplätze

36 Grad zeigten die Thermometer am Dienstag in Dortmund – wat ne Hitze. Wer in klimatisierten Büros arbeiten musste, hatte gewonnen. Schlechter erging es den weniger glücklichen Arbeitern.
08.08.2018
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Rene Allenberg (25) arbeitet bei Gerüstbau Cieslik. In der Hitze müsse man viel trinken und viele kleine Pausen im Schatten machen. Abends sei er so platt, dass ihm nach dem Essen die Augen zufallen. Weil sich im Regen auch schlecht Gerüste aufbauen lassen, würde es Allenberg schon reichen, wenn es wieder ein wenig kühler würde.© Oliver Schaper
Henrich Scheiper (59) betreibt Scheipers Mühle in Brechten in fünfter Generation. In der Mühle werden unter anderem Getreideschrote und Pferdefutter hergestellt. Scheiper ist viel in der Sonne unterwegs, er behilft sich mit viel mineralhaltigem Wasser und regelmäßigen kurzen Pausen. Und er versucht, manche Arbeiten in den frühen Morgenstunden zu erledigen. Wenn es zeitlich möglich ist, geht er schwimmen. Und er träumt – vom Schneeschaufeln.© Oliver Schaper
Angelos Kyriakou (61) hat seit 34 Jahren seine Baguetterie auf der Brückstraße. Klar sei es heiß, sagt er, aber: „Hitze ist auch eine Kopfsache. Wenn ich den ganzen Tag über die Hitze klage, verändert sich auch die Wahrnehmung und mir geht es schlechter.“ Mit einem kühlen Glas Wein zum Feierabend sei dann wieder alles gut.© Oliver Schaper
Klaus Rogalla (50) arbeitet als Polier beim Bauunternehmen Rundholz. Die Temperaturen seien gerade schwer zu ertragen, sagt er. Die Hitze komme ja von oben (Sonne) und unten (Abstrahlung der Wärme). Rogalla legt sich immer wieder ein nasses Handtuch in den Nacken, um sich abzukühlen. Und er ist froh, wenn er nach Feierabend die Beine hochlegen kann. Über Regen würde er sich freuen, „es reichen aber schon Wolken – Hauptsache es kühlt sich ab.“© Oliver Schaper
Damit wäre auch Andreas Klotzbach (35) vom gleichnamigen Dachdeckerbetrieb und seinen Kollegen geholfen. „Ab 30 Grad geht das Arbeiten an die Substanz“, sagt Klotzbach. Weil es auf dem Dach so heiß ist, stellt er sich in einen Eimer, um die Füße abzukühlen.© Oliver Schaper
Auch Sabit Gevher (41) vom K. Maras Grill in Eving wird neben dem Dönerspieß mächtig warm. „Das ist schwierig zu ertragen“, sagt er. Er trinkt viel Wasser – und sehnt Regen herbei.© Oliver Schaper

Schäden, die man auf die Hitzeperiode zurückführt, hat das Dortmunder Tiefbauamt bis Ende Juli nicht festgestellt. Die Stadt, teilt Pressesprecher Maximilian Löchter mit, nutze hauptsächlich Asphalt als Straßenbelag. Straßenschäden in Form von sich aufrichtenden Betonteilen gebe es vor allem auf Autobahnen mit Fahrbahnen aus Beton, so Löchter.

Wohl dem, der einen Ventilator ergattert

Im Wunsch, sich etwas Abkühlung zu verschaffen, stürmen die Dortmunder in diesen Tagen in die Geschäfte, um Ventilatoren zu kaufen. Beim Versuch, eines der heiß begehrten Kühlgeräte zu ergattern, sei sie in einigen Geschäften ausgelacht worden, berichtete am vergangenen Samstag eine Kollegin.

In der Tat: Bei Media Markt im Indupark und bei Saturn am Westenhellweg waren große Ventilatoren am Dienstag (7.8.) ausverkauft. Saturn hat nur noch kleine Handventilatoren im Angebot - die ihren Anwender immerhin auch mit Wasserspritzern kühlen können. Conrad am Westenhellweg bekam am Dienstag noch eine kleine Rutsche Ventilatoren geliefert. Lange vorhalten dürfte das Angebot nicht.

Dortmunder Brauereien mit dem Bierabsatz zufrieden

Ebenso wie der Handel mit Ventilatoren brummt auch das Geschäft in vielen Gastronomien. Die Temperaturen und die langen Abende treiben Ausgehfreudige in die Stadt und in die Biergärten. Dass sie dort großen Durst löschen, bestätigt Uwe Helmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien. Die Bilanz des Sommers sei „durchweg positiv“, so Helmich, „die letzten acht Wochen waren einmalig“. Und auch in den verbleibenden August-Wochen sowie im September rechne man noch mit einem guten Bierabsatz.

Die Hitze sorgt für Durst, auch die Fußballweltmeisterschaft war - trotz des frühen Ausscheidens der deutschen Elf - gut für den Bierabsatz. Weil so viele volle und leere Flaschen unterwegs sind, riefen die Brauereien zuletzt dazu auf, das Leergut nicht zu horten, sondern zurückzugeben. Auch die Dortmunder Brauereien spüren, dass das Leergut knapp wird, sagt Helmich: „Wir haben das Problem aber im Griff.“

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