Gerhart-Hauptmann-Grundschule spendet für in Dortmund operiertes Mädchen aus Kabul

dzVerein „Löwenherz“

Die 6-jährige Roqaya aus Afghanistan erlebt in Dortmund grenzenlose Solidarität: Ein Verein bezahlt ihre Hüftoperation. Derzeit lebt sie bei einer Pflegefamilie. Eine ganze Schule hilft ihr.

Dortmund

, 27.11.2018, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war ein bärenstarker Auftritt für den Dortmunder Verein „Löwenherz“: Die Gerhart-Hauptmann-Grundschule spendet 800 Euro, um einem im Klinikum operierten Mädchen aus Afghanistan auf die Beine zu helfen. Es ist 9.45 Uhr, erste große Pause in der Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Schüren. Das Šchülerparlament, Schulpflegschaft und die Schulleitung versammeln sich in der Aula. Zwei Herren stehen auf und stellen sich vor:

Klaus Bullmann und Rolf-Jürgen Neumann heißen sie. Beide vom Vorstand des Dortmunder Vereins „Löwenherz“. Seit vielen Jahren schon unterstützt der Verein Kinder und Jugendliche, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind. So auch im Fall der sechsjährigen Roqaya, die Anfang September 2018 von Dr. Katrin Rosery und Dr. André Zahedi im Klinikum an der Hüfte operiert worden ist. Roqaya lag lange in einem Gipsbett und musste geduldig in einem Rollstuhl warten, bevor sie am 16. Oktober 2018 erstmals aufstehen durfte.

Zum Schulanfang zurück nach Kabul

15.000 Euro kosten Operation und Therapie in der Klinik. Weitere 5000 Euro sind fällig, wenn im Herbst 2019 aus Roqayas Hüfte die Schrauben und Platten wieder entfernt werden. Derzeit lebt das Mädchen aus Afghanistans Hauptstadt Kabul bei einer Pflegefamilie in Hörde, bevor sie im März 2019 pünktlich zum Schulanfang nach Hause fliegt. 800 Euro spendete jetzt die Gerhart-Hauptmann-Grundschule aus Schüren am Dienstag an den Verein Löwenherz, um Roqaya so gut wie möglich zu unterstützen.

Die Idee dazu hatten Lara (9) und Karlotta (8) aus der 3a. „Wir haben im Blauen Klecks in der Zeitung über Roqaya gelesen und dachten uns, dass wir da doch mal helfen können.“ Der „Blaue Klecks“ ist die Kinderseite der Ruhr Nachrichten.

Mit dieser Idee ging‘s ab zur Schulleitung und ins Schülerparlament. Dann stand fest: Alle Jungen und Mädchen der Schule suchen schöne Spielsachen aus ihren Kinderzimmern aus und verkaufen sie auf einem Flohmarkt. Die Eltern backen und verkaufen Waffeln und auch Smoothies – und zack: die 800 Euro waren zusammen.

„Sie soll so fröhlich sein wie wir“

Aber warum 800 Euro für ein unbekanntes Mädchen, das die Schule nicht einmal besucht? Warum kauft die Schule damit nicht frische Farbe für die Aula? Lara antwortet so: „Roqaya soll so fröhlich sein und spielen können wie wir – und sie soll auf dem Schulhof genauso herumhüpfen können wie wir.“ Als Lara das sagt, bekommen die Schulpflegschaftsvorsitzenden Stefan Sablowski und Margarete Neufeld eine Gänsehaut. Die Schulleiterinnen Katja Burghardt und Britta Hammer-Simons sind stolz auf diesen Satz. Karlotta fällt auch noch ein guter Grund ein: „Es ist doch schön, an andere zu denken und nicht nur an sich selbst. Wir haben es schon gut.“

Die Löwenherz-Vorsitzenden Klaus Bullmann und Rolf-Jürgen Neumann sind tief beeindruckt und ein wenig sprachlos. „Dem ist nichts hinzuzufügen“, sagen sie und freuen sich über die „Wertschätzung, was wir alles besitzen und dass es uns gut geht.“ Sie sprechen dem Schülerparlament, der Schulleitung und der Schulpflegschaft ein herzliches Dankeschön aus und erzählen, dass die 800 Euro wirklich wichtig sind. 2017 ist Roqayas Mama gestorben. Das aufgeweckte Mädchen aus Kabul stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Es soll nicht nur hüpfen, sondern auch die Schule besuchen können. Die Operationen in Dortmund sollen das möglich machen.

Die Gerhart-Hauptmann-Grundschule hatte bereits eine Flüchtlings-Unterkunft in ihrem Stadtteil unterstützt. Die Kinder konnten diese dann auch besuchen und selbst sehen, wie Geflüchtete in Deutschland vorübergehend leben.

Neven-Subotic-Stiftung

Die neunjährige Karlotta spendet auch privat. „Ich habe schon zweimal auf Geburtstagsgeschenke verzichtet und einmal 90 und einmal 300 Euro bekommen. Das Geld habe ich nicht behalten, sondern an die Neven-Subotic-Stiftung gespendet.“ Neven Subotic war BVB-Spieler. Seine Stiftung hilft in Afrika. Karlotta: „Für nur 50 Euro bekommt ein Kind in Afrika ein Jahr frisches und sauberes Wasser.“ Sie sagt das, als sei so eine Hilfe völlig selbstverständlich.

Die Operation in Dortmund ermöglichte der Verein „Kinder brauchen uns“ aus Bochum. Der Verein hat Kontakt zu Ärzten in Kabul und organisiert Transporte in deutsche Kliniken, um Kinder und Jugendliche hier operieren zu lassen. Die Operationen sind so kompliziert, dass sie in Kabul nicht möglich sind.
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