Geldtransporter-Bande nimmt sich Postzug-Raub in England als Beispiel

dz „Hollywoodreifer“ Coup

Bei ihren Trickdiebstählen in Dortmund, Werne und Gronau fühlte sich die Geldtransporter-Bande offenbar so clever wie die Täter beim Postzug-Raub in England in den 1960er-Jahren.

Dortmund, Werne

, 15.10.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über diesen Coup könnte man tatsächlich schmunzeln: Im Dezember haben zwei als Geldboten verkleidete Männer in Gronau mit einem falschen Geldtransporter 1,8 Millionen Euro erbeutet. Doch auch die Taten in Dortmund und Werne waren minutiös durchdacht und hinterließen zunächst keine Spuren.

„Das war schon fast „hollywoodreif“, sagte selbst Verteidiger Hans Reinhardt zum Prozessauftakt am Essener Landgericht. „Fast so wie im Film 'Die Gentlemen bitten zur Kasse' über den Postzugraub in England."

Auf der Anklagebank sitzen sechs Männer und eine Frau. Darunter ein Ex-Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma aus Recklinghausen. Ihm kommt im Prozess eine Schlüsselrolle zu. Ohne das Insiderwissen des 45-Jährigen sollen viele Taten gar nicht erst möglich gewesen sein. „Er hat seine Kenntnisse weitergeleitet, die es möglich machten, die Taten durchzuziehen“, sagt auch sein Verteidiger Hans Reinhardt.

Geldtransporter war geparkt und verwaist

In Dortmund sollen die Angeklagten Ende 2016 zugeschlagen haben. Damals wurde aus einem geparkten Geldtransporter mit Hilfe eines Originalschlüssels über eine halbe Million Euro erbeutet.

Geldtransporter-Bande nimmt sich Postzug-Raub in England als Beispiel

Verteidiger Hans Reinhardt neben dem angeklagten Ex-Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. © Jörn Hartwich

Zwei Geldboten hatten ihren Transporter auf der Kleppingstraße abgestellt, um einen Automaten im Stadthaus zu befüllen. Diese Situation nutzten die Täter aus. Laut Anklage hatten sie von dem 45-Jährigen einen Originalschüssel erhalten, mit dem sie den Transporter aufschlossen, die Sicherheitsschleusen entriegelten und anschließend zu Fuß mit zwei Taschen voller Bargeld flüchteten.

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In Werne war sechs Monate später ein Geldautomat der Postbank in der Alten Münsterstraße geplündert worden – ebenfalls mit einem Originalschlüssel. Die Täter kamen um kurz nach zwei Uhr in der Nacht, öffneten den Automaten und entnahmen die darin befindlichen Geldschächte. Die Beute: etwas mehr als 250.000 Euro.

Beute für ein Leben in Luxus

„Es ging immer darum, mit einer gewissen Cleverness hohe Beute zu machen“, so Verteidiger Reinhardt. Doch in der Anklage stehen auch noch andere Taten. Ein Raubüberfall auf eine Juwelierin in Mönchengladbach zum Beispiel. Oder ein Überfall auf zwei Männer, die gerade das Geld ihres Sparclubs abgehoben hatten.

Mit dem Geld sollen sich die Angeklagten ein Leben in Luxus gegönnt haben. Schmuck, Autos, Urlaube und Bordellbesuche. „Vielleicht haben sie ein bisschen überzogen“, sagte Verteidiger Andreas Kabut vor Prozessbeginn. Sein Mandant soll nicht nur der Kopf der Bande sein. Er war am Dienstag auch der einzige, der trotz Handschellen mit einem breiten Grinsen in den Gerichtsaal kam.

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