Die Halde Schleswig ist ein Naherholungsgebiet, das von Dortmunder Bürgern nicht genutzt werden darf: Oberbürgermeister Sierau ist auf der Palme – und bekommt jetzt Unterstützung.

Dortmund

, 02.10.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt 23 alte Bergbau-Halden will der Regionalverband Ruhr (RVR) für Freizeit und Erholung nutzbar machen. Zum Ärger der Stadt gehört die Halde Schleswig in Asseln nicht dazu. Das soll aber nicht das letzte Wort sein.

Mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) legt sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau gerne an. Jetzt gibt es einen weiteren Grund, der Dortmunds Stadtoberhaupt auf die Palme bringt. „Mir reicht das allmählich, wie da aneinander vorbei agiert wird“, schimpfte Sierau am Dienstag nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands.

Der Ärger gilt dem Tauziehen um die Halde Schleswig in Neuasseln, die seit zwei Jahren mit frischem Grün und angelegten Wegen als Naherholungsort und Aussichtspunkt hergerichtet ist, aber von der Öffentlichkeit nicht genutzt werden kann.

Haldenkonzept des RVR

Die Hoffnung war, dass der RVR die Regie übernimmt. Doch im Haldenkonzept des Regionalverbandes, das derzeit in den politischen Gremien des RVR beraten wird, wird die Halde Schleswig zwar als Ort für Freizeit und Naherholung mit schöner Aussicht positiv bewertet. Eine Übernahme durch den RVR sei aber nicht geplant, heißt es.

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Hintergrund ist, dass der RVR den auch als „Asselner Alm“ bekannten 45 Meter hohen Hügel, der als Bergehalde der Zeche Schleswig vor rund 100 Jahren entstanden ist, in erster Linie als Deponie betrachtet. Denn zuletzt wurden hier Bauschutt, Schlacken und andere Rückstände aus der Stahlindustrie abgekippt.

Es habe sich um eine Deponie der Klasse 1 für nicht gefährliche Stoffe gehandelt, erklärte eine Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg als zuständiger Aufsichtsbehörde.

Nachsorgepflicht für Thyssen-Krupp

2009 wurde der Betrieb auf Anordnung der Bezirksregierung eingestellt und die Halde von Eigentümer Thyssen-Krupp rekultiviert. Mit der Herrichtung und Rekultivierung der Halde wurde die Schließung 2017 von der Bezirksregierung offiziell besiegelt - verbunden mit einer Nachsorgeverpflichtung für den Eigentümer über 30 Jahre.

„Die Nachsorgepflicht ist auch mit einem Mess- und Kontrollprogramm verbunden“, erklärt Anna Carla Springob als Sprecherin der Bezirksregierung. Klar ist dabei: „Von Anfang an war die Rekultivierung auf eine Öffnung der Halde für die Öffentlichkeit ausgelegt“, sagt Springob. Anders ausgedrückt: Die Halde wurde so rekultiviert, dass eine Gefährdung für Spaziergänger aus dem Untergrund ausgeschlossen werden kann.

Bedenken nicht nachvollziehbar

Umso verwunderter ist man in Dortmund über die Bedenken, die vor allem von Seite der Grünen im RVR-Umweltausschuss geäußert wurden. Dort wurde die Übernahme der Halde/Deponie mit dem Argument abgelehnt, man wisse nicht, was dort im Boden sei.

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Diese Bedenken seien nicht nachvollziehbar, aber wohl auch nicht mehrheitsfähig, ist OB Ullrich Sierau überzeugt. Das Halden-Thema steht am 11. November auf der Tagesordnung der RVR-Verbandsversammlung.

Auch wenn die „Asselner Alm“ nicht im Paket mit den anderen Halden der RAG übernommen werde, hofft er darauf, dass der RVR den Betrieb von „Schleswig“ später gesondert übernimmt. Die RVR-Verwaltung habe zugesichert, dazu weiter Gespräche mit Eigentümer Thyssen-Krupp zu führen, erklärte Sierau.

Beim RVR gibt man sich da zurückhaltender. Man führe auf Arbeitsebene ein Gespräch mit Thyssen Krupp. Dabei gehe es aber um Freiraumentwicklung und nicht explizit um die Deponie Schleswig, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage.

Öffnung für die Öffentlichkeit

Die Idee der Stadt ist, dass der Stahlkonzern Eigentümer der Halde Schleswig und damit auch in der Nachsorgepflicht bleibt. „Die Bewirtschaftung der Oberfläche sehen wir aber als Aufgabe des RVR“, erklärt Planungsdezernent Ludger Wilde.

Dazu gehöre dann die Öffnung des 35 Hektar großen Areals für die Öffentlichkeit. In der Einschätzung, dass die Halde Schleswig ein Aussichtspunkt von regionaler Bedeutung sei, sehe man sich durch das Ergebnis des vom RVR in Auftrag gegebenen Haldengutachtens bestätigt, sagte Wilde.

Wann die Gespräche erfolgreich abgeschlossen sind und die Halde tatsächlich geöffnet werden kann, ist allerdings offen. Sierau und Wilde hoffen auf erste Vereinbarungen im nächsten Jahr und zumindest eine zeitweise Öffnung. Sierau: „Wir wollen da im nächsten Jahr Ostereier suchen.“

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