Gehamstertes Klopapier bremst Nachbarschaftshilfe in Dortmund aus

dzCoronavirus

Jochen Sklenak (64) aus Dortmund-Schönau hat alles daran gesetzt, seiner Nachbarin in Zeiten von Corona zu helfen. Doch Hamsterkäufe haben ihm die Grenzen der Nachbarschaftshilfe aufgezeigt.

Dortmund

, 25.03.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie so viele Menschen in Dortmund hält Jochen Sklenak Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise für dringend nötig. Dass das aber mit der Hilfe für nebenan nicht immer einfach ist, hat der 64-Jährige am Dienstag (24.3.) in Dortmund erfahren müssen.

Die Nachbarin ein Haus weiter ist schwer zu Fuß. Ihre Tochter und der zukünftige Schwiegersohn wohnen zwar im selben Haus, sind aber seit Tagen wegen Corona-Verdachts in Quarantäne. Am Montag waren der Nachbarin Kartoffeln und Toilettenpapier ausgegangen. Sie wohnt wie Sklenak im beschaulichen Dortmunder Vorort Schönau. Dort ist es zu Fuß relativ weit bis zum nächsten Supermarkt beziehungsweise Discounter.

Nur Kartoffeln gekriegt

Keine Frage, als Jochen Sklenak davon erfuhr, hat er seine nachbarschaftliche Hilfe angeboten. Am Montag brachte er die gewünschten Kartoffeln mit, aber Toilettenpapier war in allen Geschäften, die er aufgesucht hatte, nicht zu bekommen. Wie fast überall waren die Regale leer, wo sich in Vor-Corona-Zeiten Pakete von Klopapier gestapelt haben.

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Immer wieder bekam Jochen Sklenak den Tipp, früh morgens direkt nach Geschäftsöffnung zu kommen, um die begehrten Blätter für den Allerwertesten zu kaufen.

Da Jochen Sklenak seiner Nachbarin helfen wollte, auch selbst Klopapier-Nachschub brauchte und er – wie er sagt – „ein früher Vogel“ ist, machte es ihm nichts aus, am Dienstagmorgen schon um 7.45 Uhr vor der Tür eines Discounters in Dorstfeld zu stehen. Zu seiner Freude gab es hier „tatsächlich eine große Palette mit Toilettenpapier, abgepackt mit jeweils acht Rollen.“

Nur ein Paket pro Kunde

Freudig griff Jochen Sklenak zu, klemmte sich zwei Pakete unter den Arm und stellte sich geduldig in die Warteschlange vor der Kasse – mit drei Metern Abstand. Was dann kam – damit hatte der 64-Jährige allerdings nicht gerechnet. „Als ich bezahlen wollte, legte die Kassiererin ein Paket Toilettenpapier an die Seite und erklärte mir, dass ich keine zwei Pakete kaufen könne“, erzählt er.

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Jochen Sklenak teilte der Verkäuferin mit, dass eines der Pakete Klopapier für seine Nachbarin gedacht sei. Doch das half ihm nichts. Die Verkäuferin blieb dabei, sagt er: „Es gibt nur ein Paket pro Kunde, auch wenn ich der Nachbarschaft helfen wolle. Diese Einschränkung hätte ich den vielen Hamsterkäufern zu verdanken.“

So wird Nachbarschaftshilfe am Ende schwer gemacht. Zum Glück hatte Jochen Sklenak noch selbst vier Rollen zu Hause. So konnte er seinen drei Nachbarn – Mutter, Tochter und Schwiegersohn – das Paket mit den acht ergatterten Rollen überlassen. Die haben sich über diese selbstlose Nachbarschaftshilfe gefreut. Und Jochen Sklenak muss demnächst wieder früh los . . .

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