Gegen sexuelle Gewalt: Taffy macht Kinder löwenstark – aber Taffy braucht auch Geld

dzPräventionsprojekt

Seit vielen Jahren besucht Löwe Taffy Dortmunder Vorschulkinder und stärkt sie, Nein zu sagen. Die Handpuppe ist Teil eines Projekts zum Thema sexuelle Gewalt, das Unterstützer sucht.

Dortmund

, 02.10.2019, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Anja Bechtel und Löwe Taffy um die Ecke kommen, werden kleine Augen groß. Die Kinder lieben die plüschige Handpuppe, mit der die Theaterpädagogin seit nunmehr acht Jahren Kindergärten, Kitas und Familienzentren in Dortmund besucht. Und obwohl Taffy für immer fünf Jahre alt bleiben wird, sieht man, dass das von einer Puppenmacherin erschaffene Tierchen mit dem blonden Fell und den grünen Augen schon ordentlich durchgeknuddelt wurde.

„Taffy – Ich kann brüllen wie ein Löwe“ ist ein Präventionsprojekt gegen sexuelle Gewalt für Vorschulkinder im Alter zwischen 4,5 und 6 Jahren. Es wird vom Kinderschutz-Zentrum Dortmund, der Beratungsstelle gegen Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch von Kindern, angeboten. Das Konzept hat Anja Bechtel entwickelt.

Gute und schlechte Gefühle

Die Theaterpädagogin erklärt: „Wir gehen nicht zu den Kindern und sprechen über Sex und Gewalt. Vielmehr befassen wir und spielerisch mit den Themen eigner Körper, gute und schlechte Gefühle und eigene Grenzen.“ Außerdem geht es ums Ja- und Nein-Sagen. Dabei hilft auch ein Ampel-System. Grün heißt: Ja, ich mag das. Gelb: Ich bin mir nicht sicher. Rot: Nein, ich mag das nicht.

Spendenkonto Kinderschutz-Zentrum Dortmund

Kto. 001 054 007, BLZ 440 501 99, Sparkasse Dortmund

Ein Beispiel: „Wir fragen die Kinder, ob sie vor den anderen etwas vormachen möchten, singen oder tanzen beispielsweise. Da gibt es die einen, die stürmen sofort nach vorne, andere sind eher zurückhaltend und wollen nur zu zweit auftreten und wiederum andere wollen auf gar keinen Fall“, sagt die Frau, die dem Löwen Taffy ihre Stimme leiht. „Die Kinder lernen so, was ein Nein-Gefühl ist und dass es Menschen gibt, die ihnen helfen, wenn sie es haben.“

Kitas müssen das Projekt künftig komplett selbst finanzieren

Bisher brauchten die Einrichtungen nur die Hälfte der Kosten für das Projekt übernehmen – für die andere Hälfte hat das Dortmunder Kinderschutz-Zentrum, das in der Gutenbergstraße beheimatet ist, in der Vergangenheit Spenden eingeworben. Das wird sich ab 2020 ändern müssen. „Wir sind in einer Dilemma-Situation“, sagt Martina Niemann, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums. Die Spendeneinnahmen gehen zurück. „Wir brauchen inzwischen jeden Euro für die Finanzierung unserer therapeutischen und beraterischen Arbeit im Kinderschutz-Zentrum.“

Die Kitas werden das Projekt künftig aus eigenen Mitteln bezahlen oder sich selbst in ihren Stadtteilen um Sponsoren kümmern müssen. „Dabei unterstützen wir sie auch gerne“, versichert Martina Niemann. Die Kosten liegen bei 390 Euro pro Projektgruppe. In einer Gruppe sind maximal zehn Kinder, die insgesamt dreimal Besuch von Taffy bekommen. Einleitend gibt es zudem einen Infoabend mit Erziehern und Eltern. Allein in 2018 haben Anja Bechtel und ihre Kollegen 82 Gruppen in 50 Dortmunder Kitas durchgeführt.

Gefühle der Kinder ernst nehmen

Dazu, dass ein Kind stark wird – wie ein Löwe –, können auch Eltern zu Hause viel beitragen. Anja Bechtel: „Es hilft, die Gefühle der Kinder ernst zu nehmen und sie nicht wegzureden. ‚Doch, doch, du bist ganz müde‘ oder ‚Nein, der Zahnarzt tut gar nicht weh‘, sollte man nicht sagen.“ Kinder haben eine eigene Meinung, das sollte man akzeptieren – ohne dass die Konsequenz eine andere sein muss. Martina Niemann ergänzt: „Wenn ich will, dass mein Kind stark ist, darf ich es nicht zugrunde brüllen.“ Und Brüllen ist ohnehin den Löwen vorbehalten.

Weitere Infos unter www.kinderschutzzentrum-dortmund.de

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