Gebaut auf ehemaligen Schächten und Flözen – Häuser in Brechten werden abgerissen

dzBergschäden

Das Ende des Bergbaus hat Brechten schon lange hinter sich. Vor über 30 Jahren wurde der letzte Schacht verfüllt. Doch die Folgen wirken bis heute nach, wie sich in einem Wohngebiet zeigt.

Brechten

, 25.10.2018, 16:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie stehen standhaft da, die Häuser an der Straße „In der Esche“ im Stadtteil Brechten. Seit fast 60 Jahren gibt es diese Wohnsiedlung kurz hinter der Evinger Straße. Doch ein Teil davon, insgesamt 18 Gebäude mit 70 Wohnungen, ist dem Abriss geweiht. Das hat der Eigentümer Vivawest auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt. Schon gegenüber der Bezirksvertretung Eving hatte Vivawest im September diese Info gegeben. Der Grund für den Abriss hat mit dem Bergbau zu tun. Denn die Gebäude stehen schief und auf unsicherem Untergrund.

Vivawest-Sprecher Uwe Schäfer sagt: „Ein Gutachten zur geo- und bergbautechnischen Bewertung hat Gebäudeschiefstellungen im Senkungstrog zwischen 40 Zentimeter und 101 Zentimeter ermittelt.“ Das bedeutet, dass die Häuser sich dort befinden, wo einst die Schächte und Flöze verliefen und in sich nicht mehr stabil sind.

Sanierung hilft nicht mehr

„Mit baulichen Maßnahmen können derartige Schiefstellungen nicht kompensiert werden“, sagt Vivawest-Sprecher Uwe Schäfer. Deshalb habe sich das Unternehmen zum Abriss und einem kompletten Neubau an selber Stelle entschieden.

Die 18 betroffenen Häuser wurden 1962 gebaut. Aktuell sind laut Vivawest 32 der 70 Wohnungen vermietet. Die Mieterstruktur sei „heterogen¨ und reiche von  Ein-Personen-Haushalten, jungen Paaren über Familien mit Kindern bis hin zu Rentnern und Senioren.

Bis Anfang 2020, so die aktuelle Planung des Wohnungsunternehmens, soll der Abriss beginnen. Die gegenwärtigen Mieter erfuhren im April von den Plänen. Seitdem läuft die Suche nach Ersatzwohnungen. Vivawest unterstütze sie dabei, teilt Uwe Schäfer mit. Zwei der 32 verbliebenen Kunden hätten bereits eine neue Wohnung gefunden.

„Unsere Mieter zeigen überwiegend Verständnis für die geplanten Maßnahmen, auch wenn diese für den einen oder anderen zu unvermeidbaren Unannehmlichkeiten führen werden“, sagt Schäfer.  Mieter könnten sich bei Interesse für die Neubausiedlungen vormerken lassen. Wie genau die neuen Wohnungen aussehen werden und was sie kosten werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Der lärmende Schacht 6

Solche Geländeabsenkungen sind an vielen Stellen im Ruhrgebiet ein Problem, etwa in Gelsenkirchen, Bottrop oder Essen. Der Bereich um die ehemalige Zeche Minister Stein in Eving gehört laut Bergbauexperten ebenfalls zu den besonders stark von Senkungen betroffenen Gebieten.

In Brechten lag der Wetterschacht 6, der 1938 in Betrieb ging und ab 1950 zur Zeche Minister Stein gehörte. An den Förderturm von Schacht 6 erinnert heute nur noch ein mit Kies bedecktes Rondell zwischen Wohnhäusern an der Straße Schiffhorst.

Schacht 6 war ein Wetterschacht, der die Luftversorgung der Bergleute unter Tage sicherte. Dies geschah mittels einer riesigen Turbine, die minütlich 12.000 Kubikmeter verbrauchte Luft und Gase abpumpte, damit durch den Unterdruck an anderer Stelle Frischluft in das Bergwerk strömen konnte.

Dies sorgte für großen Lärm – erst später wurde ein gewaltiger Trichter auf die Anlage gebaut, damit der Geräuschpegel sank und die feuchten Wetter, sprich Gase, in größerer Höhe herausströmten. Es gibt trotz verschiedener Vorstöße bis heute nichts, was an diesen Teil der Brechtener Ortsgeschichte erinnert. Ehemalige Brechtener Bergleute kritisieren diesen Umgang mit der Historie.

Bergschäden an Wohnhäusern sind Alltag

Eine Historie, die in der Gegenwart immer wieder spürbar wird. Bergschäden an Wohnhäusern gehören in Eving und Brechten seit vielen Jahren zum Alltag. „Nördlich von Minister Stein trifft es fast alle Häuser“, sagte Alfred S. Becker von der Interessengemeinschaft bergbaubeeinträchtigter Haus- und Grundeigentümer (IBHG), die betroffene Hauseigentümer unterstützt, vor einigen Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung.

Entschädigungsansprüche von Privatleuten können gegenüber den Nachfolgern der Bergbauunterunternehmen geltend gemacht werden. Durch den Steinkohle-Abbau in Teufen von circa 400 bis 1300 Metern bleiben Hohlräume, teilweise auch Unstetigkeiten zurück. Das Gebirge unter der Erdoberfläche bleibt in Bewegung. Das macht sich über Tage bemerkbar, also an Häuser oder auch an Entwässerungsleitungen. Diese Phänomene gehören zu den Ewigkeitsschäden des Bergbaus. 

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