Für 6 Euro kann jeder Dortmunder die Adresse eines anderen erfragen - ganz ohne Grund

dzMelderegisterauskunft

An manchen Schulen sind sogar Einschulungsfotos aus Datenschutzgründen verboten. Doch kaum jemand weiß, dass jedermann ganz einfach die Adresse jedes Dortmunder Bürgers erfragen kann.

Dortmund

, 25.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wird an den Dortmunder Stammtischen noch deutlich stärker über den Datenschutz diskutiert. Doch kaum jemand weiß, dass die Stadtverwaltung jedem Bürger die Anschrift eines anderen ganz einfach mitteilt. Fragen und Antworten rund um so genannte Melderegisterauskünfte.

? Ist es richtig, dass jeder Bürger ohne Grund die Adresse eines anderen bei der Stadtverwaltung erfragen kann?

„Gemäß Paragraf 44 des Bundesmeldegesetzes ist eine einfache Melderegisterauskunft anlasslos durch jede Person möglich“, bestätigt Stadtsprecher Maximilian Löchter. Die einfache Auskunft umfasst Namen und Anschriften, einen möglichen Doktorgrad und die Info, ob die Person noch lebt oder verstorben ist.

Etwa für die Einladung zu einem Klassentreffen könnte so eine Anfrage genutzt werden. Erweiterte Auskünfte zu weiteren Infos werden gegeben, „wenn ein berechtigtes oder rechtliches Interesse glaubhaft gemacht wird.“ Löchter betont dabei, dass die Verwaltung nicht leichtfertig mit persönlichen Daten umgehe.

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? In welcher Form muss ein Antrag gestellt werden?

Die einfache Auskunft kann persönlich oder schriftlich bei der Meldebehörde beantragt werden. Ein Grund muss nicht angegeben werden. Online kostet ein Antrag 6 Euro, für die einfache Auskunft sonst 11 und für die erweiterte 15 Euro.

Die Person, die die Auskunft verlangt, muss versichern, die Daten nicht für Werbezwecke oder Adresshandel zu missbrauchen. Für eine Anfrage muss man Vor- und Nachnamen sowie entweder das Geburtsdatum oder eine bisherige Anschrift des Gesuchten kennen.

? Gibt die Stadtverwaltung auch Infos raus, wenn Ex-Dortmunder weggezogen sind?

„Eine Auskunft wird erteilt, wenn die Identität eindeutig festgestellt wird“, so Löchter. Sollte jemand verzogen sein, wird die erste Anschrift mitgeteilt, die nach dem Wegzug bekannt ist. Weiter forscht die Verwaltung nicht nach.

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? Wie viele Anfragen fallen monatlich etwa an?

Monatlich werden etwa 6.300 Auskünfte erteilt, sagt Löchter. Im Wesentlichen kommen die Anfragen von Inkasso-Unternehmen, Rechtsanwälten und ähnlichen Stellen.

? Können Bürger gegen diese Herausgabe ihrer Daten Einspruch einlegen?

Die Stadtverwaltung betont: Sogenannte Auskunftssperren sind nur einem ganz kleinen Personenkreis möglich. In der Regel haben Anträge auf die Einrichtung einer solchen Sperre keine Aussicht auf Erfolg.

„Voraussetzung ist, dass durch eine Auskunft eine objektive Gefahr für Leben, Gesundheit, persönliche Freiheit oder ähnliche schutzwürdige Interessen erwachsen kann“, teilt Löchter mit. Die Tatsachen sind von der antragstellenden Person glaubhaft zu machen. Aktuell sind für etwa 1000 der rund 600.000 Dortmunder Auskunftssperren eingerichtet.

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