Tränen, Beschimpfungen, blöde Sprüche: Job im Supermarkt wird zum Stresstest

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Supermärkte gehören zu den wenigen Geschäften, die derzeit noch ihre Türen öffnen. Angestellte sehen sich immer wieder Beleidigungen und Ärger ausgesetzt.

Dortmund

, 25.03.2020, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmunder Supermärkten spielen sich derzeit Szenen ab, die in dieser Form wohl nur die wenigstens Menschen schon einmal erlebt haben: Leere Regale, Abstandsmarkierungen auf dem Boden und Angestellte hinter Plexiglasscheiben. Die Beschäftigten in Lebensmittelmärkten sind derzeit enorm gefordert. Und: Sie werden immer wieder zur Zielscheibe frustrierter Kunden.

So geht es auch der Verkäuferin eines Supermarktes aus dem Dortmunder Süden, die nicht namentlich genannt werden möchte. Was sie im Alltag erlebe, sei teilweise unvorstellbar: „Ich habe schon mitbekommen, dass sich Menschen über Kollegen lustig gemacht haben und fragten, ob wir denn jetzt alle schon infiziert wären?“

Beschimpfungen keine Einzelfälle

Solche Sprüche seien in den vergangenen Tagen keine Einzelfälle. Auch die Rationierung und die teilweise leeren Regale sorgen für Beschimpfungen, so die Verkäuferin. „Mir wurde auch schon vorgeworfen, dass ich wohl keinen Bock hätte, meinen Job zu machen.“

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Eine ihrer Kolleginnen sei sogar derart beleidigt worden, dass sie die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Man könne sich als Verkäuferin ja einiges gefallen lassen, „aber irgendwo ist auch einmal eine Grenze erreicht“, appelliert die leitende Angestellte.

„Erhalten nur einen Bruchteil der Bestellung“

Dabei hingen die zeitweise leeren Regale keineswegs mit einer fehlenden Arbeitsmoral zusammen, sondern viele von Supermärkten georderte Bestellungen würden nur zum Teil auch ankommen. „Ohne konkrete Zahlen zu haben, würde ich schätzen, dass lediglich ein Drittel der Bestellungen tatsächlich bei uns im Laden landet“, so die Verkäuferin.

Diese Diskrepanz sei schon sehr drastisch. „Teilweise räumen wir vor der Ladenöffnung mehrere Stunden die Regale ein. Weil wir allerdings nur einen Bruchteil der eigentlichen Bestellung erhalten, sehen die Reihen dennoch leer aus.“

Besondere Maßnahmen für Lieferketten

Diesen Eindruck will man bei den großen Supermarkt- und Drogerieketten indes nicht bestätigen. „Die Versorgungssicherheit unserer Märkte ist insgesamt gewährleistet“, unterstreicht beispielsweise Aldi-Sprecher Christian Salmen. Zwar könne es aufgrund der aktuellen Situation zu Verzögerungen in der Warenanlieferung kommen, allerdings habe man deshalb die Lieferfrequenz und Liefermenge bereits erhöht.

Gleiches gilt laut Pressesprecherin Svenja Terveer auch für die Edeka-Filialen. „Die Nachfrage in einigen Sortimentsbereichen ist deutlich gestiegen. Daher kommt es zu Lücken in den Regalen, aber die können wir in der Regel wieder auffüllen.“

Kundenverhalten beginnt sich zu verändern

Die stark gestiegene Nachfrage bei Artikeln wie Reinigungsmitteln und Toilettenpapier verzeichnet auch der Drogeriemarkt dm, erklärt Geschäftsführer Christoph Werner. Doch auch hier habe man Veränderungen in der Lieferkette ergriffen, um die Märkte schnellstmöglich zu versorgen. Anhaltende Versorgungsprobleme? Allerorts Fehlanzeige.

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Unterdessen beobachte man mittlerweile zaghafte Veränderungen im Verhalten der Kunden gegenüber den Supermarktangestellten, erzählt die Verkäuferin aus dem Dortmunder Süden. Zwar gebe es immer noch Menschen, die kein Verständnis für die aktuelle Situation in den Supermärkten haben, „aber so langsam scheinen zumindest die meisten zu verstehen, dass wir auch nur unseren Job machen und weder etwas für die leeren Regale können noch gerne hinter Plexiglasscheiben arbeiten.“ In der jetzigen Situation seien solche Maßnahmen aber unumgänglich.

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