Mitten in der Krise: Wizz Air bietet 18 neue Urlaubs-Ziele ab Dortmund an

dzDortmunder Flughafen

Flughafen-Chef Udo Mager spricht von einer „Sternstunde“: Mitten in der Corona-Krise dreht Wizz Air auf und nimmt 18 neue Ziele in sein Programm. Und das ist nicht alles.

Dortmund

, 18.06.2020, 16:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Einen Tag wie heute haben wir am Flughafen noch nicht erlebt“, sagte ein überglücklicher Airport-Geschäftsführer Udo Mager am Donnerstag (18.6.) im Beisein von Józséf Váradi. Der Wizz Air-Chef hatte gerade verkündet, dass seine Airline ihr Engagement ab August um 18 weitere Verbindungen ausbaut.

Damit wird die ungarische Billig-Airline ihre ohnehin unangefochtene Position als Platzhirsch an Dortmunds Flughafen weiter zementieren. Künftig steuert Wizz Air von Dortmund aus 48 Ziele in 24 Ländern an. Schon 2019 sind fast 1,9 Millionen der insgesamt 2,7 Millionen Passagiere in die pinkfarbenen Wizz-Air-Maschinen gestiegen. Abhängig von der Belebung des Flugverkehrs, sollen die neuen Strecken pro Jahr eine weitere Million Passagiere hinzubringen.

Für den Rest des Corona-Jahres 2020 rechnet man erst einmal mit einem Plus von 250.000 Fluggästen. Sollte sich die Lage normalisieren, will der Airport die Drei-Millionen-Grenze hinter sich lassen und bei 3,5 bis 3,7 Millionen Fluggästen landen.

Der Flughafen wird zur Basis

Dazu sollen auch die drei Maschinen des Typs Airbus (A)320 beitragen, die Wizz Air ab August in Dortmund stationiert. Was Gudido Miletic, Marketing-Chef am Flughafen, besonders beeindruckt: "Die Entscheidung von Wizz Air, in Dortmund eine Basis zu errichten, ist innerhalb von zwei Wochen gefallen."

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16 Jahre ist es her, als die damals blutjunge Wizz Air im Juli 2004 die erste Maschine in Dortmund startete - der Flug führte nach Kattowitz. Seitdem ist Wizz Air kontinuierlich zur größten Airline am Platz aufgestiegen und hat mehr als 15 Millionen Passagiere befördert. Die Eröffnung einer Basis bringt dem Airport nun zusätzliche Einnahmen. Und der Region durch die Rekrutierung der Crews vor Ort rund 100 neue Arbeitsplätze.

„Dortmund ist eine Erfolgsgeschichte für Wizz Air“, unterstrich Airline-Chef Váradi. Bislang gilt Wizz Air als Spezialist für Ost- und Mitteleuropa. Mit den 18 neuen Destinationen nimmt die Preisbrecher-Airline auch Urlaubsziele auf den Radar, die bislang am Flughafen vermisst wurden. Bis spätestens 9. August werden folgende Verbindungen aufgenommen:

  • Neapel, Catania, Bari, Alghero (Italien)
  • Athen, Korfu, Iraklion, Theassaloniki, Santorini, Rhodos (Griechenland)
  • Fuerteventura (Spanien)
  • Reykjavik (Island)
  • Lissabon (Portugal)
  • Saporischschja (Ukraine)
  • Marrakesch (Marokko)
  • Suceava (Rumänien)
  • Split (Kroatien)
  • Podogorica (Montenegro)

Selbst in der Corona-Krise, welche die Luftfahrt schwer gezeichnet hat, gibt sich Wizz Air selbstbewusst. Die Airline will schneller aus der Krise kommen als ihre Konkurrenten. Für die gesamte Branche werde die Erholung zwei bis drei Jahre dauern, schätzt Wizz Air-Chef Váradi. „Für uns etwa nur ein Jahr.“

Ein wesentlicher Vorteil sei die niedrige Kostenstruktur des Billigfliegers. Zudem sei Wizz Air mit genügend Kapital ausgestattet. „Unsere Liquidität reicht für zwei Jahre“, betonte Váradi. Die Airline geht mit Kampfpreisen an den Start. Die billigsten Basisangebote auf den neuen Strecken betragen 24,99 Euro (pro Flug), die teuersten 29,99 Euro.

Zur Not fliegt der A320 weiter

Mit dem Expansionskurs geht auch die kontinuierliche Erneuerung der Flotte einher: Wizz Air setzt auf effizientere Flugzeuge und möchte bald den Airbus (A)321neo in Dortmund landen lassen. Voraussetzung: Die Flieger müssen die Landebahn über volle 2000 Meter nutzen können – bislang bleiben ihnen lediglich 1700 Meter. Weshalb der Airport bei der Münsteraner Bezirksregierung beantragt hat, den Landepunkt um 300 Meter in Richtung Unna zu verlegen.

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Bis eine Genehmigung vorliegt, wird es erst einmal dauern. Was aber, wenn die ausbleibt und Münster den Daumen senkt? Antwort von Airline-Chef Váradi: „Dann werden wir in Dortmund weiter den A320 einsetzen.“

Mindestens ebenso wichtig für Wizz Air sind die seit August 2018 verlängerten Betriebszeiten. Sie ermöglichen den stationierten Maschinen drei Umläufe am Tag. Ob die aktuellen Betriebszeiten Bestand haben, muss sich noch zeigen: Vor dem Münsteraner Oberverwaltungsgericht sind weitere Klagen anhängig.

Für den Airport fühlt sich die massive Kapazitätsausweitung wie ein Geschenk des Himmels an. Seit dem Lockdown am 18. März war der Flugverkehr fast zum Erliegen gekommen. Wie andere Flughäfen musste auch der Dortmunder Airport mehr als 250 Beschäftigte zu Kurzarbeit verdonnern. Der finanzielle Schaden dürfte zwischen 15 und 20 Millionen Euro liegen.

Airport will 50 Millionen investieren

Inzwischen hat der Airport laut Mager „das Tal der Tränen durchschritten“. Spätestens im Juli sollen etliche Maschinen in die Luft steigen. „Es herrscht wieder Aufbruchstimmung“, stellte Mager fest. Mit dem Engagement von Wizz Air werde der Flughafen „neue Stärken entwickeln.“ Vom Dortmunder Airport gehe eine Wertschöpfung von rund 500 Millionen Euro für die Region aus, zitierte Mager eine neue Studie des Verkehrswissenschaftlichen Instituts der Uni Münster.

Eines machte der Flughafen-Chef aber auch deutlich: Mit einer Verlegung des Landepunktes ist es nicht getan: „Wir werden uns mit der gesamten Infrastruktur beschäftigen müssen“, kündigte Mager an. Dafür bedürfe es eines 50 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms, das zunächst bis 2024 vorgesehen war, nun aber möglicherweise gestreckt wird. Mager selbst wird die weitere Entwicklung aus der Distanz verfolgen: Er geht im Verlauf des Jahres in den vorzeitigen Ruhestand.

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