Feuerwehr versenkt Kleinwagen im Kanal - und holt ihn danach selbst wieder raus

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Feuerwehrtaucher ist bei den aktuellen Temperaturen vielleicht einer der coolsten Jobs der Stadt. Wir waren mit der Kamera bei einer Übung.

Dortmund

, 01.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Während der Ansturm auf die Freibäder kaum abreißt und Dortmund vor Hitze vergeht, hat Marius Nottenkämper (28) einen der coolsten Jobs der Stadt: Er ist Feuerwehrmann und steht vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Feuerwehrtaucher. An diesem Montagvormittag ist er mit einigen Kollegen am Kanal im Einsatz: Ein Auto soll aus dem Wasser geborgen werden.

Im Kanal versenkt hat es die Feuerwehr selbst. Die Bergung des Kleinwagens aus dem Kanal ist Teil der Ausbildung einiger neuer Feuerwehrtaucher. Für solche technischen Hilfeleistungen werden die Dortmunder Feuerwehrtaucher in der ganzen Region angefordert.

Feuerwehr versenkt Kleinwagen im Kanal - und holt ihn danach selbst wieder raus

Marius Nottenkämper noch nass aber immerhin ohne Maske. © Bastian Pietsch

Auch wenn es von der Wasserkante aus nicht danach aussieht: „Die Sicht ist hier verhältnismäßig gut. Drei bis vier Meter kann man schon sehen. Vergangene Woche waren wir an der Ruhr, da ging es nicht mal bis hier“, erzählt Nottenkämper und hält die flache Hand kurz vor das Gesicht.

Fünf Finger: Alles okay

Wie man unter solchen Bedingungen sicher und effizient technische Arbeiten durchführt, weiß Andreas Ribbing ganz genau: Er ist einer der Ausbilder bei der Übung. Bei der Übung am Montag werden zwei Luftkissen an dem Auto befestigt und aufgeblasen. So gelangt das Fahrzeug wieder an die Oberfläche.

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Feuerwehrtaucher am Kanal

An der Feuerwache 2 in Eving sind die Dortmunder Feuerwehrtaucher beheimatet. Die Spezialisten sind für Unterwassereinsätze in der ganzen Region gefragt. Wir waren bei einer Übung dabei.
01.07.2019
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Für die Übung war ein großes Team vor Ort.© Bastian Pietsch
Ein speziell präpariertes Auto wurde per Kran im Kanal platziert.© Feuerwehr Dortmund
Die Ausbildung findet an einem Teil des Kanals statt, der von einem Industriegelände aus zu erreichen ist.© Bastian Pietsch
Rot-weiße Flaggen markieren mit einigem Abstand die Tauchstelle. So werden Schiffe gewarnt.© Bastian Pietsch
Je nach Temperatur können Feuerwehrtaucher in einem Nass- oder einem Trockenanzug ins Wasser steigen.© Bastian Pietsch
Zusätzlich zu der schweren Tauchausrüstung nutzen Feuerwehrtaucher Blei, um bis auf den Grund abzusinken.© Bastian Pietsch
Die Gesichtsmaske ist für Feuerwehrtaucher vorgeschrieben und hilft auch, den angeborenen Schutzreflex zu unterdrücken, der einsetzt, wenn Wasser in die Nase gelangt.© Bastian Pietsch
Über eine Leiter steigen die Feuerwehrtaucher in den Kanal ab.© Bastian Pietsch
Eigentlich ist bei der Feuerwehr Stehtauchen die Regel – mit den Füßen auf dem Grund. So lassen sich Arbeiten sicherer erledigen. Schwimmende Feuerwehrtaucher sind besonderen Situationen vorbehalten.© Bastian Pietsch
Zwar ist das Wasser im Kanal zumindest einigermaßen klar, allerdings ragen lange Wasserpflanzen vom Grund bis kurz vor die Wasseroberfläche.© Bastian Pietsch
Über eine Leine halten die Taucher Kontakt mit einem Signalmann an Land.© Bastian Pietsch
Die Feuerwehrtaucher der Wache 2 sind auch um Dortmund herum im Einsatz. Taucher-Einsätze sind zwar relativ selten, jedoch hat nicht jede Feuerwehr eigene Spezialisten.© Bastian Pietsch
Mit Luftkissen wird das Auto an die Wasseroberfläche gehoben. Zwei Kissen sind im Einsatz – mit jeweils rund einer Tonne Auftrieb.© Bastian Pietsch
Um das Auto dann endgültig aus dem Kanal zu hieven, setzt die Feuerwehr wieder einen Kran ein. Das wäre auch im Ernstfall nötig.© Feuerwehr Dortmund
Das Auto ist natürlich vor der Übung von allen Betriebsstoffen gereinigt worden. Der Motor wurde komplett entfernt und durch ein Gewicht ersetzt.© Feuerwehr Dortmund
Zwei Unterwasser-Autos hat die Feuerwehr Dortmund. Beide waren bereits mehrfach "im Einsatz".© Feuerwehr Dortmund

„Heute ist auch das unwegsame Gelände ein Thema“, erklärt Ribbing die Schwierigkeiten der Übung. Hier am Kanal wachsen viele Pflanzen und Algen. Darin können sich zum Beispiel die Leinen verfangen.“ Normalerweise käme auch die Gefahr durch den Schiffsverkehr hinzu. Wegen der aktuell gesperrten Schleuse müssen sich die Taucher zumindest darum keine Sorgen machen.

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Die Leinen nutzen die Taucher zur Kommunikation (neben einem sogenannten Unterwasser-Telefon). Zu jedem Taucher gehört ein Signalmann an Land, der über die Leine mit dem Taucher verbunden ist. Durch Ziehen an der Leine, können die Feuerwehrleute einfache Informationen austauschen. „Fünfmal ziehen bedeutet zum Beispiel ‚Alles Okay‘. Unterwasser zeigt man den Kollegen dafür fünf Finger“, demonstriert Marius Nottenkämper.

Feuer und Wasser

Auch bei einem echten Einsatz, taucht ein Feuerwehrmann nicht allein. Zusätzlich zu seinem Signalmann ist auch immer ein zweiter Taucher da, der im Notfall eingreifen kann. Zusammen mit dem Einsatzleiter besteht ein typisches Team also aus vier Spezialisten. Auch die Ausrüstung der Taucher ist durch doppelte Systeme für den Notfall vorbereitet.

„Wenn wir gerade keinen Tauchereinsatz haben, sind wir ganz normalen Löschzügen zugeteilt“, erklärt Andreas Ribbing. Er kennt beide Elemente hautnah: Feuer und Wasser. Welches von beiden gefährlicher ist? „Beide Elemente sind dann gefährlich, wenn man sich nicht an die Regeln hält.“

Feuerwehr versenkt Kleinwagen im Kanal - und holt ihn danach selbst wieder raus

Andreas Ribbing ist seit 20 Jahren Feuerwehrtaucher und einer der Ausbilder bei der Übung. © Bastian Pietsch

Bei der Übung geht es nur um die Bergung eines Fahrzeuges. Es kommt allerdings auch vor, dass Menschen gerettet werden müssen. Die Chancen für Erfolg sind jedoch gering. Selbst wenn die Taucher unmittelbar aufbrechen, vergeht wertvolle Zeit, bis Hilfe im Wasser ist – oft zu spät.

„Neue Herausforderung“

Hilfe für das Übungs-Auto kommt in diesem Fall per Kran. Er hievt das Fahrzeug mit Gurten aus dem Wasser und verstaut es in einem Container. Es wird auch bei einer der kommenden Übungen „im Einsatz“ sein.

Warum Marius Nottenkämper Feuerwehrtaucher wird? „Mal wieder eine neue Herausforderung“, sagt er. „Und bei 26 Grad Wassertemperatur ist das heute ein bisschen auch eine willkommene Abkühlung.“

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