Festnahme in Unterhose: Serientäter vor Gericht

dzLandgericht Hagen

Nach einer Überfallserie in Dortmund und Umgebung steht ein 24-jähriger Mann vor Gericht. Die Opfer hatten vor allem eins: Angst.

Dortmund/Hagen

, 11.11.2019, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Serie macht sprachlos: Innerhalb von vier Wochen hat ein 24-jähriger Mann sieben (!) Tankstellen überfallen – auch in Dortmund. Seit Montag steht er in Hagen vor Gericht. Was ihn erwartet? Viele Jahre Haft – für eine vergleichsweise mickrige Beute.

Der erste Überfall passierte Mitte Januar 2019 in Gevelsberg. Dann ging es Schlag auf Schlag. In Dortmund war der 24-Jährige am 12. Februar. Um kurz vor 21 Uhr tauchte er in der SB-Tankstelle an der Borussiastraße auf, bedrohte die Kassiererin mit einer Schreckschusspistole. Die Frau war so verängstigt, dass sie laut Anklage nicht mal mehr in der Lage war, die Kasse zu öffnen. Der Angeklagte begnügte sich am Ende mit ein paar Schachteln Zigaretten.

Schreckschusspistole, Hammer, Schlagring

Bei anderen Überfällen waren Messer im Spiel, manchmal war es auch ein Hammer oder ein Schlagring. Erkannt wurde der 24-Jährige nie. Er war maskiert, hat die Tatwaffen nach eigenen Angaben meist sofort entsorgt. Eines der Messer will er auf der Autobahn zum Beispiel einfach aus dem Fenster geworfen haben.

Insgesamt soll sich seine Beute auf etwas mehr als 2000 Euro belaufen haben. Teilweise wurde allerdings auch geteilt. Mal gab es einen Mittäter, mal war noch ein Fluchtwagen-Fahrer im Hintergrund.

„Das stimmt alles so“, sagte der 24-Jährige zum Prozessauftakt. „Ich brauchte das Geld für Drogen.“ Alkohol, Kokain, Amphetamine und Marihuana: Der Angeklagte will immer nur an die nächste Ration gedacht haben. „Er war wie in einem Tunnel“, sagte sein Verteidiger Andreas Trode am Rande des Prozesses. Und weil das alles so gut klappte, habe er immer weiter gemacht. Die Folgen für die Opfer seien gar nicht registriert worden.

Vom SEK nachts aus dem Bett geholt

Die Festnahme kam schließlich völlig überraschend. Es war mitten in der Nacht, als ein Sondereinsatz-Kommando der Polizei die Wohnung des 24-Jährigen stürmte. Später stand er in Unterhose und mit Handschellen auf der Straße. „Das war natürlich ein Schock“, so Trode. „Er hat geschlafen, die Polizei hat ihn aus dem Bett geholt.“

Insgesamt vier Personen waren damals festgenommen worden. Zwei durften später wieder nach Hause gehen. Sie hatten Alibis, waren zu Unrecht beschuldigt worden.

Nur einer der mutmaßlichen Mittäter steht ebenfalls vor Gericht. Er soll aber nur bei zwei Taten dabei gewesen sein. Der 37-Jährige befindet sich im Gegensatz zum jüngeren Haupttäter auch nicht in Untersuchungshaft.

Die Anklage lautet auf räuberische Erpressung. Mit den Urteilen ist voraussichtlich Mitte Dezember zu rechnen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Prozess am Landgericht
Schuss mit Kalaschnikow am Ostentor: Angeklagter erzählt kuriose Geschichte