Das Fußballmuseum bekommt Millionen aus dem städtischen Haushalt, um Verluste auszugleichen. Unser Autor meint: die einzig richtige Entscheidung. Dennoch muss sich etwas ändern.

Dortmund

, 09.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass das Deutsche Fußballmuseum eine zumindest mittelfristig gesicherte finanzielle Zukunft hat, ist eine gute Sache für Dortmund. Wenn rund 200.000 Menschen ein positives Erlebnis aus Dortmund mitnehmen und es im besten Falle auch über die Katharinentreppe hinaus schaffen, dann hilft das der Stadt.

Man stelle sich vor, die Lokalpolitik hätte nein gesagt zu einem Verlustausgleich. Und am Eingangstor zur Stadt würden die Flutlichter irgendwann ausgeschaltet. Wir würden über einen der prominentesten Leerstände der Stadtgeschichte reden (und irgendwann dann vielleicht über den größten Backshop Deutschlands).

Es ist etwas schief gelaufen im Umgang mit dem Fußballmuseum

Das wären Schlagzeilen, die viele lesen würden - aber niemand haben möchte. Sie wären auch nicht im Sinne derjenigen, die gerade mit Recht beklagen, dass hier in den vergangenen Jahren etwas schief gelaufen ist im Umgang mit dem Deutschen Fußballmuseum.

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Das Problem steckt schon im Grundkonstrukt, in dem die Stadt das Verlustrisiko mit offenem Ende trägt, der DFB aber nichts über 250.000 Euro hinaus zahlen muss.

Letztlich wollte eine deutliche Mehrheit das Museum am Dortmunder Hauptbahnhof haben und hat dem Gesellschaftervertrag zugestimmt. Was jetzt passiert, ist nur die Konsequenz daraus.

Die Informationspolitik ist unzureichend - das muss sich ändern

Allerdings paart sich das mit einer völlig unzureichenden Informationspolitik. Das macht es ärgerlich. Die steigenden Verluste kamen nur Stück für Stück und auf Nachfrage zum Vorschein. In Dortmund nichts Neues.

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Zum Teil sind die Probleme der komplizierten Zusammenarbeit mit dem DFB geschuldet. Der größte Sportverband der Welt hatte zuletzt viele andere Sorgen als ein Museum in Dortmund. Aber er muss seine Verantwortung ernst nehmen.

Viele „Leuchttürme“ in Dortmund waren schon teurer als geplant

Dass ein Projekt in dieser Größenordnung mehr Geld kostet als geplant, sollte eigentlich keinen Dortmunder überraschen. Ob U-Turm oder Phoenix-See: Viele „Leuchttürme“ in dieser Stadt sind anfangs in dem guten, manchmal naiven, Glauben gebaut worden, dass die erste Kalkulation schon stimmen werde.

Sie stimmte selten. Dass Dortmund daraus nicht lernt - nun ja, das ist offenbar Teil des Spiels. Wer die Strahlkraft einer Stadt erhöhen möchte, muss dafür Mehrkosten in Kauf nehmen. Mit dem Problem ist Dortmund nicht allein.

Die Stadt unterstützt einen funktionierenden Betrieb

Das Deutsche Fußballmuseum kostet die Stadt Dortmund bis 2021 rund 2,5 Millionen an Verlustausgleich. Was zu der absurden Situation führt, dass ein Betrieb, der nach eigenen Angaben ein positives Betriebsergebnis hat, durch die öffentliche Hand unterstützt wird.

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Das kann man akzeptieren, so lange daraus Konsequenzen folgen. Die wirtschaftlichen Abläufe des Fußballmuseums müssen so transparent wie möglich sein.

Bei allem Verständnis für vertragsrechtliche Regelungen: Es ist dabei nicht, wie jetzt geplant, mit einer vierteljährlichen Beratung im nicht-öffentlichen Teil von Ausschüssen getan. Wo Geld aus einem öffentlichen Haushalt fließt, gibt es ein Recht auf Information.

Ein Kuratorium ist ein Zeichen für den Willen zur Besserung

Der Aufbau eines Kuratoriums, über dessen Besetzung jetzt Gespräche anstehen, ist ein Zeichen des guten Willens. Das jetzt durch Taten zu untermauern ist.

Ein von der Stadt unterstütztes Museum muss noch deutlicher einem öffentlichen Auftrag gerecht werden. So wie alle anderen kulturellen Einrichtungen auch.

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Die Museumsmacher stoßen schon jetzt immer wieder gesellschafts- und sportpolitsche Themen an. Denkbar wäre aber noch vieles mehr, das mit der Stadt zu tun hat, in der das Museum steht.

Etwa eine noch engere Vernetzung mit der lokalen Sportszene und noch mehr Veranstaltungen mit Dortmunder Bezug oder Möglichkeiten für lokale Vereine, die Räume zu nutzen.

Vielleicht ist die Krise des vergangenen halben Jahres Anlass für neue Impulse.

Museum so behandeln wie andere Kultureinrichtungen

Die Idee, den Gesellschaftervertrag zu überarbeiten, ist nach jetzigem Stand jedenfalls wieder vom Tisch. Die jüngsten Äußerungen des neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller zum Museum im Oktober 2019 lassen wenig Bereitschaft dazu erkennen, dass der DFB etwas an dem Konstrukt ändern möchte.

„Wir haben der Stadt ein Haus geschenkt, jetzt müssen dafür aber auch die Strom- und Betriebskosten getragen werden“, hatte Keller mitgeteilt. Zudem forderte er, das Fußballmuseum wie alle anderen Kultureinrichtungen zu behandeln, deren strukturelle Defizite vorab durch kommunale Zuschüsse ausgeglichen würden.

Die Gespräche zwischen Stadt und DFB kurz vor Weihnachten seien sehr konstruktiv gewesen, teilte Stadtkämmerer und Kulturdezernent Jörg Stüdemann zuletzt im Finanzausschuss mit.

Was die Frage aufwirft: Was war eigentlich vorher das Problem daran, offen und rechtzeitig über etwaige Lücken im Etat zu reden und für Verständnis zu werben?

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