„Es ist eine Schande“: Israelischer Botschafter reagiert auf Demo der Dorstfelder Neonazis

dzJeremy Issacharoff

Nach der Neonazi-Demo in der Nordstadt am Montag zeigt sich Jeremy Issacharoff, der israelische Botschafter, bestürzt. Er findet klare Worte gegen die antisemitischen Parolen der Nazis.

Dortmund

, 02.10.2019, 22:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang dieser Woche, am 30. September und 1. Oktober, feierten Juden weltweit Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest. Gleichzeitig demonstrierten am Montag Dortmunder Neonazis in der Nordstadt.

Es war eine von zahlreichen Demos, die die Mitglieder der Partei Die Rechte in den vergangenen Wochen abhielten und soll die erste von weiteren zwölf Stück sein. Die Neonazis wollen nach Polizeiangaben bis Weihnachten jeden Montag auf die Straße gehen.

Dortmunder Verwandte waren Opfer des Nationalsozialismus

Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, findet dazu klare Worte: „Es ist eine Schande“, sagt er. Auf Twitter schrieb er am Mittwoch auf Englisch: „Es ist eine Schande, Neonazis offen auf Dortmunds Straßen zu sehen, während wir das jüdische Neujahr feiern.“

Issacharoff hat selbst familiäre Verbindungen nach Dortmund: „Die Ur-Großeltern meiner Frau waren aus Dortmund und wurden von den Nazis ermordet.“

Mit Blick auf den Holocaust ist für ihn eine Sache ganz klar: „Where there is no remorse there can be no forgiveness!“, schreibt er. Wo es keine Reue gibt, dort kann es auch kein Vergeben geben.

Antisemitische Parolen bei Demo am Montag

Issacharoff, der seit 2017 israelischer Botschafter in Deutschland ist, reagiert damit auf den Tweet eines anderen Accounts, der in hebräischer Sprache auf einen antisemitischen Spruch, den die Neonazis am Montag skandierten, hinweist. „Palästina hilf uns doch, Israel gibt es immer noch“, riefen die Demonstranten.

Der hebräischsprachige Account bezieht sich wiederum auf ein Video der Infozentrale NRW, ein Account von Journalisten aus NRW, der über Proteste und Demonstrationen berichtet. Das Video zeigt die Neonazis am Montagabend, wie sie den antisemitischen Spruch skandieren.

Großmutter starb in Dortmund

In einem Interview mit der Bild-Zeitung berichtete Issacharoffs Frau, Laura Kam, 2017 vom Schicksal ihrer Familie. Ihre Mutter und Großmutter kommen aus Dortmund. Noch als Kind zog ihre Mutter nach Belgien um, zusammen mit ihrem Vater, einem Fußballspieler. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie versteckt, deswegen überlebte sie den Holocaust. Doch Kams Großmutter starb im Ghetto in Dortmund, wie Kam berichtet. Ihr Großvater wurde in Auschwitz ermordet, ihr Ur-Großvater kam in Theresienstadt um.

Im Interview auf ihren Umzug nach Deutschland angesprochen, sagte sie: „Wenn ich ein Mahnmal oder einen Stolperstein sehe oder mit Menschen ins Gespräch komme, kriecht die Erinnerung doch immer wieder hoch.“

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