Es ist die Pest! Die Pest!

dzGlosse: Unter uns Dortmundern

Die Pest ist zurück in Dortmund. Doch statt als Schwarzer Tod präsentiert sie sich in einer grünen Variante. Das Grauen kommt aus der Tiefe des Hafenbeckens.

Dortmund

, 19.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wir stellen uns das Mittelalter als dunkles Zeitalter vor. Ein paar Hütten, dunkle Gestalten - alles sieht in unseren Gedanken so aus wie in einem dieser Hollywood-Filme, in denen Gestalten mit langen Schnabelmasken Gebete murmelnd durch verwinkelte, dunkle Gassen umherwandeln.

Es ist die Pest! Die Pest!

So ähnlich sahen die Pestmasken im Mittelalter aus. © picture alliance / Johannes Stei

Dortmund war aber schon damals eigentlich eine moderne Stadt, die Menschen aus der ganzen Welt anzog. Tremonia, wie es damals hieß, war Teil der Hanse, dem Handelsverbund, der bis Russland reichte. Im ganzen Ostseeraum waren Dortmunder unterwegs und umgekehrt. Auch nach Westen orientierten sich die Dortmunder, hatten Kontakte nach London oder Brügge.

Dortmund, die Weltstadt. Bedroht wurde diese Weltläufigkeit erst, als 1350 der Schwarze Tod über Handelswege nach Dortmund kam. Während die Pest aber andernorts verheerend wirkte und ganze Landstriche verödeten, kam Dortmund noch einmal davon. Zwar gab es Tote, doch die Krankheit grassierte nicht. Dortmund konnte weiter wachsen.

Keine Schiffe kommen mehr an

Jetzt ist die Pest zurück - wenn auch nicht als für den Menschen tödliche Krankheit. Die Ironie dabei: Sie konnte sich dieses Mal ausbreiten, weil ein wichtiger Dortmunder Handelsweg zuletzt nicht mehr befahrbar war: Weil die Schleuse in Henrichenburg bis zuletzt nicht funktionierte, wie sie sollte, konnten keine Schiffe mehr über den Kanal den Dortmunder Hafen erreichen. Hinzu kamen die hohen Temperaturen. Beste Bedingungen für die Wasserpest, eine Wasserpflanze, die nun in den zehn Hafenbecken um sich greift.

Es ist die Pest! Die Pest!

Die Wasserpest im Dortmunder Hafen. © Stephan Schuetze

Die Wasserpest rafft zwar keine Menschen dahin, lästig ist sie aber trotzdem. Sie gehört zu den sogenannten Neophyten, also Arten, die eingeschleppt sind und nun die heimische Flora und Fauna übernehmen, ja sogar Vorteile haben, weil es ihnen an Feinden mangelt. Im Falle der Wasserpest bedeutet dies, dass andere Wasserpflanzen zurück gedrängt werden.

Pestbekämpfung mit Mähboot

Wie man im Mittelalter in Dortmund der tödlichen Pest zuleibe rückte, entzieht sich der Kenntnis des Autors. Vermutlich hat man die Kranken von den Gesunden isoliert - wie andernorts auch. Der Wasserpest rückt man im Dortmunder Hafen nun mit einem sogenannten Mähboot zuleibe - einer Art Aufsitzrasenmäher fürs Wasser. Es dümpelt nun in den Becken vor sich hin und zerhäkselt die lästigen Wasserpflanzen. Eine Schnabelmaske trug dieser Bekämpfer der Pest aber nicht.

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