Malvin Boer und sein Team von B&W-Haarliebhaber haben die ersten Kunden am Morgen in einem neu gestalteten Salon bedient. © privat
Friseure wieder offen

„Es hat sich angefühlt wie vor dem ersten Date“

Der 1. März - seit Wochen fiebern Dortmunds Friseure auf diesen Tag hin. Genau wie ihre Kunden. Etwas Entscheidendes lief zum Ende des zweiten Lockdowns anders als bei der ersten Wiedereröffnung.

„Deswegen bin ich Friseur geworden“, erzählt Frank Kulig und lacht, während er eine Haarsträhne durch die Finger gleiten lässt und die Schere ansetzt. Der Kontakt zu seinen Kunden habe ihm sehr gefehlt. Den wertschätzt er an diesem Tag besonders. „Ein Herzenstag“, beschreibt er den Montag (1.3.).

Lockdown Nummer zwei kam plötzlich für Dortmunds Friseure

Seit dem 16. Dezember hat Kulig in seinem Laden keinen Kunden mehr bedient. Der zweite Lockdown kam für die Dortmunder Friseure plötzlich. Statt zwei Wochen blieben für das Weihnachtsgeschäft nur zwei Tage. Innerhalb dieser bekamen viele Kunden noch schnell einen neuen Haarschnitt, bevor die Türen zu den Dortmunder Salons wieder verschlossen wurden. Bis jetzt.

Malvin Boer und sein Team von B&W- Haarliebhaber in der Dortmunder Innenstadt verlegten den Salon im Dezember kurzerhand nach draußen und schnitten bis in den späten Abend. Das würde Boer so nicht noch einmal machen. „Ich hatte im Januar noch Knochenschmerzen“, sagt der Dortmunder Friseur und lacht.

Gute Stimmung in Dortmunds Friseursalons

In seinem und auch im Salon von Frank Kulig ist die Stimmung heute wie erwartet gut. „Die positive Resonanz der Kunden freut uns sehr“, erzählt Kulig, und auch Boer berichtet von „happy“ Kunden, die trotz Terminchaos sehr verständnisvoll seien.

„Es war echt nötig“, sagt Thomas Siebert, Kunde im Friseursalon von Kulig. Sein Sohn Béla sitzt auf dem Frisierstuhl daneben und bekommt einen Haarschnitt. Seinen allerersten hat er auch hier bekommen. „Es ist schön, wieder hier zu sein“, meint Siebert. Dem schließt sich auch Kunde Tim Rädesch an: „Es ist sehr schön, ich bin wirklich dankbar“. „Die Menschen haben mir gefehlt“, berichtet Sabrina Wolf, Mitarbeiterin bei Kulig. Es sei toll, wieder hier zu stehen.

Dortmunds Friseure haben die Pause produktiv genutzt

Boer führt den Friseursalon in der Dortmunder Innenstadt zusammen mit seiner Frau. Die letzten zehn Wochen haben sie genutzt, um umzubauen und den Laden „corona-konformer“ zu gestalten. Mehr Fläche und mehr Abstand zwischen den Plätzen.

Seitdem klar ist, dass der Friseurbesuch ab dem 1. März wieder möglich ist, kam dazu noch die Terminabsprache. „Wir telefonieren seit zwei Wochen non stop“, erzählt Boer. Die Organisation sei bei dieser Wiederöffnung aber wesentlich angenehmer. Dem stimmt auch Kulig zu. „Das letzte Mal konnte man nicht planen“, meint er, „dieses Mal war es kalkulierbar“. Auch weil die politischen Aussagen eingehalten worden seien.

Gemeinsames Frühstück läutet Neuanfang ein

„Es war schön, meine Mitarbeiter heute mal wieder zu sehen“, meint Kulig. „Mit denen verbringe ich sonst mehr Zeit als mit meiner Frau“, lacht er. Der Teil der Arbeit hat auch Boer in den letzten Wochen gefehlt. Daher wurde in seinem Salon am Montagmorgen schon zusammen gefrühstückt.

„Mit Rührei und so“, berichtet er. Das habe ihm gut getan. „Sonntagabend hatte ich echt Angst aufzumachen, da fiel heute morgen echt viel von mir ab“, erzählt der Friseur, „das hat sich angefühlt wie vor dem ersten Date“. Nur, dass seine Frau neben ihm gesessen habe und ähnlich fühlte.

Diese Aufregung hat auch Kulig gespürt. Seine Frau habe ihn gefragt, ob er sich freut. „Wie soll ich mich auf etwas freuen, wovon ich noch gar nicht weiß, wie es wird“, sagt Kulig. Bei beiden ist diese Aufregung nun verflogen. „Heute Abend werde ich mit einem schönen Glas Rotwein auf mich selber anstoßen“, sagt er am Nachmittag. Boer ist froh, einfach wieder zu arbeiten. „Einen Alltag ohne Arbeit möchte ich mir nicht mehr vorstellen“, meint er, „Arbeiten tut wirklich gut“.

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