Erfolge und Niederlagen im Kampf gegen Rechts - Hartmut Anders-Hoepgen nimmt Abschied

dzEinsatz gegen Rechtsextremismus

Zwölf Jahre war Hartmut Anders-Hoepgen Beauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Jetzt gibt der 75-Jährige das Amt auf und blickt auf Erfolge und Misserfolge im Kampf gegen Rechts.

Dortmund

, 14.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Freud und Leid liegen eng beeiander bei einem Amt wie dem des städtischen Beauftragten für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Hartmut Anders-Hoepgen, der Ende Februar aus dem Ehrenamt als Beauftragter ausscheidet, kann zwar zufrieden auf zwölf Jahre Amtszeit zurückblicken. Es gibt aber auch viele unliebsame Erinnerungen.

Dazu gehört ohne Zweifel der Wahlabend des 25. Mai 2014. Nachdem feststand, dass ein Vertreter der Partei Die Rechte in den Rat einzieht, zogen Neonazis vors Rathaus, wo es zu Auseinandersetzungen mit Teilnehmer der städtischen Wahlparty kam. Die Polizei kam mit Verspätung, Dortmund geriet wieder einmal in die Schlagzeilen als vermeintliche Hochburg der Rechten.

Die Auseinandersetzungen mit Neonazis am Wahlabend im Mai 2014 vor dem Rathaus fiel in die Zeit von Hartmut Anders-Hoepgen als Beauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

Die Auseinandersetzungen mit Neonazis am Wahlabend im Mai 2014 vor dem Rathaus fiel in die Zeit von Hartmut Anders-Hoepgen als Beauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. © Dieter Menne (A)

Dabei sei Dortmund eine Hochburg bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus, erklärt Oberbürgermeister Ullrich Sierau immer wieder. Ein Beitrag dazu ist die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie im Rathaus, die von Sieraus Amtsvorgänger Dr. Gerhard Langemeyer 2007 eingerichtet worden war. Damals gab es immer wieder große Demonstrationen mit Rechten aus ganz Europa in Dortmund.

Hartmut Anders-Hoepgen hört als Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auf.

Hartmut Anders-Hoepgen hört als Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auf. © Tilman Abegg

Hartmut Anders-Hoepgen stand als Superintendent der Vereinigten Evangelischen Kirchenkreise wenige Tage vor seiner Pensionierung, als Langemeyer ihn bat, ehrenamtlicher Sonderbeauftragter der „Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ zu werden.

Aktionsplan gegen Rechts

Anders-Hoepgen fiel die Entscheidung nicht schwer. In seiner Zeit als Beauftragter wurde der Einsatz gegen Rechts auf neue Füße gestellt, es entstand eine Vielzahl an Runden Tischen und Arbeitskreisen. 2011 verabschiedete der Rat der Staft einen Aktionsplan gegen Rechts. Die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Ebenfalls seit 2011 existiert die Beratungsstelle „Back up“ für Opfer von rechtsextremer und rassistischer Gewalt, finanziert von Stadt und Land. Hartmut Anders-Hoepgen ist Vorsitzender des Trägervereins und will das auch weiter bleiben. Wer ihn hört, spürt schnell, dass der Einsatz gegen Rechtsextremismus für ihn nicht an Ämter und Funktionen gebunden, sondern eine Herzenssache ist.

Sorge um Rechtspopulismus

„Was wir dringend brauchen, ist ein Demokratie-Fördergesetz“, mahnt Anders-Hoepgen. Dass der Landtag den Entwurf dafür ablehnte, wurmt ihn bis heute.

Die Aufgabe, der er seinem Nachfolger hinterlässt, ist nicht kleiner geworden, stellt Anders-Hoepgen selbst fest. Es gilt nun auch gegen den wachsenden Rechtsextremismus zu arbeiten. Die Aufgabe des Sonderbeauftragten übernimmt zum 1. März der frühere DSW/DEW-Arbeitsdirektor Manfred Kossack.

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