Immobilienmesse: Veranstalter macht Standort Dortmund für fehlenden Erfolg verantwortlich

dzWestfalenhallen

Nach drei Auftritten in der Westfalenhalle zieht sich die Deutsche Immobilienmesse aus Dortmund zurück. Einer ihrer Veranstalter überzieht Dortmund mit Kritik – und erntet Kopfschütteln.

Dortmund

, 14.11.2018, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Internetbrief des Bundesverbandes für die Immobilienwirtschaft (BVFI) lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Nach langen Diskussionen“ hätten sich die Veranstalter der Deutschen Immobilienmesse (DIM) entschieden, den Standort Dortmund zu verlassen, heißt es darin. Als einen der Gründe führt der 12.000 Mitglieder starke Verband „die verkehrstechnische Situation“ ins Feld.

Er bemängelt „insbesondere Dortmunds schlechte Anbindung an Flughäfen und ICE-Knotenpunkte.“ Ein weiterer Grund seien die „andauernden Bauarbeiten“ gewesen. Konsequenz: Die nächste Messe, die bereits für den 4. und 5. Juni 2019 in der Halle terminiert war, fällt aus.

"Man merkt, dass die Halle alt ist"

Auf Anfrage der Redaktion erneuerte der Frankfurter BVFI-Geschäftsführer Jürgen Engelberth die Kritik. Zahlreiche Messebesucher hätten sich über die Verkehrsverbindungen, die Parksituation und die teilweise „schlechten Zuwege zur Halle“ beklagt. Er erkenne zwar an, dass gerade ein neues Foyer gebaut werde „Innen merkt man aber doch, dass die Halle schon alt ist. Mit Frankfurt beispielsweise kann Dortmund nicht mithalten.“

Ärgerlich sei auch, dass die Messe in stets unterschiedlichen Hallen untergebracht worden sei – und man sich zuletzt im Juni 2018 in „einem eher unattraktiven Bereich von Halle 8“ wiedergefunden habe.

Dabei habe sich der BVFI zum Ziel gesetzt, die Deutsche Immobilienmesse zur Leitmesse für die mittelständische Immobilienwirtschaft zu machen. Engelberth: „Wir brauchen mehr Publikum, wir wollen wachsen.“ In Dortmund sei das nicht möglich. Als neuer Standort seien nun Köln oder Frankfurt im Gespräch. Nach Angaben von Engelberth hatte die DIM zuletzt rund 100 Aussteller und „2500 bis 3000 Besucher.“ Sie ist eine reine Fachmesse für die Immobilienbranche und fand 2016, 2017 und 2018 statt.

Berater widersprechen: Konzept passt nicht

Eine direkte Reaktion wollte man sich bei der Westfalenhalle ersparen. Stattdessen verwies Sprecher Andreas Weber auf eine schriftliche Erklärung der bbg Betriebsberatung GmbH in Bayreuth. Sie war Mitveranstalter der Deutschen Immobilienmesse. Ihrer Stellungnahme sei nichts mehr hinzuzufügen, lässt Andreas Weber wissen.

Tatsächlich liest sich die Erklärung der Bayreuther völlig anders als die ihres Partners aus der Immobilienszene: Die Gründe für den mangelnden Erfolg der Deutschen Immobilienmesse lägen weder im Messestandort Dortmund noch in der Infrastruktur. Sie lägen schlicht und einfach in der Konzeption. „Mit dem vorliegenden Messekonzept ist es nicht möglich gewesen, die Zielgruppe zu erreichen“, stellt bbg fest. Die Zusammenarbeit mit dem BVFI habe sich „leider nicht so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben“, so die Berater.

Die Konsequenzen sind schon gezogen: Die beiden Partner sind keine mehr – eigenen Angaben zufolge hat bbg die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Immobilienwirtschaft im Juni 2018 gekündigt. "Ja, das Joint-Venture ist beendet", bestätigt Engelberth vom BVFI.

IHK lobt die Verkehrsanbindungen

Kopfschütteln lösen die Anwürfe des Immobilienverbandes auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) aus. „Das ist in keiner Weise nachzuvollziehen“, wundert sich IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber. Im Gegenteil: Gerade wegen der aus seiner Sicht guten Verkehrsanbindungen hatte Schreiber vor Kurzem sogar angeregt, die ungleich größere Immobilienmesse Expo Real (mit 2100 Ausstellern) von München ins Ruhrgebiet zu holen. „Kein Ballungsraum in Deutschland verfügt über ähnlich gute Anbindungen wie das Ruhrgebiet“, sagt Schreiber. Das gelte auch für den Luft- und den Schienenverkehr.

Wirtschaftsförderer verteidigt den Standort

In eine ähnliche Kerbe schlägt Matthias Rothermund, Chef bei Dortmund-Tourismus. „Wir liegen zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Dortmund und haben den drittgrößten ICE-Knotenpunkt Deutschlands.“ Auch die Kritik an der Parkplatzsituation an der Halle wundere ihn sehr. „Wir haben dort schon ganz andere Veranstaltungsformate gestemmt. Selbst dann, wenn nebenan Borussia gespielt hat.“

Auch Wirtschaftsförderer Thomas Westphal macht sich seine Gedanken: Die Standortqualität sei nicht ausschlaggebend für den mangelnden Erfolg der Immobilienmesse. „Offenkundig war das Format noch nicht ausgereift und ausreichend marktfähig.“

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