Eltern kritisieren Kita-Portal der Stadt Dortmund: Platzverteilung „absolut undurchsichtig“

dzKindergartenplatz in Dortmund

Das Kita-Portal der Stadt Dortmund soll die Vergabe von Kindergartenplätzen vereinfachen. Rund ein Jahr nach der Einführung bereitet das Online-Portal aber Probleme.

Dortmund

, 06.03.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit mittlerweile neun Jahren betreut Britta Reiss in ihrer „Wurzelwerkstatt“ Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Dass die Suche nach einem Kindergartenplatz für Eltern häufig zum Problem wird, ist für die Tagesmutter nicht ungewöhnlich. Das Kita-Portal der Stadt Dortmund sollte eigentlich Abhilfe schaffen. Dabei gibt es laut Reiss allerdings immer wieder Schwierigkeiten.

„Von den fünf Kindern, die ich betreue, sind drei in einem Alter, in dem sie eigentlich ab Sommer in einen regulären Kindergarten kommen sollten. Aber lediglich eines der Kinder hat schon eine feste Zusage. Die Zukunft der anderen beiden ist noch ungewiss“, erklärt die 50-Jährige.

Alle Einrichtungen sind im Kita-Portal registriert

Eine solche Situation ist in Dortmund kein Einzelfall. An dieser Stelle kommt das Kita-Portal ins Spiel: Das vor knapp einem Jahr eingeführte System der Stadt soll Eltern die Suche nach einem freien Kindergartenplatz erleichtern.

Alle Betreuungseinrichtungen sind in diesem Portal registriert. Eltern können ihren Nachwuchs bei bis zu sechs Kindertagesstätten anmelden und sparen sich somit - soweit die Theorie - den persönlichen Besuch vor Ort.

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„Alle Kita-Träger in Dortmund beteiligen sich an dem Portal und die Platzvergabe erfolgt ausschließlich über die durch das Portal bereitgestellten Daten“, unterstreicht Stadtsprecherin Katrin Pinetzki. Die Eltern müssen sich dementsprechend nicht noch auf anderem Wege anmelden.

Johannes Klais hat allerdings andere Erfahrungen gemacht. Der Vater einer dreijährigen Tochter hat sich über einen langen Zeitraum um einen Betreuungsplatz bemüht. Erst am Mittwoch (4. März) habe er letztlich eine Zusage bekommen.

„Man sollte aber auch persönlich vorstellig werden“

„Ohne eine Menge Glück und Hartnäckigkeit hätte das wohl nicht funktioniert. Ich habe Verständnis dafür, dass es schwierig ist, ein solches Portal zu etablieren, aber aktuell habe ich das Gefühl, dass man dennoch persönlich bei den Kitas vorstellig werden sollte.“

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Ähnliche Erfahrungen schildert auch Marie Bache, die aktuell auf der Suche nach einem Kindergartenplatz für ihren Sohn ist: „Für uns war absolut undurchsichtig, auf welcher Grundlage die Verteilung der Plätze erfolgt. Die Anmeldungen wurden teilweise in Papierform, teilweise über das Kita-Portal entgegengenommen.“

In der derzeitigen Praxis führe das Kita-Portal dazu, dass Eltern häufig dennoch den normalen Anmeldeweg über das Jugendamt gehen, sagt Britta Reiss: „Die Eltern wollen so einfach auf Nummer sicher gehen. Grundsätzlich kann das System schon eine große Hilfe sein, allerdings scheint es in dieser Form noch nicht ganz ausgereift.“

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Unterdessen betont die Stadt Dortmund, dass man mit dem Kita-Portal bislang positive Erfahrungen gemacht habe. „Das Portal wird von den Eltern gut angenommen“, sagt Pressesprecherin Anke Widow, dennoch seien im Arbeitsprozess noch Verbesserungen notwendig.

Dabei gehe es beispielsweise darum, dass Eltern bei einmal vorgenommenen Eintragungen im Kita-Portal selbst Änderungen durchführen können. „Das ist derzeit noch nicht möglich“, erklärt Katrin Pinetzki.

Mehr als 9000 Eltern haben sich bereits registriert

In Dortmund gibt es mit Stand Dezember 2019 insgesamt 20102 Plätze in Kindertageseinrichtungen. Seit Einführung des Kita-Portals im April des vergangenen Jahres haben auf der Online-Plattform 9111 Eltern einen Account eingerichtet.

Da die Platzvergabe erstmalig für das Kindergartenjahr 2020/21 über das Portal stattfindet, könne man allerdings derzeit noch keine Auskunft darüber geben, wie viele Plätze über das Portal vermittelt worden seien.

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