Meterlange Kassenbons für Mini-Einkäufe – Wer benutzt am meisten Thermopapier?

dzEinzelhandel

Die meisten Kassenbons sind auf Thermopapier gedruckt. Dessen Umweltfreundlichkeit ist umstritten. Viele Geschäfte drucken dennoch selbst bei Kleinst-Käufen lange Bons. Wir haben Testkäufe gemacht.

von Johannes Bauer

Dortmund

, 05.02.2020, 04:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Meterlange Bons für Kleinst-Einkäufe - im Einzelhandel sieht man sich oft damit konfrontiert. Wir haben getestet, wie viel Papier in der City ansässige Händler verbrauchen. Die Unterschiede sind gewaltig.

Für den Test haben wir Produkte in zehn Geschäften gekauft: In den Drogerien Rossmann, DM und Müller, bei Karstadt und Kaufhof, bei den Bekleidungsgeschäften Primark und C&A sowie bei den Elektrohändlern Saturn und Conrad und bei der Buchhandlung Thalia.

Dabei haben wir einen Spontaneinkauf simuliert, bei dem nur ein Produkt im Warenkorb landet - sei es eine Packung Kaugummi an der Kaufhauskasse oder eine Packung Taschentücher in der Drogerie. Pro Geschäft haben wir je einen Artikel mit Karte bezahlt und einen bar.

Ergebnis: Für gerade einmal zwanzig Produkte bekamen wir Quittungen mit einer Gesamtlänge von über fünf Metern - um genau zu sein 526 Zentimeter Thermopapier verwendeten die Händler, um die gekauften Artikel aufzulisten. Und auch, eigene Rabattaktionen zu bewerben.

Drogerieketten reicht wenig Papier

Die Händler gehen dabei ganz unterschiedlich vor. Minimalistisch halten es die drei Drogerieketten, Thalia und Primark. Produktname, Preis und Kaufdatum - viel mehr ist bei ihnen auf dem Bon nicht zu finden, wenn der Kunde bar zahlt.

Am wenigsten Thermopapier verwendet DM: 13,5 Zentimeter misst die Quittung, bei den anderen vier genannten sind es immer noch deutlich unter 20 Zentimetern.

Fast ein halber Meter Papier für ein Produkt

Geht man für einen Spontankauf zum Elektrogroßhändler Saturn oder einer Filiale von Karstadt-Kaufhof, trägt man danach hingegen deutlich mehr Papier mit sich herum.

Verbrauchen die drei Kaufhäuser bereits bei Bareinkäufen deutlich mehr Thermopapier als die Konkurrenz, wird es bei Kartenzahlung schon fast absurd. Spitzenreiter in der Hinsicht: Karstadt. 47 Zentimeter ist die Quittung lang, die uns der Kauf einer einzelnen Packung Geschenkpapier einbringt.

Meterlange Kassenbons für Mini-Einkäufe – Wer benutzt am meisten Thermopapier?

Karstadt-Kaufhof und Saturn verbrauchen am meisten Papier. Ebenfalls ein Faktor: Bar- oder Kartenzahlung. © Johannes Bauer

Auf dem Bon findet jede Menge Werbung Platz: Karstadt und Kaufhof versprechen 15 Prozent Rabatt beim nächsten Einkauf - auf Bettwäsche und Frottierwaren von „vielen tollen Marken“. Haken: Der nächste Einkauf muss noch am selben Tag stattfinden. Ob die zehn Zentimeter Thermopapier allein für diesen Gutschein wirklich hätten sein müssen?

Diese Frage muss sich auch der Technik-Großhändler Saturn stellen lassen, der auf ähnlicher Fläche auf eine hauseigene Rabattkarte hinweist.

Umweltbelastung durch Thermopapier

Über dieses Vorgehen kann Thomas Quittek vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nur den Kopf schütteln: „Wenn wir es ernst meinen mit der Müllvermeidung, müssen wir uns schon überlegen: Was ist sinnvoll? Das nämlich sicher nicht.“

Thermopapier schneidet in Sachen Umweltbelastung schlecht ab. Schuld daran ist die chemische Verbindung Bisphenol S (BPS), die in der Regel die Beschichtung der Kassenbons bildet, deren Einsatz in der Schweiz zum Beispiel schon verboten ist. „Wenn man das einatmet, ist das nicht gerade gesundheitsförderlich“, weiß Quittek.

Diese Bons können ins Altpapier

Auf Nachfrage geben Sprecher von Rossmann und DM an, auf diesen Inhaltsstoff zu verzichten: So können deren Kassenbons in der Altpapiertonne entsorgt werden, was bei gewöhnlichem Thermopapier nicht möglich ist.

Von den beiden Unternehmen mit den längsten Quittungen in unserem Test, Karstadt-Kaufhof und Saturn, bekamen wir bis Redaktionsschluss keine Antwort auf unsere Nachfrage zum Thema.

BUND-Sprecher Quittek zweifelt derweil gleich am Konzept der Papierquittungen an sich: „Wir leben in einer digitalen Welt: Kassenbons sind überhaupt nicht mehr zeitgemäß.“

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