Erster Tag mit Maskenpflicht zeigt unerwartete Nebeneffekte

dzCoronavirus

Einkaufen und Bahnfahren ist seit Montag in Dortmund nur noch mit Schutzmaske möglich. Eindrücke vom ersten Tag in einer Innenstadt ohne Nasen und Münder.

Dortmund

, 27.04.2020, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Maskenpflicht verändert auch die Geräuschkulisse in einer Stadt. Gäbe es einen gigantischen Dezibelmesser, er würde am Montag, dem ersten Tag, an dem die landesweite Maskenpflicht gilt, wohl ständig nach oben und nach unten ausschlagen.

Private Gespräche, Wortfetzen und Stimmgewirr werden durch die Schutzmasken zu einem gedämpften Hintergrundrauschen, das kaum noch zu verstehen ist - das sind die Ausschläge nach unten.

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Die Ausschläge nach oben kommen von den Kassen und Eingängen der Geschäfte in Dortmund. Wenn die Kunden versuchen, trotz Mundschutz und zwei Metern Abstand, ein paar Brötchen zu bestellen oder den Verkäufern im frisch wieder geöffneten Saturn-Markt zu beschreiben versuchen, was das Problem mit ihrem neuen Handy ist - und sich dabei unfreiwillig anschreien.

Fast alle Dortmunder halten sich an die Pflicht

Seit Montag ist die Maske Pflicht - zumindest beim Einkaufen und in Bus und Bahn. Und auch in Arztpraxen und beim Kontakt mit Handwerkern und Dienstleistern müssen Mund und Nase bedeckt sein.

Am Montagmittag scheinen sich in der Innenstadt die allermeisten Menschen an die neue Regel zu halten - auch wenn sie das Shoppen nicht unbedingt einfacher macht, wie eine Kundin einer Drogerie erlebt. Lange schleicht sie um das Parfümregal herum, bis sie schließlich verstohlen ihre Maske abnimmt, um an einem einparfürmierten Papierstreifen zu schnüffeln. Doch Verstöße wie diese scheinen die Ausnahme zu sein - obgleich viele Menschen mit dem ungewohnten Schutz vor Mund und Nase hadern.

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Denn auch sie prägen am Montag das Bild in der Innenstadt: Menschen, die aus den Geschäften treten und sich - erleichtert nach Luft schnappend - die Masken wieder vom Gesicht reißen. Eine Möglichkeit, die die Mitarbeiter in den Geschäften nicht haben. „Ich muss ständig Pause machen, um mal richtig Luft zu holen“, berichtet eine Verkäuferin in einer Bäckerei.

Ein Problem, das es nicht nur in der Innenstadt gibt. Auch Christian Burda, Marktleiter im Rewe Homberg auf dem Höchsten, berichtet, dass seine Kollegen und er regelmäßig im Pausenraum verschnaufen müssen. Damit, dass die Kunden die Maskenpflicht einhalten, gebe es kaum Probleme. Doch für das Team ist sie eine Herausforderung: „Acht Stunden am Stück durch die Maske zu atmen, ist nicht möglich“, sagt er.

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So war der erste Tag der Maskenpflicht in Dortmund

Ob am Hauptbahnhof oder auf dem Westenhellweg, am Montag war die Dortmunder Innenstadt von Menschen geprägt, die Masken vor Mund und Nase trugen. Wir haben uns umgeschaut.
27.04.2020
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Seit dem 27. April herrscht in NRW "Maskenpflicht" – Davon ist auch der Dortmunder Hauptbahnhof betroffen.© Oliver Schaper
Denn laut Verordnung dürfen nur Menschen, die Mundschutz tragen, Bahn fahren. Wer keine trägt, muss sich am Eingang des Bahnhofs erklären.© Oliver Schaper
Auch die City ist von Masken-Trägern geprägt.© Oliver Schaper
Denn das Tragen eines Mundschutz gilt auch für Geschäfte.© Oliver Schaper
Auf dem Westenhellweg muss man allerdings keine Maske tragen. Viele nutzen die Zeit draußen, zwischen den Shopping-Stationen, für eine Verschnaufpause ohne Stoff vor Mund und Nase.© Oliver Schaper
Ein umfunktionierter Schal ist auch als Mundschutz zulässig.© Oliver Schaper
Kinder bis zum 7. Lebensalter müssen keine Maske tragen. Man sieht am Montag dennoch viele Mundschutz-Familien.© Oliver Schaper
Das Ordnungsamt muss keine Maske tragen, da es nur draußen tätig ist.© Oliver Schaper
Ein Mundschutz ist vielleicht das Mode-Accessoire 2020: Deshalb sieht man auch die unterschiedlichsten Varianten auf dem Westenhellweg.© Oliver Schaper
Draußen sind viele Dortmunder ohne Masken unterwegs.© Oliver Schaper
Vor den Geschäften sammeln sich weiter Schlangen.© Oliver Schaper
In größeren Geschäften sorgen Security-Mitarbeiter dafür, dass die Schutzmaßnahmen beachtet werden.© Oliver Schaper
Auch in der ganzen Thier-Galerie herrscht Maskenpflicht. Die sieht man entweder als Pärchen...© Oliver Schaper
... oder vereinzelt durch die Gänge des Einkaufszentrums laufen.© Oliver Schaper

Aus demselben Grund setzen Ute Kersting und ihre Mitarbeiter bei „Blumen Company Kersting“ auf Halstücher statt Masken. „Die lassen sich schneller abnehmen, wenn der Kundenkontakt vorbei ist und es wieder an die körperliche Arbeit geht“, erklärt sie. Denn körperliche Arbeit sei mit Maske nicht zu schaffen, so Kersting.

DSW21 begeistert von ihren Fahrgästen

Auch bei der Fahrt mit Bus und Bahn muss seit Montag eine Maske getragen werden.

Der erste Eindruck bei einer kurzen Fahrt am Montag von der Reinoldikirche zum Westentor zeigt: Hier halten sich die meisten Fahrgäste an die Regel. Nur zwei Personen sind an den Haltestellen zu sehen, die keine Maske tragen.

Was aber nicht heißen muss, dass sie gegen die neue Regel verstoßen: Wer aus gesundheitlichen Gründen keinen Mundschutz tragen kann, ist von der Pflicht ausgenommen - das hat am Montagabend die Stadt Dortmund erklärt. Betroffene müssen sich das jedoch vom Hausarzt bescheinigen lassen. Auch Kinder bis zum Schuleintrittsalter müssen keine Maske tragen.

Den Eindruck aus der Innenstadt bestätigt DSW21 auf Nachfrage. „Wir müssen wirklich ein Lob aussprechen“, schreibt Sprecherin Britta Heydenbluth. „Die ‚Maskenpflicht‘ wird von unseren Fahrgästen sehr gut und gewissenhaft befolgt.“

Sie schätzt, dass sich rund 95 Prozent der Fahrgäste an die neue Regel gehalten haben. Doch auch die übrigen fünf Prozent durften am Montag mitfahren. Die Kontrolle der Maskenpflicht sowie die Verfolgung von Verstößen ist nämlich Sache der Ordnungsbehörden.

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