Eheprobleme, Nacktbaden und Schnitzel: Zwei WDR-Serien aus Dortmund bekommen neue Folgen

dzSerie „Phoenixsee“

Der Kinoabend am Dienstag in der Schauburg hieß nicht nur Heimspiel, sondern war auch eines. Der WDR stellte neue Staffeln seiner Serie „Phoenixsee“ und der „Schnitzel-Reihe“ vor.

Dortmund

, 27.03.2019, 14:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Oberbürgermeister Ullrich Sierau müsste jubeln, wenn er die Bilder aus der zweiten Staffel der WDR-Serie „Phoenixsee“ sieht. Die Bilder zeigen im Gegensatz zum letzten Dortmund-Tatort die Schokoladenseite der Stadt. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der glitzernden Oberfläche des Sees, der der Serie seinen Namen gibt. Gedreht wurde im vergangenen Juni. Beim Anblick der blendend weißen Häuser am Ufer glaubt man sich in einem südkalifornischen Luxus-Resort.

Aber es bleibt Hörde. Und wie schon in der ersten Staffel gehört dazu auch die Schmuddelseite. Nicht zuletzt der authentische Kontrast macht den Charme der Serie aus. Es ist die Geschichte zweier Familien, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt wohnen und doch in ganz unterschiedlichen Welten leben. Doch beide haben Sorgen.

100 geladene Premierengäste

100 geladene Zuschauer bekamen am Premierenabend im Dortmunder Kino Schauburg im Beisein von einigen Schauspielern und den Filmteams einen Vorgeschmack auf die neue WDR-Reihe „Heimspiel – Serien für den Westen“, die der Sender ab 1. April zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr im dritten Programm zeigt. Neben „Phoenixsee“ ist das die „Schnitzel“-Reihe mit Armin Rohde und Ludger Pistor als Loser-Duo sowie die Krimikomödie „Meuchelbeck“, die am Niederrhein spielt.

Zurück zu „Phoenixsee“ und den Sorgen der Anwohner: In dem alten, angeschmuddelten Mehrfamilienhaus leben die Neuraths, eine Arbeiterfamilie. Das Wohnhaus, das zur Luxusimmobilie saniert werden soll, wurde verkauft und den Neuraths die Wohnung gekündigt. Wie sollen sie eine bezahlbare Bleibe finden, zumal Sybille Neurath (Anna Stieblich) auch noch ihren Job in der Bäckerei verliert?

Hansmanns haben sich getrennt

Auch bei der neureichen Familie Hansmann hängt der Haussegen schief. Katharina (Nike Fuhrmann) und Birger Hansmann (Stephan Kampwirth) haben sich vor einem Jahr getrennt. Katharina ist mit ihren zwei Teenager-Kindern in eine kleine Wohnung gezogen, hat einen neuen Freund, ihr Studium beendet und sucht nun einen Job. Ihr Mann Birger springt nackt in den Phoenixsee. Das ist der Verzweiflung geschuldet – und der künstlerischen Freiheit; denn im richtigen Leben ist Baden im See verboten.

Eheprobleme, Nacktbaden und Schnitzel: Zwei WDR-Serien aus Dortmund bekommen neue Folgen

Die unterschiedlichen Familien Hansmann und Neurath am Phoenixsee haben beide Sorgen – auch gemeinsame. © WDR/Frank Dicks

Die Gentrifizierung, der Wechsel von Bewohnern mit niedrigem Einkommen und Status zu statushöheren Bewohnern mit mehr Einkommen, ist auch ein Thema der Serie. In diesem Umfeld machen sich rechtspopulistische Ansichten breit. Bei der kommenden Kommunalwahl tritt eine neugegründete Partei an, die mit ihrer Hetze gegenüber Migranten und „Zugezogenen“ das politische Klima in Dortmund rauer macht. Ausgerechnet Mike Neuraths Freund und Kollege Rogalla (Stephan Bieker) schließt sich der Partei an.

Neue Küche in Phoenixsee-Haus

Wie schon in der ersten Staffel hat eine Familie ihr schönes Haus als „Hansmann“-Haus eine Woche lang für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt. Der einzige Unterschied: „Die Küche ist eine andere“, berichtet Producerin Katarina Cvitic.

Bei der Premiere in der Schauburg erzählt Schauspielerin Anna Stieblich, dass die realen Bewohner in ihrem weniger schönen Filmhaus sich über die Rückkehr der Crew gefreut hätten.

Das Kommunikationszentrum in „Phoenixsee“, die Kneipe von Willi Schimanski, liegt nicht in Dortmund, sondern in Leverkusen, verrät Johannes Rotter, der den Wirt spielt und Dortmund kennt: „Ich habe selbst mal in Hörde gewohnt, als das Stahlwerk noch stand.“

„Lord Borsig“ im Video

Als Trailer für die sechsteilige Staffel greift Hauptdarsteller Felix Vörtler (Mike Neurath) mit seiner Phoenixsee-Band als Mike und die Mechaniker in die Gitarrensaiten und rockt gemeinsam mit BVB-Mitarbeitern und -Fans sowie Vereinsidol Nobby Dickel den Song „Lord Borsig“. Auch der echte „Lord Borsig“, Martin Bense, macht mit. Das Video ist auf Youtube zu sehen.

Nach dem Zuschauererfolg der vier ersten „Schnitzel“-Fernsehfilme legt der WDR nun mit der sechsteiligen Mini-Serie „Ohne Schnitzel geht es nicht“ nach, die ebenfalls in Dortmund spielt. Die beiden Hartz-IV-Empfänger Günther Kuballa (Armin Rohde) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor) leben den Traum vom schnellen Geld gepaart mit einem humanistischen Menschenbild und den bekannt humorigen Einlagen.

Überzeugte Schnitzelliebhaber

Beim Premierenabend war die Folge „Schnitzel Hausfrauenart“ zu sehen. Wolfgang geht in seinem Job als Leiter der Retouren-Abteilung eines Online-Shops auf, bis er Mitarbeitern kündigen soll, und Günther versucht sich als Unternehmer in Heimarbeit.

Eheprobleme, Nacktbaden und Schnitzel: Zwei WDR-Serien aus Dortmund bekommen neue Folgen

Die Schnitzelliebhaber und Loser Günther (Armin Rohde, r) und Wolfgang (Ludger Pistor) rappeln sich immer wieder auf. © WDR/Bavaria/Frank Dicks

Die beiden überzeugten Schnitzelliebhaber lassen sich auch dieses Mal von Rückschlägen nicht unterkriegen und kommen am Ende – so viel sei vorab verraten – dieses Mal ihrem großen Ziel ein Stück näher als bisher: Würde, Anerkennung und ein selbstbestimmtes Leben.

Die dritte Mini-Serie „Meuchelbeck“ spielt zwar am Niederrhein, aber ist gleichzeitig ein Wiedersehen mit einem bekannten Dortmunder Film- und Theatergesicht: Claus Dieter Clausnitzer spielt Opa Erwin Ingensiep.

Der Start von „Heimspiel – Serien für den Westen“ ist am 1. April um 20.15 Uhr im WDR-Fernsehen. Den Auftakt macht „Ohne Schnitzel geht es nicht“ mit jeweils zwei Folgen am 1., 8. und 15. April. Es folgt die 2. Staffel von Phoenixsee mit jeweils zwei Folgen am 29. April, 6. und 13. Mai. Die 2. Staffel von „Meuchelbeck“ läuft am 20. und 27. Mai und am 3. Juni. Alle Folgen der drei Serien sind jeweils zwei Wochen vorab schon in der WDR-Mediathek zu sehen.
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