Droht dem Dortmunder WDR-Kinderchor wirklich Gefahr durch Pegida?

dzSemperopernball in Dresden

Bei der Chorakademie gibt es Bedenken, die Kinder nach dem „Umweltsau“-Skandal beim Semperopernball auftreten zu lassen. Polizei und Experten vor Ort schätzen auf unsere Nachfrage die Lage ein.

Dortmund

, 05.02.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Gewalt oder gezielten Anfeindungen müssen die Kinder vom WDR-Kinderchor am Freitag wohl nicht rechnen, wenn sie beim Semperopernball in Dresden auftreten.

„Pegida wird es am Freitag nicht um den Chor gehen“, denkt Alexander Schneider. Wenn die rechtspopulistische Bewegung denn überhaupt vor Ort ist - das ist aktuell noch offen.

Schneider ist Polizei- und Gerichtsreporter bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Seit ihrer Entstehung hat er dabei auch ein genaues Auge auf Pegida und die regelmäßigen Demonstrationen der Bewegung.

Dabei ist ihm auch aufgefallen, was Lutz Bachmann, Kopf der Dresdner Pegida, am Dienstag auf Facebook postete: ein Bild der Dresdner Semperoper, dazu die Frage an seine Follower: „Was macht ihr eigentlich so am Freitag, 07.02.2020 ab 19 Uhr Hat jemand eine Idee?“

Droht dem Dortmunder WDR-Kinderchor wirklich Gefahr durch Pegida?

Ob Pegida-Aktivisten am Freitag beim Semperopernball in Dresden auftauchen, ist bisher offen. Gefahr für die Sänger vom WDR-Kinderchor besteht aber wohl nicht. © dpa

Vorstand der Chorakademie ist vor Auftritt besorgt

Dass rechte Gruppen wie Pegida den Auftritt des WDR-Kinderchors für Anfeindungen nutzen könnten, befürchtet unter anderem Jan Boecker von der Dortmunder Chorakademie, zu der der Kinderchor gehört. „Ich habe kein gutes Gefühl dabei“, sagte er am Montag (3.2.) im Gespräch mit der Redaktion.

Denn die Kritik und Empörung über das „Umweltsau“-Lied, das der Chor im Dezember im WDR sang, wurden maßgeblich von rechten Social-Media-Accounts losgetreten. Erst danach schlossen sich auch Vertreter der politischen Mitte der Diskussion an.

Deswegen riet der Vorstand der Chorakademie dem Kinderchor auch von den Auftritten ab. Eltern und Chorleiter Zeljo Davutovic halten jedoch bisher am Auftritt fest - eine Entscheidung, die der Vorstand laut Boecker akzeptiert und unterstützt.

Zwei Demos gegen Opernball - aber keine von Rechten

Die Polizei Dresden hält die Sorgen des Vorstands für unberechtigt. „Dresden ist eine sichere Stadt“, versichert Sprecher Marko Laske auf Nachfrage. Weder habe Pegida eine Demo gegen den Opernball angemeldet, noch gebe es Hinweise, dass Pegida-Teilnehmer die Veranstaltung in irgendeiner Form stören wollen.

Sollte es dennoch zu Zwischenfällen kommen, werde die Polizei auf jeden Fall eingreifen. Vor Ort sein werden die Beamten schon allein wegen der anderen zwei Demonstrationen, die angemeldet wurden.

Die Aktionen von Amnesty International und von Dresdner Kulturschaffenden beziehen sich jedoch auf die (mittlerweile geplatzte) Ordensverleihung an den ägyptischen Präsidenten Al-Sisi und die zahlreichen Absagen von Gästen und Moderatoren, die auf die Debatte folgten.

Darum wird es vermutlich auch etwaigen Pegida-Aktivisten gehen, die am Freitag auf dem Vorplatz der Oper auftauchen. Sollten sie tatsächlich dem mutmaßlichen Aufruf von Bachmann folgen, dann, um gegen die Politiker unter den Gästen oder den MDR zu protestieren.

Pegida-Anhänger in der Regel nicht gewalttätig

Das vermutet zumindest Reporter Alexander Schneider. Zwar haben sich auch Bachmann und seine Anhänger seinerzeit zur „Umweltsau“-Debatte geäußert, der Auftritt in Dresden war aber bisher offenbar kein Thema bei Pegida. Bis zum Redaktionsschluss dieses Textes am Mittwochabend (5.2.) fielen die Reaktion auf Bachmanns Facebook-Post zudem eher spärlich aus.

Außerdem, das schickt Schneider hinterher, ist bei den Pegida-Anhängern zumindest nicht mit körperlicher Gewalt zu rechnen. „Wenn sie da sind, werden sie pöbeln und provozieren“, sagt er. Gewalttätig seien sie aber in der Regel nicht.

Chorleiter Zeljo Davutovic war in der Sache am Mittwoch nicht zu sprechen. In der WDR-Pressestelle geht man jedoch aus, dass der Chor am Freitag auftritt. Eine Sprecherin fügt allerdings hinzu: „Die finale Entscheidung liegt bei der Chorleitung, die in engem Austausch mit den Eltern, dem Vorstand der Chorakademie Dortmund - dem Träger des Chores - und dem WDR steht.“

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der WDR habe sich in der Sache nicht geäußert. Inzwischen hat die Redaktion jedoch die oben zitierte Stellungnahme zum Auftritt erreicht, die deshalb nachträglich eingefügt wurde.

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