Was tut ein „Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“?

dzRund 100 Tage im Amt

Manfred Kossack ist seit gut 100 Tagen Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Der Job ist ein Ehrenamt. Eine erste kleine Bilanz. Und ein Ausblick.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 29.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass man Dortmunds Stadtteil Dorstfeld mit Begriffen wie „Nazis" und „Rechtspopulismus" in Verbindung bringt, ist beschämend. Beschämend deshalb, weil kaum mehr als einige Dutzend Menschen dafür sorgen, dass die öffentliche Wahrnehmung des Stadtteils und Dortmunds beschädigt wird.

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Seit gut 100 Tagen bekleidet Manfred Kossack, ehemaliger Arbeitsdirektor von DEW21 und DSW21, das Ehrenamt des Sonderbeauftragten der Stadt Dortmund für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

Erfahrungen aus der eigenen beruflichen Vergangenheit hatten ihn nach eigenen Angaben schon früh sensibilisiert für das Kämpfen gegen Rechts. Das Rechtspopulismus-Beispiel Dorstfeld spielt auch bei seiner neue Aufgabe eine Rolle.

Herr Kossack, 100 Tage im Ehrenamt - Warum sind Sie für den Job geeignet?

Für mich als Workoholic (lacht) ist so eine Aufgabe natürlich genau das Richtige. Aber im Ernst: Seit ich vor vielen Jahren durch die Mitarbeit an der städtischen Ausstellung „Widerstand und Verfolgung 1933 - 1945" mit Einzelschicksalen aus dieser Zeit konfrontiert war, ließen mich die Gedanken an die Wichtigkeit des Kampfes gegen Rechts nicht mehr los.

Unbewusst schlummerte in mir also schon früh der Entschluss, nach meiner beruflichen Laufbahn noch etwas im Kampf gegen Rechts tun zu wollen. Und in meiner neuen ehrenamtlichen Position als Sonderbeauftragter habe ich dazu vielfältige Möglichkeiten.

Worin besteht die Vielfalt?

Ich habe in gut 100 Tagen einiges darüber gelernt, wo und wie überhaupt sich Rechtspopulismus entwickelt. Nehmen wir das Beispiel Dorstfeld. Man begreift Dorstfeld oft als Nazi-Hochburg, aber die andere Seite, die tausenden Menschen, die sich dagegen auflehnen, gehen in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter.

Was tun die Dorstfelder denn, um sich gegen den Rechtspopulismus zu stemmen?

Mich erreichen viele Stimmen aus der Zivilbevölkerung, die sich nach Möglichkeiten erkundigen wollen, den Einzug von Rechtspopulisten zum Beispiel in Vereine - sei es der örtliche Gartenverein - zu verhindern. In meiner Aufgabe als Koordinator zwischen Polizei, Stadt und Zivilbevölkerung biete ich dann Hilfestellungen an und vernetze. Solche Anfragen gibt es zuhauf.

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An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell sonst noch?

Zurzeit arbeiten wir - das bedeutet meine drei Mitarbeiter und ich - an einem Konzept, das es uns ermöglichen wird, mit der Dortmunder Wirtschaft in Kontakt zu treten, um den Betrieben bei der Frage behilflich zu sein: Wie kann man auch bei der Einstellung von Auszubildenden Vielfalt zeigen? Wir werden unter anderem Beratungen anbieten, aber an genauen Konzepten arbeiten wir noch.

2021 wird zudem das Jahr sein, in dem das jüdische Leben in Deutschland seit 1700 Jahren besteht. Da kann man sich doch fragen: Wie sieht eigentlich das aktuelle jüdische Leben in Dortmund aus? Dann fragen wir uns, wie kann man solche Daten erheben? Wir arbeiten also aus, wie man Geschichten von jüdischen Mitbürgern sammeln und anschließend veröffentlichen kann. Aber auch das sind erst Grundkonzepte, an denen noch gefeilt wird.

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