Dortmunds Polizei testet Dienst-iPhones - Personen überprüfen geht jetzt per App

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Smartphones für Polizisten. Im Jahr 2019. Was sich wie eine Selbstverständlichkeit anhört, wird jetzt Realität. Dortmund ist Test-Kommune. Die Folgen dürften erheblich sein.

07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es ist, sagt der Innenminister Herbert Reul am Freitagvormittag in einer Halle im Ausbildungszentrum der Dortmunder Polizei, ein „besonders wichtiger Tag für die Polizei. Ein ganz besonders wichtiger Tag für mich.“ Ein „Toptag“ sei das, obwohl in seiner Amtszeit schon „einiges auf die Gleise gesetzt“ worden sei. „Heute“, sagt der Minister noch, „ist der Tag der Digitalisierung der Polizei“.

Die Digitalisierung, die jetzt bei der Polizei Einzug hält, kommt in Form von Smartphones daher.

Streifenbeamte, Staatsschutz und andere Beamte, die draußen ihren Dienst versehen, bekommen nach und nach ein iPhone 8, es soll ihre Arbeit vereinfachen, sicherer und schneller machen. Um darzustellen, wie ein Smartphone das alles leisten kann, wird zunächst ein kurzer Film gezeigt. Dann stellen Beamte ein fiktives Einsatzszenario nach, bei dem sie einen Pkw überprüfen, deren Insassen sich als Kioskräuber herausstellen werden.

Dortmunds Polizei testet Dienst-iPhones - Personen überprüfen geht jetzt per App

Entdecke die Möglichkeiten: In einem fiktiven Einsatzszenario, bei dem Polizisten einen Pkw überprüfen, deren Insassen sich als Kioskräuber herausstellen, zeigen Beamte am Freitag die Anwendungsmöglichkeiten ihrer Handys. © Großekemper

Die Apps auf dem Handy sind speziell von und für die Polizei konzipiert worden. Und in der Tat sieht das alles sehr überzeugend aus: Es gibt einen polizeiinternen Messenger auf den Geräten, Reul nennt ihn „eine Art Whatsapp für die Polizei“. Es gibt eine Scanfunktion für Nummernschilder, die zum Beispiel auch während der Fahrt funktionieren soll.

Gescannt werden können auch Ausweisdokumente. Personen- oder Pkw-Abfragen sind über eine Auskunfts-App möglich. Für solche Abfragen musste in der Vergangenheit die Leitstelle angefunkt werden. Die drei Programme sind bereits jetzt auf den Handys installiert, weitere sollen dazukommen. So soll dann in Zukunft die Aufnahme leichter Verkehrsunfälle vollständig über das Handy laufen, auch die Identifikation von Personen durch Fingerabdrücke soll möglich werden. All das funktioniert natürlich nur bei ausreichender Netzabdeckung. Sollte die nicht gegeben sein, kann auf den bisher gebräuchlichen Digitalfunk zurückgegriffen werden.

„Fragen Sie nicht, warum das erst jetzt geschieht“

Dass die Smartphones das Arbeitsleben der Polizei erleichtern, ist nach der Vorführung ziemlich unstrittig. Die Frage, die aber über allem schwebt und auch beantwortet werden muss, lautet: Wieso wird die Polizei heute, im Frühsommer 2019, mit einer Technik ausgestattet, die de facto jede Privatperson in ihrer Hosentasche hat?

„Fragen Sie nicht, warum das erst jetzt geschieht“, hatte Reul zwar bei seinen ersten Worten gesagt. Aber natürlich taucht die Frage auf und der Innenminister beantwortet sie später, vor den Kameras, wie folgt: „Ganze Generationen von Regierungen haben sich nicht gekümmert.“ Als die jetzige Landesregierung dann die Amtsgeschäfte in Düsseldorf übernahm, „haben wir es entschieden“. Der alte Zustand sei eine Zumutung gewesen, „eine Ausstattung aus der Steinzeit für Menschen, die für uns ihr Leben aufs Spiel setzen“.

Pilotprojekt mit drei Polizeibehörden

Mit dem Termin am Freitag begann ein zweimonatiges Pilotprojekt. Drei Polizeibehörden (Dortmund, Recklinghausen und Wesel) bekommen die ersten 250 Smartphones, 90 davon gehen nach Dortmund. Dort sollen sie im Echtbetrieb getestet werden.

Ab September sollen dann weitere Smartphones ausgeliefert werde, bis Frühjahr 2020 sollen 20.000 Smartphones ausgegeben worden. Anschließend soll das Projekt mit dem Namen mobi.kom, was für „Mobile Kommunikation“ steht, weiter ausgeweitet werden. Bis 2022 sind dafür 50 Millionen Euro veranschlagt. Rund 48.000 Polizeibeamte gibt es in NRW, letztlich soll nicht jeder ein Smartphone haben. Aber jeder, der eins braucht, soll eins bekommen.

Übertragungen laufen verschlüsselt

Das iPhone 8 wurde zum Smartphone der Wahl nach einer entsprechenden Ausschreibung der Polizei und „intensiven Prüfprozessen, speziell was die Sicherheitsstandards angeht“, sagt ein Beamter von der Landeszentrale für Polizeiliche Dienste (LZPD). Überhaupt, das Thema Sicherheit. Auch das habe dafür gesorgt, dass es bis Juni 2019 gebraucht habe, mobi.kom in den Testbetrieb zu bringen.

Verschlüsselte Übertragungen und ein zertifiziertes Rechenzentrum der Polizei sollen die Sicherheit der sensiblen Daten garantieren. Wie auch Fernadministration und Fernlöschen sowie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung.

In der Vergangenheit hatte es Kritik an der Polizei gegeben, weil einzelne Beamte anlasslos zum Beispiel Nachbarn überprüft hatten. Das ist mit den Handys theoretisch auch möglich – doch jeder Abfrage-Vorgang auf dem Handy soll gespeichert und dem Beamten zugeordnet werden können, der das Smartphone in Betrieb hatte.

„Ich bin hin und weg“

So stehen dann in einer mehrgeschossigen Halle des Ausbildungszentrums viele Polizisten, sie wirken ganz zufrieden und mehrfach fällt in Gesprächsfetzen, dass „das heute hier aber ein schöner Termin ist“.

Wenn die 20.000 Smartphones in NRW verteilt sind, ist das Bundesland bundesweit vorn, sagt ein Beamter von der LZPD. Bei Innenminister Reul hört sich das so an: „Damit werden wir im Bereich der mobilen Kommunikation die am besten ausgestattete Polizei Deutschlands sein. Wir bringen die Technik an den Einsatzort und nicht den Einsatzort zur Technik.“

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange findet, die Digitalisierung sei „notwendig, vielleicht auch überfällig gewesen“. Jetzt aber sei sie da, moderne Technik könne eingesetzt werden, und darüber freue er sich.

Reul sieht das als oberster Polizist des Landes eine Spur euphorischer: „Das ist doch eine Supergeschichte. Und das ist erst der Anfang. Ich bin hin und weg.“

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